Ehemaliger Satudarah-Präsident verurteiltEx-Rocker-Chef gilt nun als Verräter
Mit der Kronzeugen-Regelung erhält der ehemalige Präsident des Satudarah-Chapters in Duisburg zwar eine vergleichsweise milde Strafe. Zum ersten Mal bricht ein Rocker den Ehrenkodex - die alten Kollegen könnten auf Rache sinnen.
Geständnis gegen milde Strafe: Getreu dieser Vereinbarung hat das Duisburger Landgericht den früheren Präsidenten des Motorrad-Clubs Satudarah verurteilt. Der 38-Jährige hatte umfangreiche Drogen- und Waffengeschäfte gestanden und bei der Polizei sogar die Namen von Komplizen preisgegeben. Diesen "mutigen Schritt" honorierten die Richter mit der vergleichsweise geringen Strafe von sechseinhalb Jahren Haft. Richter Mario Plein bezeichnete die Aufklärungshilfe des Angeklagten in der Urteilsbegründung als "enorm wertvoll".
Der frühere Chef-Rocker des Chapters Duisburg wehrte sich gegen den Vorwurf, ein Verräter zu sein. Unmittelbar vor der Urteilsberatung hatte der Ex-Präsident noch einmal das Wort an seine Rocker-Kollegen gerichtet. "Die, die noch bei Satudarah sind, sollten mich zum Vorbild nehmen und auch aussteigen", sagte er. Dann bedankte er sich bei Polizei und Staatsanwaltschaft und beteuerte noch einmal, er sei kein Verräter. "Ich habe doch nur die Wahrheit gesagt."
Rocker-Gefährten haben sich abgewandt
Viele Mitglieder des MC Satudarah waren am dritten Verhandlungstag nicht mehr ins Duisburger Gerichtsgebäude gekommen. Nachdem ihr ehemaliger Chef am zweiten Prozesstag über seinen Verteidiger erklärt hatte, er wolle den "Rocker-Ehrenkodex" brechen, mit der Polizei kooperieren und sogar die Strukturen des Rocker-Clubs auf der Führungsebene in den Niederlanden offen legen, hatten die erschienenen Rocker gemeinsam den Saal verlassen.
In ihrem Urteil ordneten die Richter an, dass der Angeklagte einen Teil seiner Strafe in einer Drogen-Entzugsanstalt verbüßen muss. Sollte er die Therapie erfolgreich beenden, könnte er möglicherweise schon nach Verbüßung der Hälfte der Strafe mit einer vorzeitigen Freilassung auf Bewährung rechnen, hieß es. Der Verurteilte hatte seinen Ausstieg aus der Rockerszene mit einer lebensgefährlichen Erkrankung seines Sohnes begründet. Über mögliche Schutzmaßnahmen für ihn und seine Familie wollte sich niemand offiziell äußern. "Ich hoffe aber, dass es diese geben wird, wenn sie nötig sein sollten", sagte Verteidiger Jörg Spiekermann.
Der mitangeklagte Ex-Vizepräsident des Chapters Duisburgs wurde ebenfalls wegen Drogen- und Waffendelikten zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Auch er hatte ein Geständnis abgelegt, allerdings bewusst keine Komplizen oder Hintermänner verraten.
