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Was geschah mit der Boeing 777? Fahnder suchen Saboteur von Flug MH370

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Die Suche nach der Maschine beschränkt sich jetzt auf zwei Flugkorridore.

(Foto: REUTERS)

Das verschollene Passagierflugzeug von Malaysia Airlines wurde offenbar bewusst umgelenkt. Entführung, Terrorakt oder Selbstmordaktion? Auf der Suche nach Erklärungen filzen Ermittler derzeit das Haus des Co-Piloten.

Auch der Co-Pilot der in Südostasien verschollenen Passagiermaschine ist nun ins Visier der behördlichen Ermittlungen geraten. Sicherheitskräfte hätten das Haus des 27-Jährigen durchsucht, sagte ein hochrangiger Polizeibeamter. Auf der Suche nach einem Saboteur hatte die malaysische Polizei zuvor das Haus des 53 Jahre alten Piloten Zaharie Ahmad Shah durchsucht. "Die Beamten haben nach Material gesucht, das bei der Suche nach dem vermissten Flugzeug helfen könnte", sagte ein Polizist in Kuala Lumpur.

Zuvor hatten die Ermittler herausgefunden, dass die seit einer Woche in Südostasien vermisste Passagiermaschine nach dem Verschwinden vom Radar noch mindestens sieben Stunden auf einem neuen Kurs Richtung Westen flog. Jemand an Bord der Boeing 777-200 habe "mit hoher Wahrscheinlichkeit absichtlich" die Kommunikationsgeräte abgeschaltet, berichtete der malaysische Ministerpräsident Najib Razak. Danach sei die Maschine der Malaysia Airlines "umgedreht" und habe eine neue Route mit unbekanntem Ziel in nordwestlicher Richtung eingeschlagen.

China macht Malaysia Druck

Der malaysische Ministerpräsident Najib Razak hatte erklärt, jemand an Bord der Boeing 777-200 habe "mit hoher Wahrscheinlichkeit absichtlich" die Kommunikationsgeräte abgeschaltet. Die Überprüfung von Passagieren und Crew von Flug MH370 werde daher verstärkt.

China fordert von Malaysias Regierung vor allem indes, "mehr vollständige und genaue Informationen" über das Verschwinden der Maschine zur Verfügung zu stellen. Unter den 239 Insassen des Flugzeugs der Malaysia Airlines waren 154 chinesische Staatsbürger.

Der malaysische Premier hielt sich zunächst zurück. Medienberichte, wonach es sich um einen Flugzeugentführung handele, wollte er zunächst nicht bestätigen. "Wir ermitteln noch alle Möglichkeiten", sagte Razak. Zuvor hatte Chinas Staatsfernsehen unter Berufung auf nicht näher bezeichnete Quellen in Kuala Lumpur von einer Flugzeugentführung berichtet.

Das ACARS-System sei nach dem Start in Kuala Lumpur noch kurz vor der Ostküste Malaysias deaktiviert worden, sagte der Premier. Das zweite Gerät, der Transponder, sei wenig später ausgeschaltet worden. Das deute auf eine "absichtliche Aktion von jemandem an Bord des Flugzeugs" hin. ACARS ist ein digitales Datenfunksystem zur Übermittlung von Nachrichten zwischen Flugzeugen und Bodenstationen, der Transponder sendet automatisch Informationen zu Flugnummer, Flughöhe, Position und Geschwindigkeit, die etwa von Fluglotsen genutzt werden.

Experten ermitteln zwei Flugkorridore

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Die Suche nach der vermissten Boeing muss jetzt um Tausende Kilometer erweitert werden.

(Foto: REUTERS)

Das letzte an einen Satelliten geschickte Signal der Maschine stamme von 08.11 Uhr (Ortszeit) am 8. März, sagte Razak. Gestartet war Flug MH370 um 00.41 Uhr, vom Radar verschwand er gegen 01.30. Das malaysische Militär habe Signale eines Flugzeugs auf seinem Weg nach Westen verfolgt, bei dem es sich nach heutiger Erkenntnis mit großer Wahrscheinlichkeit um die vermisste Boeing gehandelt habe.

