Panorama
Mittwoch, 05. Februar 2014

Hilfe kam vom Ghost-Komponisten: Japans "Beethoven" beichtet Lüge

Mamoru Samuragochi teilt mit Ludwig van Beethoven ein wesentliches Merkmal: Er ist taub. Und doch gibt es einen eklatanten Unterschied: Während Beethoven auch ohne Gehör selbst komponierte, hat Samuragochi geschummelt.

Samuragochis "Hiroshima"-Sinfonie ist sein größter Erfolg.
Samuragochis "Hiroshima"-Sinfonie ist sein größter Erfolg.

Der als "Japans Beethoven" bekannte taube Starkomponist Mamoru Samuragochi hat zugegeben, für seine Arbeit einen Ghost-Komponisten angeheuert zu haben. Samuragochi "bedauert zutiefst, dass er Fans betrogen und andere enttäuscht hat", hieß es in einer Erklärung seines Anwalts. "Er weiß, dass es für seine Taten keine Entschuldigung gibt." Der Komponist engagierte seinen unbekannten Helfer demnach bereits vor knapp 20 Jahren. Dieser habe rund die Hälfte seiner Werke mitkomponiert, "weil mein Gehör immer schlechter wurde".

Der japanische Rundfunksender "NHK", der den 50-Jährigen im vergangenen März mit einer umfangreichen Dokumentation gewürdigt hatte, entschuldigte sich bei seinen Zuschauern für die fehlerhafte journalistische Arbeit. "NHK" habe in Reportagen und Nachrichten über den Komponisten berichtet, aber "trotz Recherchen und Prüfungen" nicht erkannt, dass dieser seine Arbeiten nicht selbst komponiert habe, erklärte der Sender.

Samuragochi war Mitte der 90er Jahre mit klassischen Kompositionen zu Videospielen wie etwa Resident Evil berühmt geworden. Mit 35 Jahren wurde er taub, setzte seine Arbeit aber fort. Wegen seiner Taubheit bezeichnete das US-Magazin "Time" Samuragochi 2001 auch als den "Beethoven des digitalen Zeitalters". Bekannt ist vor allem seine "Hiroshima"-Sinfonie, eine Ehrung der Opfer des Atombombenangriffs 1945. Später wurde das Stück zu einer Art Hymne für den Überlebenswillen der von der Tsunami-Katastrophe im März 2011 betroffenen Regionen.

Quelle: n-tv.de