Panorama
Dienstag, 18. April 2006

Kampf um Postleitzahlen: Ein Tal will deutsch bleiben

Das zu Österreich gehörende Kleinwalsertal wehrt sich gegen den drohenden Verlust der bisher gültigen deutschen Postleitzahlen. Unterstützung erhalten die Alpental-Bewohner von der Deutschen Post AG und der bayerischen Staatsregierung. Die österreichische Post will den bestehenden Sonderstatus für das Kleinwalsertal zum Jahr 2007 abschaffen. Bis Mitte des Jahres 2006 soll eine Entscheidung fallen.

Das Kleinwalsertal versteht sich als "deutsches Wirtschaftsgebiet" und ist seit mehr als 50 Jahren auch postalisch an die Bundesrepublik angeschlossen. Die Ortschaft Riezlern beispielsweise trägt die österreichische Postleitzahl 6991 sowie die deutsche Postleitzahl 87567. Bei Hirschegg sind es A-6992 und D-87568, bei Mittelberg A-6993 und D-87569.

"Unsere ganzen Geschäftsbeziehungen und der Warenverkehr laufen über deutsche Postleitzahlen, ein Wegfall hätte weit reichende negative Auswirkungen bis auf das Internet-Geschäft", sagte ein Sprecher des Kleinwalsertals der Deutschen Presse-Agentur. Derzeit gelten im Kleinwalsertal sowohl österreichische als auch deutsche Postleitzahlen und Briefmarken. Die offizielle Internetseite des Tales trägt nicht die Top-Level-Domain .at, sondern .com.

Das Kleinwalsertal, ein beliebtes Wintersportgebiet, erstreckt sich mit seinen rund 5.000 Einwohnern auf einer Fläche von fast 100 Quadratkilometer, ist etwa 15 Kilometer lang und gut 6,5 Kilometer breit. Die drei Ortschaften im Tal bilden eine Gemeinde. Das von den Bergen eingekesselte Tal ist mit dem Auto nur über deutsches Gebiet (Oberstdorf) erreichbar. Aus diesem Grund war es seit 1891 "Zollanschlussgebiet".

Jahrelang war die offizielle Währung des Kleinwalsertals die deutsche Mark. Mit dem EU-Beitritt Österreichs 1995, dem damit verbundenen Schengener Abkommen und der Euro-Umstellung hat das Tal seinen Zollanschlussstatus aber weitgehend verloren. Den Kampf um deutsche Vorwahlnummern für ihre Telefone haben die Talbewohner bereits verloren: Seit Juli 2003 ist das Kleinwalsertal nicht mehr unter einer deutschen Vorwahl erreichbar.

Ein Sprecher der Deutschen Post AG sagte, aus deutscher Sicht könnte der noch bis Jahresende geltende Sonderstatus für Postleitzahlen beibehalten werden. Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) hat sich bei der österreichischen Bundesregierung für die deutschen Postleitzahlen im Kleinwalsertal eingesetzt. Auch der Landtag des österreichischen Bundeslandes Vorarlberg, zu dem das Tal gehört, hat eine Resolution gegen den Wegfall der deutschen Postleitzahlen verfasst.

Politisch stellen die Talbewohner ihre Zugehörigkeit zu Österreich nicht in Frage. Die Gemeindewahlen im April 2005 ergaben einen Sieg der rechtsgerichteten FPÖ knapp vor der konservativen ÖVP. Die einzige weitere Partei im Kleinwalsertal, die Partei "die unabhängige" (du) erhielt lediglich rund 14 Prozent.

Quelle: n-tv.de