Panorama

Ehemaliger "Stern"-ReporterSkandal um "Hitler-Tagebücher": Gerd Heidemann ist tot

10.12.2024, 16:49 Uhr
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Heidemann auf der Pressekonferenz im April 1983. (Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Im April 1983 präsentiert Gerd Heidemann die angeblich echten Hitler-Tagebücher, die sich wenig später als Fälschung herausstellen. Kurz darauf verliert der Reporter zunächst seinen Job und wird dann zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Nun ist Heidemann im Alter von 93 Jahren gestorben.

Im April 1983 präsentierte Gerd Heidemann erst auf einer Pressekonferenz und dann im Magazin "Stern" die angeblich echten Hitler-Tagebücher, die sich wenig später als Fälschung herausstellten. Kurz darauf verlor der Reporter zunächst seinen Job, ehe er 1985 zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Zeit seines Lebens beteuerte der Journalist seine Unschuld. Nun ist Heidemann im Alter von 93 Jahren gestorben. Das berichtet der "Stern" mit Verweis auf das familiäre Umfeld.

Heidemann hatte für den "Stern" als Fotograf und Journalist von diversen Kriegsschauplätzen in Afrika berichtet, 1965 war er sogar mit dem World Press Photo Award ausgezeichnet worden. Berühmt wurde er jedoch vor allem nach jener Pressekonferenz am 25. April 1983: Heidemann präsentierte der Öffentlichkeit dort seinen vermeintlichen Sensationsfund, die angeblich echten geheimen Tagebücher von Adolf Hitler. Es handelte sich allerdings um Fälschungen, wie sich nur wenige Tage später herausstellte. Der "Stern" hatte da bereits über neun Millionen D-Mark für die Tagebücher ausgegeben - die jedoch vom Maler Konrad Kujau angefertigt worden waren.

Heidemann und der "Stern" waren blamiert, nachdem sie warnende Stimmen rund um die Veröffentlichung ausgeschlagen hatten, das Magazin büßte schwer an Auflage und Ansehen ein. Kujau gestand vor Gericht, die Tagebücher selbst geschrieben zu haben. Er wurde wegen Betruges und Urkundenfälschung zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Heidemann musste vier Jahre und acht Monate ins Gefängnis, weil das Gericht davon ausging, dass der Reporter einen Teil der Millionensumme für den Ankauf unterschlagen hatte.

Der Farbstoff in den Kordeln und die Jacht von Hermann Göring

Der "Stern" bat nach der Veröffentlichung der Fälschungen eben dafür um Entschuldigung, die Chefredaktion trat zurück, die Auflage fiel vorübergehend spürbar. Der Skandal hängt dem Magazin bis heute nach, die angeblichen Hitler-Tagebücher sind noch immer wohlbekannt. Der renommierte Politikwissenschaftler Hajo Funke bezeichnete die Fälschungen in der "Süddeutschen Zeitung" als Versuch, Hitler zu rehabilitieren. Die Inhalte reichen ihm zufolge von Geschichtsfälschung bis Holocaustleugnung.

Als Beleg für die Fälschungen wurden 1983 gleich mehrere Gutachten veröffentlicht, die ergaben, dass die Bindung der Tagebücher mit Inhaltsstoffen hergestellt wurde, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg verwendet wurden. Die Kordeln waren außerdem mit einem Farbstoff eingefärbt worden, der erst 1956 eingeführt worden war.

Für den 1931 in Altona geborenen Heidemann war der Skandal um die Tagebücher nicht der einzige Berührungspunkt zur Hitler-Diktatur. In den 1970er Jahren kaufte er eine Luxusjacht, die zuvor Hermann Göring gehört hatte. Im Zuge des Prozesses gegen ihn musste er das Schiff, auf dem Göring einst den italienischen Führer Benito Mussolini als ersten Staatsgast empfangen hatte, allerdings verkaufen. Mit Görings Tochter Edda führte Heidemann Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre außerdem eine Beziehung.

Quelle: ntv.de, tsi