Panorama

Der mysteriöse Mordfall BögerlHunderte Männer geben Speichelproben

23.08.2014, 17:24 Uhr

Seit Jahren bemüht sich die Polizei vergeblich, die Mörder von Maria Bögerl, der Ehefrau des Heidenheimer Sparkassenchefs, zu finden. Nun setzen die Ermittler auf einen Massengentest.

Im Mordfall Maria Bögerl haben die Ermittler in Baden-Württemberg einen zweiten DNA-Massentest beendet. 282 Männer hätten in Giengen an der Brenz freiwillig Speichelproben abgegeben, sagte der Polizeiführer vom Dienst, Hagen Guderlei. Aufgerufen waren rund 500 Männer im Alter zwischen 21 und 68 Jahren.

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(Foto: dpa)

Wie mit den Männern verfahren wird, die nicht zur Speichelabgabe gekommen sind, muss laut Guderlei die zuständige Sonderkommission entscheiden. Zu prüfen sei, ob diese per Gerichtsentscheid zur Abgabe ihrer DNA-Proben gezwungen werden können.

Missglückte Entführung?

Maria Bögerl, die 54-jährige Frau des Heidenheimer Sparkassendirektors Thomas Bögerl, war am 12. Mai 2010 aus dem Haus ihrer Familie entführt worden. Die Täter meldeten sich mit einer Forderung nach 300.000 Euro beim Ehemann, doch die Lösegeldübergabe scheiterte. Die Polizei beschrieb den Anrufer als Mann mit dem "ortsüblichen Dialekt".

Knapp drei Wochen später wurde Maria Bögerl erstochen in einem Wald gefunden. Im Auto der Frau, das im Hof des etwa 15 Kilometer entfernten Klosters Neresheim gefunden wurde, hatte die Polizei DNA-Spuren entdeckt, die bislang nicht zugeordnet werden konnten.

Bis heute gibt der Kriminalfall viele Rätsel auf. Die Kinder des Ehepaars Bögerl warfen den Ermittlern in der Vergangenheit auch Schlamperei vor. Ein Jahr nach dem Verbrechen an seiner Frau erhängte sich Thomas Bögerl im Keller seines Hauses. Zuvor musste er immer wieder Gerüchte aushalten, nach denen er in die Tat verwickelt sei. Sogar der Sohn geriet zeitweise unter Verdacht.

Tausende gaben schon Speichelprobe ab

Die Suche nach dem Täter verlief bisher erfolglos. Vor einem halben Jahr hatten an einem ersten Massengentest rund 3300 Männer teilgenommen. Die Fahnder machten keinen Hehl daraus, dass sie die Täter in dem 8000-Einwohner-Ort vermuteten. Die Ergebnisse waren bislang jedoch allesamt negativ. Rund 100 Männer haben allerdings keine Probe abgegeben.

Jetzt verlagerte die Polizei den Ort ihrer Fahndung in das rund 20 Kilometer weiter südlich gelegene Giengen an der Brenz. Während in Neresheim alle 21- bis 68-jährigen Männer aufgerufen waren, haben sich die Ermittler nun auf eine bestimmte Zielgruppe in derselben Altersklasse festgelegt. Es wurden lediglich Männer aus fünf Straßenzügen der knapp 20.000 Einwohner zählenden Stadt per Brief angeschrieben. Ob die Ermittler inzwischen konkrete Verdachtsmomente haben, kommentiert die Polizei nicht.

Zentrale Fragen sind mehr als vier Jahre nach dem Mord noch immer offen: Warum wurde die 54-Jährige ermordet? Wer steckt hinter der Bluttat? Wo ist das Tatwerkzeug? Die Ermittler geben sich noch nicht geschlagen. Man wolle alle Möglichkeiten ausschöpfen, den Fall aufzuklären, heißt es bei der Polizei. Bis alle DNA-Proben aus Giengen an der Brenz ausgewertet sind, dauert es noch einige Wochen.

Quelle: ntv.de, ghö/dpa