Panorama

Auf dem UNESCO-PrüfstandDresdner Weltkulturerbe

01.07.2008, 10:41 Uhr

Zum dritten Mal berät die UNESCO über den Welterbe-Titel des Dresdener Elbtals. Angesichts fortschreitender Bauarbeiten für die umstrittene Waldschlösschenbrücke wird die Streichung von der Welterbeliste befürchtet.

Fast 6000 Kilometer und sechs Zeitzonen entfernt geht es diese Woche in Quebec (Kanada) um den gefährdeten UNESCO-Welterbe-Titel des Dresdner Elbtals. Das zuständige Komitee der UN-Kulturorganisation tagt vom 2. bis 10. Juli und befindet dann zum dritten Mal über den Status der rund 20 Kilometer langen Flusslandschaft. Titelaberkennung oder nicht - das ist die Frage. Angesichts fortschreitender Bauarbeiten für die umstrittene Waldschlößchenbrücke wird die Streichung aus der Welterbeliste befürchtet. Die UNESCO hat mehrfach deutlich gemacht, dass Dresden den Titel verliert, wenn die Brücke entsteht.

Das Dresdner Elbtal kam 2004 auf die Welterbe-Liste. In der Bewerbung war die Brücke zwar enthalten, ihr Standort aber falsch vermerkt. Nach Intervention aus dem Welterbezentrum Paris wurde der Baubeginn verschoben. Im Juli 2006 dann setzten dann die Welterbe-Väter das Elbtal auf die Rote Liste gefährdeter Stätten und zeigte Deutschland damit - in Fußballersprache - die gelbe Karte: eine letzte Chance statt Aberkennung. Das Gremium verlangte den Stopp des 160 Millionen Euro-Projekts und eine mit dem Welterbe-Status vereinbare Alternative.

Elbtal auf der Roten Liste

Ein Jahr später gab es erneut eine Gnadenfrist: Das Elbtal blieb auf der Roten Liste genauso wie die Forderung nach Alternativen. Seitdem hat sich nichts Gravierendes in den Positionen von Gegnern und Befürwortern der Brücke bewegt. Ein neuer Bürgerentscheid für einen Tunnel an gleicher Stelle wurde von den Behörden als unzulässig abgelehnt. Die Stadt setzt ihre Hoffnungen in eine filigranere Brückenkonstruktion, deren Entwurf der UNESCO vorliegt.

"Das ist das, was die Stadt auf der Grundlage der rechtlichen Rahmenbedingungen als Kompromiss vorschlagen konnte", betont Stadtentwicklungsbürgermeister Herbert Feßenmayr (CDU). Dresden sei weiterhin an den Bürgerentscheid von 2005 gebunden, bei dem sich eine Mehrheit für die Brücke aussprach. "Ich könnte mir vorstellen, dass die Kompromissvariante des Baus dazu beitragen kann, dass die UNESCO mit ihrer Entscheidung abwartet", hofft Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). Für Pessimisten aber ist klar, dass die Hüter des Welterbes das niemals akzeptieren. Am Montag teilte denn auch - kurz vor der Tagung in Quebec - das Kuratorium UNESCO-Welterbe Dresdner Elbtal mit, es wolle von seinem Mandat entbunden werden. Man sehe keine Grundlage für seine Arbeit mehr.

Politische und juristische Versuche gescheitert

Bisher scheiterten alle politischen und juristischen Versuche, die Errichtung der sechsten Stadtbrücke zu verhindern und Zeit für die Rettung des Welterbes zu gewinnen. Alle Instanzen entschieden für die Achtung des Bürgerwillens und damit den Brückenbau. Der Bund ist nach wie vor um einen Kompromiss mit der UN-Organisation bemüht. Für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist Dresden "natürlich Welterbe", aber Demokratie müsse Vorrang haben. Mit einem Verlust des begehrten "Adelsprädikats" sind zwar keine direkten finanziellen Einbußen verbunden, aber doch ein Imageverlust. Experten gehen aber davon aus, dass er ganz Deutschland treffen würde.

Kritiker sehen aber - bestätigt von Gutachtern - gravierende "visuelle Auswirkungen und irreversible Schäden" für das Elbtal. Der Chef des UNESCO-Welterbezentrums in Paris, Francesco Bandarin, hatte im Mai den sofortigen Stopp der Bauarbeiten und eine neue Abstimmung der Bürger in Dresden gefordert. Ein internationales Expertenteam, das das Projekt im Auftrag der UNESCO begutachtete, empfahl im März den Bau eines Tunnels statt der Brücke.

Hoffen auf die Kleine Hufeisennase

Die Brückengegner hoffen weiter auf die Kleine Hufeisennase: Die bedrohte Fledermausart soll die Brücke im landschaftlich reizvollen Elbtal doch noch verhindern. In einem Gerichtsverfahren sehen Kläger Belange des Naturschutzes nicht ausreichend berücksichtigt. Das könnte nach Einschätzung von Experten aber noch Jahre dauern. Bis dahin wäre der Welterbetitel wahrscheinlich weg. Das Schicksal des Dresdner Elbtals als Welterbe liegt nun in den Händen von Vertretern aus Australien, Kuba, Mauritius oder Peru. Deutschland ist mit Beobachterstatus in Quebec zum Zuschauen verurteilt.

Quelle: Simona Block, dpa