An Kim Jong Uns SeiteGattin stammt aus Jubeltruppe

Wer ist die Frau an der Seite von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un? Im benachbarten und seit Jahrzehnten verfeindeten Südkorea spekulieren Medien und Gesellschaft heftigst. Nicht alle Details, die da ausgegraben werden, sind besonders schmeichelhaft.
Nachdem Nordkorea bekannt gab, dass Machthaber Kim Jong Un verheiratet ist, haben die südkoreanischen Zeitungen zahlreiche Details zum Leben seiner Ehefrau veröffentlicht. Unter anderem, wie sich das Paar kennenlernte.
Ri Sol Ju sang laut Presseberichten im Unhasu-Orchester. Bei einem Auftritt fiel sie Kim Jong Un auf. Wann das war, ist nicht bekannt. Die Zeitung "Joong Ang Ilbo" will aber erfahren haben, dass der Vater die Braut auswählte. Die Zeitung "Dong A Ilbo" berichtete zudem, dass das Paar auch schon ein Kind hat. Den Ehebund sollen sie 2009 oder 2010 eingegangen sein.
Viele der Informationen wirken noch hochspekulativ. Ri, Tochter einer Ärztin und eines Akademikers, kam danach angeblich 1989 auf die Welt. Ihre Sängerausbildung absolvierte sie in China. Als Mitglied einer Jubeltruppe soll sie 2005 die nordkoreanische Delegation bei einem Sportwettbewerb nach Seoul begleitet haben. Auf ihre Rolle an der Seite Kim Jong Uns musste das Regime Ri offenbar in einem sechsmonatigen Spezialkurs vorbereiten.
Pjöngjang gab jüngst Bilder des Paares frei. Beobachter halten das für einen Teil einer großangelegten Inszenierung. Die Veröffentlichung von Fotos des Ehepaares solle zeigen, dass Kim Jong Un "kein Kind mehr ist", sagte Chang Yong Suk vom Institut für Friedens- und Vereinigungsstudien an der südkoreanischen Staatsuniversität in Seoul.
Privates ist eigentlich tabu
Allein dass die Regierung Nordkoreas die Hochzeit überhaupt bestätigte und passende Bilder dazu lieferte, ist aber schon ein Phänomen. Das stalinistische Land, in dem Millionen Menschen in großer Armut leben, ist nahezu hermetisch von den Nachbarstaaten abgeriegelt, so dass nur wenige Informationen nach außen dringen. Kim Jong Uns Vorgänger - der Vater Kim Jong Il und der Großvater, Staatsgründer Kim Il Sung - erschienen nie in Begleitung ihrer Frauen in der Öffentlichkeit.
Entsprechend reagierte auch die Welt auf die Enthüllung. Zwischen der Regierung in Pjöngjang und den USA gibt es eigentlich keine diplomatischen Beziehungen. Dennoch hieß es aus Washington: "Wir würden Frischverheirateten immer alles Gute wünschen", so Außenamtssprecherin Victoria Nuland, die sogleich eine kritische Bemerkung anfügte. "Unsere wichtigste Sorge gilt der nordkoreanischen Bevölkerung". Washington hoffe für die Nordkoreaner auf "bessere Lebensbedingungen".
Es gibt bislang keine Hinweise, dass Kim Jong Un, der seit dem Tod seines Vaters im Dezember an der Macht ist, einen politischen Kurswechsel vollziehen könnte. Die Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea verbesserten sich nicht. Das Verteidigungsministerium in Seoul teilte mit, dass erstmals seit zwölf Jahren wieder tausende Flugblätter mit Kritik an der südkoreanischen Staatsführung vom Norden aus mit Luftballons in den Süden geschickt wurden.