Panorama

"Sehr bedauerlich und enttäuschend" Japan stellt Walfang in Antarktis ein

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Aufnahme der "Sea Shepherds Australia" vom blutverschmierten Deck des japanischen Walfang-Schiffs "Nisshin Maru" in der Antarktis vom 7. Januar 2013.

(Foto: dpa)

Gestern noch hatte Japans Fischereiminister angedeutet, man werde "Wege finden, den Walfang fortzusetzen". Nun aber verkündet Ministerpräsident Shinzo Abe, das Land werde sich an das Walfang-Verbot durch die UN halten. Für dieses Jahr zumindest - und nur in der Antarktis.

Nach dem Verbot durch das höchste UN-Gericht stellt die japanische Regierung ihr Walfang-Programm in der Antarktis für das laufende Jahr ein. "Es ist sehr bedauerlich und enttäuschend, aber wir werden die Entscheidung befolgen", sagte Ministerpräsident Shinzo Abe nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo.

Am vergangenen Montag hatte der Internationale Gerichtshof in Den Haag entschieden, dass Japan die angeblich zu Forschungszwecken abgehaltene Jagd auf die Meeressäuger im Südpolarmeer einstellen muss. Australien hatte 2010 die Klage angestrengt und Japan vorgeworfen, jedes Jahr Hunderte Großwale aus kommerziellen Gründen zu töten und somit internationales Recht zu brechen.

Am Dienstag hatte Japans Fischereiminister Yoshimasa Hayashi noch angedeutet, dass das letzte Wort nicht gesprochen sei: "Wir werden das Urteil anschauen und Wege finden, den Walfang fortzusetzen." Er verteidigte den Walfang als wichtige Quelle für Nahrungsmittel. Die Absicht seines Landes, Walfleisch "anhand wissenschaftlicher Kriterien" zu nutzen, bleibe bestehen.

Missachtung von Walfangverbot befürchtet

Genau das wurde auch befürchtet: Nach dem Verbot des japanischen Walfangs in der Antarktis durch den Internationalen Gerichtshof wuchs in Neuseeland die Sorge, dass Tokio den Bann durch Tricks umgehen könnte. Neuseelands Außenminister Murray McCully sagte am Dienstag, die Entscheidung des obersten UN-Gerichts vom Vortag sei zwar zu begrüßen, lasse Japan aber weiterhin die Möglichkeit, sein mit angeblichen wissenschaftlichen Zielen begründetes Walfangprogramm anzupassen. "Unsere Aufgabe ist es, durch diplomatischen Dialog sicherzustellen, dass dieser Weg nicht beschritten wird", sagte McCully.

Laut dem Völkerrechtsexperten Steven Freeland von der University of Western Sydney könnte Japan das IGH-Urteil durch leichte Änderungen umgehen. Der Gerichtshof habe nicht die Tötung von Walen zu wissenschaftlichen Zwecken als Ganzes verboten - sondern nur von derart vielen. Nach australischen Angaben erlegten japanische Walfänger im Zuge des JARPA-II-Programms zwischen 1987 und 2009 mehr als 10.000 der Meeressäuger.

Derweil hat Norwegen seine Walfangquote in den eigenen Hoheitsgewässern auf dem Niveau der Vorjahre erneuert. Im laufenden Jahr dürfen gemäß einem Beschluss vom Dienstag 1286 Wale harpuniert werden, wie das Fischereiministerium mitteilte. Norwegen fühlt sich wie Japan nicht an das internationale Walfangmoratorium aus dem Jahr 1986 gebunden.

Quelle: n-tv.de, abe/dpa/AFP

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