Die letzte Position des Flugzeugs könne nicht genau bestimmt werden. Aus den vorliegenden Daten hätten die Experten aber zwei mögliche Flugkorridore ermittelt, so Razak weiter. Eine Route führe über das nördliche Thailand bis nach Kasachstan und Turkmenistan. Die andere gehe in südlicher Richtung von Indonesien in den Indischen Ozean.

Die Suchaktion im Südchinesischen Meer werde abgebrochen und auf die beiden Routen ausgerichtet, sagte der Premier. 14 Länder sind derzeit beteiligt, etwa 60 Flugzeuge und 40 Schiffe suchen nach der Boeing der Malaysia Airlines. Razak las nur eine Erklärung vor und beantwortete keine Fragen. Seine Pressekonferenz wurde live in ein Hotel in Peking übertragen, wo Familien von Passagieren seinen Ausführungen folgten. Für die Angehörigen besteht damit wieder Hoffnung, dass die Insassen von Flug MH370 noch am Leben sind.

"Die Suche nach MH370 ist eindeutig in eine neue Phase eingetreten", sagte der Regierungschef. "Wir hoffen, dass uns diese neuen Informationen dem Auffinden des Flugzeugs einen Schritt näher bringen werden." Angaben dazu, wer die Kommunikationssysteme deaktiviert haben könnte, machte er nicht.

Einer seiner Beamten wurde etwas deutlicher und sprach von "eindeutigen Anzeichen", dass die Maschine entführt worden sei. Wörtlich sagte er: "Es ist keine Theorie mehr, die Anzeichen sind eindeutig." Die Frage sei jetzt allerdings, wohin die Maschine entführt worden sei.

Ziviles Radar bewusst umflogen

Der US-Sender CNN berichtet unter Verweis auf eine geheime Datenauswertung, dass die Boeing vermutlich auf einer von zwei möglichen Routen nach Westen von ihrem ursprünglichen Kurs abgewichen ist. Entweder sei sie nach Nordwesten in den Golf von Bengalen weitergeflogen oder in südwestlicher Richtung in den Indischen Ozean. Auch für CNN sind das Anzeichen, die auf eine Entführung hindeuten.

Nach Informationen der "New York Times" scheinen Radarsignale vom malaysischen Militär aufzuzeigen, dass die Boeing 777-200 kurz nach dem Verschwinden vom zivilen Radar auf eine Höhe von 13.700 Meter gestiegen sei - also höher, als es für diesen Flugzeugtyp zulässig sei. Dann habe sie eine scharfe Kurve in westlicher Richtung eingeschlagen und sei auf 7010 Meter abgestiegen, als sie sich der dicht bevölkerten Insel Penang genähert habe. Von dort sei sie wieder hochgeklettert und auf nordwestlichem Kurs in Richtung Indischer Ozean geflogen. Das indische Verteidigungsministerium hatte bereits gestern eine Karte veröffentlicht, auf der eine Flugroute bis über den Indischen Ozean eingezeichnet ist.

Ein ranghoher malaysischer Militär, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte, ein erfahrener und kompetenter Pilot müsse die Boeing 777 stundenlang geflogen und dabei offenbar bewusst zivile Radargeräte umgangen haben. Aus den militärischen Radardaten ergebe sich außerdem, dass das Flugzeug seinen Kurs radikal geändert und nordöstlich in Richtung Indischer Ozean geflogen sei. Zu den Suchaktionen stießen derweil der US-Zerstörer "USS Kidd" und ein P-8 Poseidon-Flugzeug der US-Luftwaffe.

In einer beispiellosen internationalen Suchaktion sind Dutzende Flugzeuge und Schiffe seit vergangenem Samstag im Einsatz, um das Malaysia-Airlines-Flugzeug zu finden. Um das Verschwinden rankten sich bislang etliche Spekulationen, die von einem terroristischen Anschlag bis zur Alien-Attacke reichen. Fälle großer Maschinen, die erst spät oder auch nie gefunden wurden, hat es allerdings in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gegeben.

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(Foto: stepmap.de)

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa/AFP/rts

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