Panorama

Zehn Monate nach der KatastropheGeld für Loveparade-Opfer fließt

27.05.2011, 16:49 Uhr

Fast ein Jahr ist seit der Loveparade-Katastrophe vergangen. Nun einigen sich die Stadt Duisburg und der Versicherer des Veranstalters auf den sofortigen Beginn der Entschädigungszahlungen an Opfer und Angehörige. Knapp 300 Menschen haben Ansprüche angemeldet, zehn Millionen Euro stehen bereit.

2vv50056-jpg4591612070095632074
Bei dem Unglück kamen 21 Menschen ums Leben. (Foto: dpa)

Die Opfer der Loveparade-Katastrophe sollen in Kürze Entschädigungen erhalten. Der Kölner Versicherungskonzern Axa und die Stadt Duisburg schlossen eine Vereinbarung über den sofortigen Beginn der Zahlungen an die Opfer der Katastrophe, teilten beide Seiten gemeinsam mit. Die Entschädigungen sollten unabhängig von der Klärung der Schuldfrage gezahlt werden.

Die Axa ist der Haftpflichtversicherer des Loveparade-Veranstalters Lopavent. Insgesamt hätten rund 290 Menschen Schadenersatz eingefordert, erklärte ein Axa-Sprecher. Sie würden in den nächsten Tagen angeschrieben. Zur Höhe der Ansprüche wollte der Sprecher keine Angaben machen. Insgesamt habe die Axa für die Loveparade-Katastrophe zehn Millionen Euro Rückstellungen gebildet. Die Bandbreite der Schadensersatzansprüche könne vom Ersatz für zerstörte Kleidungsstücke bis zu Verdienstausfällen oder der Behandlung von Verletzungen reichen.

Anwälte von Hinterbliebenen des Unglücks kritisierten, dass die Vereinbarung zwischen Axa und Stadt ohne Mitwirkung der Opfer und deren anwaltliche Vertreter zustande gekommen sei. "Sie kann nur ein Angebot sein", erklärte die Anwaltskanzlei "Baum-Reiter & Collegen" in Düsseldorf.

Regress-Forderungen möglich

Versicherung und Stadt betonten, dass mit der Auszahlung keinerlei Anerkennung einer Rechtspflicht verbunden sei. Beide Seiten behielten sich ausdrücklich vor, nach Klärung der Schuldfrage mögliche andere Verantwortliche in Regress zu nehmen.

Es sei abzusehen, dass die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zur endgültigen Aufklärung des Unglücks sich noch länger hinziehen werden als ursprünglich gedacht. So lange sollten die Geschädigten nun aber nicht mehr auf ihr Geld warten müssen.

Unmittelbar nach dem Unglück waren von der Axa, der Stadt Duisburg und dem Loveparade-Veranstalter Lopavent 1,5 Millionen Euro Soforthilfe geflossen. Mit dem Geld wurden unter anderem die Beerdigungen der Todesopfer bezahlt. Während bei Ansprüchen aus diesem Topf eine finanzielle Notlage nachgewiesen werden musste, erfolgen die Zahlungen nun auch ohne solch eine Notlage.

Während der Loveparade am 24. Juli 2010 war an einem überfüllten Zugangstunnel eine Massenpanik ausgebrochen. 21 Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf fahrlässiger Tötung und Körperverletzung gegen Mitarbeiter der Stadt Duisburg, des Veranstalters Lopavent und der Polizei.

Quelle: dpa/AFP