Panorama

Matsch, Hochwasser und glatte Straßen Gefahr durch Wechselwetter

DEU_BY_Wetter_CAN103.jpg3852722752607980643.jpg

(Foto: APN)

Eisglatte Straßen sorgen in Deutschland für viele Unfälle. Doch auch das stellenweise Tauwetter hat seine Tücken: matschige Fahrbahnen und Hochwasser sind die Folgen. Hiddensee wird wohl noch bis Ende des Monats von Eis eingeschlossen sein. Die FDP fordert indes eine nationale Streusalzreserve.

Deutschland kommt ins Rutschen: Der wilde Wechsel von Tauwetter und Frost hat vielerorts neue Probleme verursacht. Straßen und Wege verwandelten sich in matschige oder spiegelglatte Eisbahnen und und verursachten viele Unfälle. Sie bescherten zahlreichen Schülern aber auch "eisfrei". Streusalz wird vielerorts zunehmend zur Mangelware. Auf einem vereisten Bahnsteig im osthessischen Neuhof rutschte eine 16-Jährige aus, sie wurde von einem Zug überrollt und starb. Bei Oberstdorf in den Allgäuer Alpen tötete eine Lawine einen britischen Soldaten, der an einem Skitourenlehrgang am Riedbergerhorn teilgenommen hatte. Zwei weitere Verschüttete der Gruppe überlebten.

DEU_NI_Wetter_BRA109.jpg7927114972338336971.jpg

Der Harz ist noch immer tief verschneit.

(Foto: APN)

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes ist vorerst auch keine Besserung in Sicht. Die von Westen kommende Warmluft komme in Richtung Nordosten nur "zögerlich" voran. In der kommenden Woche sei zudem bereits mit neuer Kaltluft aus dem Osten zu rechnen.

Planierraupe rutscht ab

In vielen Städten musste die Feuerwehr dutzendfach ausrücken, allein in Hamburg innerhalb von vier Stunden mehr als 55 Mal, weil Fußgänger ausgerutscht waren und sich verletzten. Im rheinischen Neuss brachen drei leichtsinnige Kinder auf der Eisfläche eines Sees ein. Ein 10-Jähriger rettete sich selbst ans Ufer, die beiden anderen mussten Rettungskräfte mit Hilfe eines Hubschraubers aus dem See fischen. In der Hansestadt Hamburg blieben wie in Schleswig-Holstein und Niedersachsen viele Schulen geschlossen, weil die Dächer einzustürzen drohten. Das Bildungsministerium in Kiel stellte für diesen Freitag jedoch wieder normalen Schulbetrieb in Aussicht.

Linienbusse wurden in einigen Landkreisen gestoppt. In Freudenstadt wurde eine Planierraupe von einem Schneerutsch 50 Meter in die Tiefe gerissen, den sie selbst ausgelöst hatte. Der 43 Jahre alte Fahrer wurde leicht verletzt. Der Mann habe im Auftrag der Stadt Schnee eine Böschung hinuntergeschoben, den die Winterdienste abgeladen hatten, teilte die Polizei mit. Dabei gaben die Schneemassen unter dem zwölf Tonnen schweren Fahrzeug nach.

"Gefasste" Stimmung auf Hiddensee

2p325941.jpg3767493581746648585.jpg

Die "Ranzow" ist beschädigt und kann nicht nach Hiddensee durchbrechen.

(Foto: dpa)

Dank einer Luftbrücke haben die Menschen auf der von Eis eingeschlossene Ostseeinsel Hiddensee nun ausreichend Lebensmittel. "Dem Eisberg ist durch den Hubschraubereinsatz die Spitze genommen", sagte Bürgermeister Manfred Gau. Die Stimmung auf der Insel sei gefasst. "Wir leben in der Natur, mit der Natur und von der Natur", sagte Gau. Auf einer Insel müsse man bei extremen Wetterlagen wie dieser mit Einschränkungen rechnen. Am Mittwoch hatte ein Helikopter sieben Tonnen Lebensmittel, Medikamente und andere Dinge nach Hiddensee gebracht und Touristen aufs Festland geflogen.

