Panorama

Armin Meiwes unterliegt vor BGH Grünes Licht für Kannibalenfilm

Der Film über den "Kannibalen von Rohtenburg" darf nach einer Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofs nun doch veröffentlicht werden.

Der umstrittene Kinofilm "Der Kannibale von Rohtenburg" darf nun doch gezeigt werden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob ein Verbot in letzter Instanz auf.

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Meiwes kann nun gegen die Veröffentlichung des Films nichts mehr unternehmen.

(Foto: AP)

Der als "Kannibale von Rotenburg" bekannt gewordene Armin Meiwes hatte erreichen wollen, dass der Horrorfilm über seine grauenvolle Tat nicht in deutschen Kinos gezeigt werden darf. Das Persönlichkeitsrecht des Klägers müsse in Abwägung mit der Kunst- und Filmfreiheit zurückstehen, entschied der BGH in Karlsruhe. Dies gelte, obwohl der als "Real-Horrorfilm" vermarktete Streifen den Kläger als Person erheblich belasten könne. Meiwes hatte im März 2001 einen Menschen entmannt, getötet und Teile der Leiche aufgegessen. Er war im Mai 2006 zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Öffentliches Interesse höher

Der Film der US-Produktionsfirma Atlantic Streamline zeigt laut BGH "nahezu detailgenau" die tatsächliche Lebensgeschichte und den Charakter des Mörders. Während Meiwes in den ersten beiden Instanzen erfolgreich war, wertete der für das allgemeine Persönlichkeitsrecht zuständige VI. BGH-Zivilsenat neben der Kunstfreiheit auch das öffentliche Interesse an der Tat.

Der Spielfilm enthalte keine Verfremdungen oder Entstellungen und stelle den Achtungsanspruch des Klägers als Mensch nicht infrage, entschied der Senat. Zwar berührten die Bilder den besonders schutzwürdigen Kern der Privatsphäre des Klägers. "Weil diese Informationen sich unmittelbar auf die Tat und die Person des Täters beziehen, dürfen aber auch solche Details geschildert werden", hieß es in Karlsruhe. Die Einzelheiten seien zudem und nicht zuletzt durch das Mitwirken von Meiwes bereits bekanntgewesen.

Film seit drei Jahren auf Eis

Nach Überzeugung der Vorinstanzen in Kassel und Frankfurt hatten dagegen seine Persönlichkeitsrechte mehr Gewicht als die Kunst- und Filmfreiheit. Obwohl Meiwes mit seiner beispiellosen Tat ein großes Medieninteresse hervorgerufen habe und weithin bekanntgeworden sei, bedeute dies nicht, dass er sich ohne Einwilligung zum Gegenstand eines Horrorfilms machen lassen müsse, hatten die Gerichte unter anderem befunden.

Der Berliner Verleih Senator hatte den Film mit dem deutschen Schauspieler Thomas Kretschmann in der Hauptrolle bereits im März 2006 in die Kinos bringen wollen. Meiwes hatte sich nicht nur gegen diesen Film, sondern auch gegen andere Produktionen zu dem Fall zur Wehr gesetzt.

Quelle: n-tv.de

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