Essen und Trinken

Lecker, gesund, kalorienreichMit Nüssen gegen Cholesterin

15.12.2004, 12:09 Uhr

Besonders in der Weihnachtszeit werden sie geknackt: die Wal-, Hasel- und Paranüsse. Sie gehören aber nicht nur auf den Weihnachtsteller und schmücken die Plätzchen - sie sind zudem sehr gesund und können sogar Herzinfarkten vorbeugen.

In den Wintermonaten kracht und knirscht es wieder in Küchen und Wohnzimmern: Das Nüsse-Knacken gehört zur Tradition wie Lebkuchen und Tannengrün. Hasel- und Walnusskerne zieren auch viele Plätzchen und Kuchen.

Die schmackhaften Samenkerne sind aber nicht nur schmückendes Beiwerk zum Weihnachtsfest. Studien aus den vergangenen Jahren zufolge fördert ihr Verzehr auch die Gesundheit und kann beispielsweise Herzinfarkten vorbeugen.

Waren Nüsse lange Zeit als kalorienreiche Dickmacher verrufen, haben Gutachten den Ruf des Schalenobstes kräftig aufpoliert: "Sie enthalten zwar 40 bis 70 Prozent Fett, aber der Anteil an ungesättigten Fettsäuren ist sehr hoch", sagt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn. So könne eine regelmäßige Ernährung insbesondere mit Hasel- und Walnüssen das "schlechte" Cholesterin LDL im Blut senken, was das Risiko eines Herzinfarktes verringere.

"Nüsse sind auch gute Lieferanten von Vitamin E und von Folsäure", erläutert Gahl. Daneben enthalten sie Ballaststoff und Spurenelemente wie Eisen, Magnesium, Kalium und Kalzium. Bestätigt wird die Wirkung der Nuss durch einen Bericht der Bundesforschungsanstalt für Ernährung in Karlsruhe. "Einige Befunde epidemiologischer Studien deuten auch einen günstigen Einfluss des Verzehrs von Nüssen auf Krebsrisiken an", stellte der Autor Prof. Johannes Friedrich Diehl bereits 2001 fest. Dazu müsse jedoch noch weiter geforscht werden.

Von übermäßigem Nussverzehr rät die DGE allerdings ab. "Man sollte nicht mehr als 25 Gramm pro Tag zu sich nehmen", warnt Gahl. Dies entspreche gut einer Hand voll Nüsse. "Der Energiegehalt ist sehr hoch: 100 Gramm Haselnüsse enthalten genau so viel Fett wie ein halbes Päckchen Butter."

Für manche Menschen aber kann schon eine Nuss zu viel sein: Wer gegen Birkenpollen allergisch ist, hat oft auch mit Haselnüssen Probleme. "Mandeln, Walnüsse, Paranüsse oder Cashewkerne können genauso gefährlich werden", so Gahl. Gleiches gilt für Erdnüsse, die botanisch nicht zu den Nüssen, sondern zu den Hülsenfrüchten zählen.

Beim Kauf von Nüssen sollten Verbraucher darauf achten, dass die Ware in einwandfreiem Zustand ist. Schnell setzen sich sonst Schimmelsporen fest und bilden so genannte Aflatoxine. "Sie sind giftig und können das Erbgut schädigen", warnt Gahl. Nüsse sollten daher vor dem Knacken immer unbeschädigt sein. "Wenn der Kern schwarz verfärbt oder von einem weißen Belag überzogen ist, wird die Nuss besser weggeworfen", empfiehlt die Ernährungsexpertin.

Als belastet gilt vor allem die aus Brasilien stammende Paranuss: Da sie bei der Ernte meist vom Boden aufgesammelt wird, ist besonders ihre Schale schnell von Schimmel befallen. In Deutschland ist die längliche Nuss daher fast nur noch als Kern erhältlich, erläutert Hans-Peter Brink vom Nussgroßhändler Zieler aus Hamburg.

Im Trend liegen dagegen andere Exoten. Insbesondere Pinienkerne und Macadamia-Nüsse seien gegenwärtig gefragt, heißt es bei der Firma Herbert Kluth in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg, einem der Marktführer für Nussmischungen. "Die Macadamia kommt immer mehr", bestätigt Nusshändler Brink. Die nach ihrem Entdecker John McAdam benannte Nuss wird fast ausschließlich in Australien und Hawaii angebaut und hat auf Grund ihres süsslich-mehligen Geschmacks viele Anhänger gefunden.

Spitzenreiter in der Gunst der Bundesbürger ist jedoch nach wie vor die Haselnuss, wie die Zentrale Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) in Bonn mitteilt. Die im Jahr 2003 importierten 51 000 Tonnen Haselkerne ohne Schale stammen überwiegend aus der Türkei und Italien. In weitem Abstand folgen die Walnüsse mit 7400 Tonnen, die überwiegend aus Kalifornien und Chile kommen. Bei den vor allem zur Weihnachtszeit beliebten Nüssen mit Schale ist es umgekehrt: Hier stehen 12.000 Tonnen Walnüssen nur 3.500 Tonnen Haselnüsse gegenüber.

Hasel- und Walnuss dienen längst auch außerhalb der Weihnachtszeit in Nussmischungen als Snack für zwischendurch, als Müsli-Zutat werden sie in Milch oder Joghurt gerührt. "Auch in selbst gebackenes Brot lassen sie sich gut mischen", erläutert Gahl. Der gesundheitlichen Vorteile wegen könnten Butter oder Sahne in Koch- und Backrezepten durch Nussfette oder -öle ersetzt werden, schlägt Prof. Diehl vor.

Die große Nachfrage nach Nüssen hat in den vergangenen Jahren laut Hans-Peter Brink dazu geführt, dass weltweit langsam das Angebot knapp wird. "China und Japan kaufen immer mehr", so der Nusshändler. Die Anbauländer würden selbst Rekordernten spielend los - und da ein Nussbaum Jahre braucht, bis er trägt, sei eine Folge abzusehen: "Die Verbraucher müssen sich auf höhere Preise gefasst machen." Noch ist davon aber nicht viel zu spüren: So kosten Walnüsse laut ZMP mit zwei bis drei Euro pro Kilogramm derzeit etwa so viel wie vor einem Jahr.