Nach Einschätzung von Meteorologen wird Hiddensee bis Ende Februar im Eis eingeschlossen bleiben. Es sei kein Tauwetter absehbar, das die Eismassen wegschmelzen könnte. Das Eis zwischen Hiddensee und Rügen ist etwa 30 Zentimeter stark.

Hochwassergefahr an der Mosel

Das Wasser- und Schifffahrtsamt in Stralsund will nun ein Ersatzschiff, die "Grömitz", für den Aufbruch einer Fahrrinne zu der Insel bereitstellen. Der eigentliche Eisbrecher "Ranzow" ist nicht mehr einsatzbereit, da die Dauerbelastung der vergangenen Tage das Steuerbord-Ruder beschädigt hatte. Beide Eisbrecher können bis zu 30 Zentimeter starkes Eis brechen. Wann die "Grömitz" zum Einsatz kommt, teilte das Amt nicht mit. Auf dem Wasser um Stettin (Szczecin) waren vier deutsche und sieben polnische Eisbrecher im Einsatz, sagte ein Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Eberswalde. In den kommenden Tagen soll es dort aber wieder kälter werden.

An der Mosel rechnen die Behörden mit steigendem Hochwasser. Im rheinland-pfälzischen Trier erwartet das Hochwassermeldezentrum Mosel am Wochenende weiteres Hochwasser. Am Donnerstag erreichte der Mosel- Pegel dort 6,70 Meter, der Jahresdurchschnitt liegt bei 3,30 Meter.

Züge müssen auf die Bremse treten

Probleme auch bei der Bahn: Gleisschäden bremsten den ICE-Verkehr auf der Strecke zwischen Nürnberg und München. Statt mit Tempo 300 dürften die Superschnellzüge dort streckenweise nur noch mit 160 Sachen rollen, sagte eine Bahnsprecherin in München und bestätigte einen Bericht der Ingolstädter Tageszeitung "Donaukurier". Für die Fahrgäste ergäben sich so Verspätungen von rund zehn Minuten.

Die Sicherheit sei nicht gefährdet. An manchen Stellen sei die Befestigung der Schienen an darunterliegenden Kunststoffplatten beschädigt. "Wir überprüfen die Gleise jetzt", sagte die Sprecherin. Sobald die Prüfung beendet ist, soll das Tempolimit wieder aufgehoben werden. Wann dies der Fall ist, hänge auch vom Wetter ab.

Dächer ächzen unter Schneemassen

2p342220.jpg1651916764703128602.jpg

Feuerwehrleute spritzen in Braunlage mit Wasser die Schneemassen vom Dach der Eissporthalle.

(Foto: dpa)

Sorgen bereiteten Massen nassen Schnees auf vielen Dächern. Die Polizei in Kiel verbot vorsorglich das Betreten von Schulgebäuden. In Mecklenburg-Vorpommern musste ausgerechnet eine Skihalle vorübergehend geschlossen werden. Seit Mittwoch sei das Personal der Halle mit ihren 330 Meter langen Abfahrten damit beschäftigt, das Dach zu räumen, teilte der Betreiber mit. Auch im Sauerland ächzten die Dächer unter der Schneelast. In Attendorn stürzten zwei Männer in die Tiefe, als sie auf dem Dach einer Reithalle den Schnee räumten. Dabei verletzten sie sich schwer. Mehrere Betriebe wurden gesperrt.

Die FDP forderte angesichts der Engpässe im Winterdienst eine bundesweite Streusalzreserve. "Der Bund muss als Auftraggeber alle Bundesländer zur Vorhaltung einer Mindestreserve an Salz drängen, damit im gesamten Bundesgebiet die Bundesverkehrswege auch in Wintersituationen uneingeschränkt befahrbar sind", sagte der FDP-Verkehrsexperte Patrick Döring der "Rheinischen Post".

Quelle: ntv.de, dpa/AFP