"Von rustikaler Zuneigung"Helmut Schmidt als Vater
Wenige Tage vor dem 90. Geburtstag ihres Vaters erinnert Susanne Schmidt an ihren Vater: Er sei in der Erziehung ähnlich pragmatisch gewesen wie als Politiker.
Altkanzler Helmut Schmidt war als Vater seiner einzigen Tochter Susanne ähnlich pragmatisch wie als Politiker. Die heute 61-jährige promovierte Finanzexpertin Susanne Schmidt berichtete dem Hamburger Magazin "Stern", ihre Eltern hätten in der Erziehung erfolgreich an ihre Vernunft appelliert. "Und ich war immer vernünftig. Vielleicht ein bisschen zu sehr." Auch sonst sei es im Haus Schmidt sehr kontrolliert zugegangen, erzählte Susanne Schmidt wenige Tage vor dem 90. Geburtstag ihres Vaters am 23. Dezember. "Wir sind alle drei keine Leute, die ständig ihr Innerstes nach außen kehren. Jammern ist nicht angesagt."
Ihr Vater sei es auch gewesen, der sie aufklärte, "wie man Kinder kriegt oder auch nicht", sagte die heutige Fernsehjournalistin, die in London arbeitet und mit ihrem irischen Ehemann im Süden Englands lebt.
Sie habe ihren Vater als einen zwar fernen, aber liebevoll zugewandten Menschen "von rustikaler Zuneigung" erlebt. Auch ihre Mutter Loki schilderte sie als "pragmatisch und schnörkellos".
Nur an die Jahre des RAF-Terrors, als Kanzler Schmidt zu den sehr gefährdeten Politikern zählte, erinnere sie sich mit Unbehagen. "Das waren hochdramatische Zeiten, an die ich nicht gern zurückdenke." Sie habe ständig Angst um ihre Eltern gehabt. Das Haus sei permanent von Polizisten und Kameras überwacht worden. Nie habe sie einfach mal so mit Freunden ausgehen können. "Es waren zeitweise vier Bodyguards dabei, mit Maschinenpistolen."
Trotzdem sei sie mit ihren Eltern einig gewesen, sich im Falle einer Entführung durch die RAF nicht austauschen zu lassen. "Wir waren einer Meinung. Der Staat darf sich nicht von Terroristen erpressen lassen."