Englische ThronfolgeEin Bayer könnte König werden
Franz von Bayern, der Urenkel des letzten bayerischen Königs Ludwig III., könnte König von England werden - wenn ...
Franz von Bayern, der Urenkel des letzten bayerischen Königs Ludwig III., könnte König von England werden. Darauf weist die britische Zeitung "Telegraph" hin. Hintergrund sind Überlegungen in der britischen Regierung, den "Act of Settlement" aus dem Jahre 1701 abzuschaffen.
Mit dem "Act of Settlement" regelte das britische Parlament Anfang des 18. Jahrhunderts die Thronfolge. Das noch immer gültige Gesetz schreibt fest, dass Katholiken nicht König oder Königin von England werden können. Zum Ausschluss aus der Thronfolge genügt es bereits, einen "Papisten" zu heiraten.
Sowohl die katholische Kirche in England als auch Abgeordnete der regierenden Labour-Partei kritisieren den "Act of Settlement" als Diskriminierung. Der britische Justizminister Jack Straw sagte Ende März im Unterhaus, er verstehe, dass das Gesetz für viele Abgeordnete "antiquiert" sei. Die Regierung sei bereit, die Abschaffung zu erwägen.
Der schottische Regierungschef Alex Salmond fordert ebenfalls die Abschaffung des "Act of Settlement". Sein Motiv: Das Haus Stuart, das mit dem Gesetz entmachtet wurde, war nicht nur katholisch, sondern auch schottisch.
Abschaffung unwahrscheinlich
Zwei Probleme dürften die Abschaffung des anachronistischen Gesetzes verhindern: Zum einen sind die Königinnen und Könige von England automatisch Oberhaupt der anglikanischen Kirche. Zwar verhindert der "Act of Settlement" nur eine katholische Thronfolge - Angehörige anderer Konfessionen oder Religionen könnten theoretisch den Thron besteigen -, doch stünde die besondere Rolle der anglikanischen Staatskirche mit der Abschaffung des Gesetzes vor dem Aus.
Zum anderen ist Elizabeth II. nicht nur Königin des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland, sondern auch Staatsoberhaupt 15 weiterer Staaten. Die größten darunter sind Kanada, Australien, Neuseeland und Jamaika, außerdem zählen Kleinstaaten wie die Bahamas, die Salomonen oder Tuvalu dazu. Um sicherzustellen, dass es zwischen dem Vereinigten Königreich und den anderen so genannten Commonwealth-Königreichen keine geteilte Thronfolge gibt, müsste der "Act of Settlement" dort ebenfalls abgeschafft werden.
Als das Gesetz 1701 beschlossen wurde, saß Königin Anne auf dem Thron, die letzte Protestantin in der königlichen Linie der Stuarts. Nach ihrem Tod 1714 ging die Königswürde an das Haus Hannover über, das bis heute die Königinnen und Könige von England stellt - allerdings unter anderem Namen: 1840 änderte Königin Victoria den Namen in Sachsen-Coburg-Gotha, während des Ersten Weltkriegs benannte Georg V. seine Familie aus patriotischen Gründen in Windsor um.
Der "Telegraph" hat nun ermittelt, wer heute auf dem englischen Thron säße, wenn es den "Act of Settlement" nicht gegeben hätte: nämlich besagter Franz von Bayern, der im Juli seinen 75. Geburtstag feiert und Oberhaupt des Hauses Wittelsbach ist, dem Adelsgeschlecht, aus dem vom Mittelalter bis zur Abschaffung der Monarchie die bayerischen Herrscher kamen.
Die Jakobiten, Anhänger James II. von England, dem letzten katholischen Monarchen des Vereinigten Königreichs, betrachten Franz von Bayern bis heute als legitimen König von England. James wurde 1688 in der "Glorious Revolution" abgesetzt und 1690 von König William in der legendären Schlacht am Boyne besiegt. An den Sieg der Protestanten am Boyne erinnern noch heute die nordirischen "Oranier-Orden" mit ihren jährlichen Märschen. Der Name "Oranier" bezieht sich direkt auf William - er stammte aus dem Hause Oranien, dem heutigen Königshaus der Niederlande.
"Eine deutsche Familie würde die andere ersetzen"
Wenn der "Act of Settlement" verschwinde, "dann wird die ganze katholische Linie wieder eingesetzt", sagte der Frühneuzeit-Historiker Daniel Szechi von der Universität Manchester dem "Telegraph". "Franz wird der rechtmäßige Thronanwärter. Wir würden einfach eine deutsche Familie gegen eine andere tauschen."
Patrick Cracroft-Brennen, Herausgeber eines britischen Adelsführers, sagte der Zeitung allerdings, der Anspruch würde nicht durchgesetzt werden können, da heute in der Praxis die Regierung den Monarchen bestimme.
Der "Telegraph" fragte auch bei Franz von Bayern nach, ob Interesse am britischen Thron bestehe. Sein Sprecher winkte ab. Der Wittelsbacher sei "sehr glücklich und zufrieden damit, der Herzog von Bayern zu sein".