Müllberge in AfrikaGesetze gegen Plastiktüten
Während Sisaltaschen ein beliebtes Mitbringsel aus Afrika sind, lässt sich die einheimische Hausfrau ihre Einkäufe in Plastik verpacken. Ostafrikanische Länder ziehen nun die gesetzliche Notbremse.
Reisende in Dritte-Welt-Länder kennen den Anblick der scheinbar allgegenwärtigen Plastiktüten. Ob in den Dornakazien am Rande noch so entlegener Oasendörfer, im Abfall eines städtischen Marktes oder vom Wind durch die Straßen getrieben - überall Plastikabfälle. Jeder kleine Einkauf wird in Plastiktüten verpackt, und während bei umweltbewussten Afrika-Touristen Sisaltaschen und geflochtene Körbe ein beliebtes Mitbringsel sind, greift die einheimische Hausfrau im Supermarkt unbekümmert zur Plastiktüte, die nicht wiederverwertet werden kann.
Doch nun wird in Ostafrika die ökologische Notbremse gezogen. Mit neuen Gesetzesvorhaben wurden in den vergangenen Wochen und Monaten in Kenia, Tansania, Ruanda und Uganda zumindest die wenig reißfesten dünnen Tüten, in denen bisher Obst und andere lose Waren verpackt wurden, verbannt.
Zuletzt schloss sich Uganda dem Bann der Plastiktüten an, die in dem ostafrikanischen Land "Buveera" genannt werden. Seit Oktober gilt das Verbot, und mit Razzien am Flughafen Entebbe wurde gleich in den ersten Oktobertagen deutlich gemacht, dass es den Behörden ernst ist mit der Durchsetzung. Umweltschützer weisen allerdings darauf hin, dass die "dicken" Plastiktüten, die noch langsamer verrotten und mehr Abfallstoff bilden, erlaubt bleiben.
Baumwolltaschen und Sisalbeutel werden mit Erstaunen betrachtet
Ähnlich halbherzig ist der Plastikbann in Kenia. In Supermarktketten in Nairobi hantieren die Mitarbeiter der Ladenkassen großzügig mit Plastiktüten. In der Obst- und Gemüseabteilung liegen nun einfach dickere Tüten aus. Umweltbewusste Kunden, die mit Baumwolltasche oder Sisalbeutel auf Plastik verzichten wollen, ernten erstaunte Blicke. Manche Inhaber kleinerer Läden dagegen bitten ihre Kunden zur Kasse, wenn sie eine Tüte für ihre Einkäufe wollen und stellen Plastiktüten höher in Rechnung als Papiertüten.
Die neuen Gesetze eröffnen auch Chancen. In Uganda etwa startete eine Initiative für HIV-infizierte Menschen mit einem Selbsthilfeprojekt zur Herstellung von Papiertüten aus Altpapier. "Noch haben wir keinen festen Markt dafür, aber die Mitglieder verkaufen ihre Tüten an Geschäfte in der Nachbarschaft", sagte eine der Betreuerinnen des Projekts, der Zeitung "New Vision". Doch mit der Herstellung der Tüten in Heimarbeit könnten die Patienten ihren Lebensunterhalt aufbessern.
Obwohl die ostafrikanischen Gesetzgeber bei Verstößen gegen den Plastikbann hohe Geldstrafen androhen, denken viele Händler nicht daran, ihre Vorräte an dünnen Plastiktüten aufzugeben oder durch Papiertüten zu ersetzen. "Meinen Kunden ist das Verbot egal", sagt Alice Mwanza, die am Straßenrand des Stadtviertels Kilimani in Nairobi einen Obst- und Gemüsestand betreibt. "Die wollen keine durchgeweichten Papiertüten, wenn mal eine Tomate zerdrückt wird." Auch ihr Kollege Jeffrey Wanjiko vom Nebenstand geht davon aus, dass er schon nicht von Ordnungshütern kontrolliert wird. "Die Tüten habe ich schließlich bezahlt", meint der Händler trotzig. "Und wenn ich die jetzt einfach wegschmeiße, ist das ja wohl erst recht nicht gut für die Umwelt."
Von Eva Krafczyk, dpa