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Schwere Unruhen in Nantes Französische Polizei erschießt jungen Mann

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Bei einer Routinekontrolle fällt ein tödlicher Schuss: Nantes erlebt eine Nacht der Krawalle.

(Foto: REUTERS)

Brennende Autos, Randalierer auf den Straßen, Flammen in einem Einkaufszentrum: Nach dem Tod eines jungen Mannes durch eine Polizeikugel gerät die Lage in der westfranzösischen Stadt Nantes außer Kontrolle. Paris schickt weitere Polizeikräfte zur Verstärkung.

In der westfranzösischen Stadt Nantes ist es nach der Tötung eines 22-Jährigen bei einer Polizeikontrolle zu schweren Ausschreitungen gekommen. Mit Molotowcocktails bewaffnete Jugendliche lieferten sich in der Nacht Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Unruhen betrafen mehrere als Brennpunkte geltende Stadtteile. Autos gingen in Flammen auf, ein Einkaufszentrum wurde teilweise in Brand gesteckt.

Ausgelöst wurden die Krawalle durch einen Vorfall, der sich gegen 20.30 Uhr am Vorabend ereignet hatte: Polizisten hätten ein Fahrzeug wegen einer Ordnungswidrigkeit angehalten, erklärte der örtliche Polizeidirektor Jean-Christophe Bertrand. Die Identität des Fahrer sei unklar gewesen, die Beamten hätten die Anweisung bekommen, den Fahrer zur Überprüfung seiner Personalien auf eine Polizeistation zu bringen.

"Es hat überall gebrannt"

Bei der Kontrolle habe der Fahrer zunächst "so getan, als wolle er aus dem Fahrzeug aussteigen", habe dann jedoch einen Polizeibeamten angefahren, sagte Bertrand. Der Beamte sei leicht am Knie verletzt worden, ein weiterer Beamter habe daraufhin geschossen und den jungen Mann getroffen, der "leider gestorben" sei.

Aus Polizeikreisen verlautete, der junge Mann sei an der Halsschlagader getroffen worden und im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Laut Staatsanwaltschaft werden derzeit die "Umstände untersucht, unter denen der Polizist Gebrauch von seiner Schusswaffe machte".

Der Staatsanwalt von Nantes, Pierre Sennès, beschrieb die Lage in der Stadt am späten Abend als "sehr unruhig und unübersichtlich". Ein Bewohner von Nantes sagte der Nachrichtenagentur AFP, er habe "Detonationen" gehört. "Es hat überall gebrannt, es gab Feuer in den Mülltonnen, den Autos, sie waren dabei, alles kaputt zu machen. Es dauerte ewig", sagte der 24-jährige Steven. Später habe sich die Lage beruhigt.

Keine Festnahmen

Zur Verstärkung wurden weitere Polizeikräfte in Nantes erwartet, insbesondere im Stadtteil Breil. Dort galt bereits nach einem Vorfall in der vergangenen Woche erhöhte Alarmbereitschaft, hieß es. Die Bürgermeisterin von Nantes, Johanna Rolland, sagte, sie sei in Gedanken bei dem getöteten 22-Jährigen, seiner Familie und den Bewohnern der betroffenen Stadtteile. Sie versprach Aufklärung dazu, was genau passiert sei. Zunächst aber müsse sich die Lage wieder beruhigen.

Erst gegen 3.00 Uhr morgens schien sich die Lage wieder zu entspannen. Die Höhe der Sachschäden lässt sich noch nicht abschätzen. Nach Informationen aus Polizeikreisen gab es keine Festnahmen. Knapp 200 Polizisten waren im Einsatz.

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Quelle: n-tv.de, mmo/bad/AFP

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