Panorama

Rosch HaschanaJuden feiern das Jahr 5771

08.09.2010, 10:52 Uhr

Die führenden Vertreter der evangelischen und der katholischen Kirche gratulieren den Juden in Deutschland zu ihrem Neujahrsfest. Weltweit feiern rund 14 Millionen Juden Rosch Haschana. Das Fest dauert zwei Tage und erinnert an die Erschaffung der Welt - nach jüdischem Glauben - vor 5771 Jahren.

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Gebet in der Jerusalemer Altstadt. (Foto: REUTERS)

Rund 14 Millionen Juden feiern weltweit von Mittwochabend an das jüdische Neujahrsfest Rosch Haschana. Nach hebräischem Kalender beginnt mit dem 1. Tag des Monats Tischrei das neue Jahr 5771. Das Neujahrsfest dauert zwei Tage bis zum Sonnenuntergang am Freitag. Das Fest erinnert an die Erschaffung der Welt und den Bund, der zwischen Gott und Israel geschlossen wurde. Die rund 5,77 Millionen Juden in Israel sowie die acht Millionen im Ausland lebenden Juden begrüßen sich mit dem hebräischen "schana tova" (gutes Jahr) oder dem jiddischen "gut Johr".

Anders als beispielsweise in Deutschland feiern die Juden nicht mit einem Feuerwerk. Sie zählen auch nicht die letzten Sekunden bis Neujahr. Während Rosch Haschana (hebräisch: Kopf oder Anfang des Jahres) ruht in Israel der gesamte öffentliche Verkehr. Es erscheinen keine Tageszeitungen. Die Behörden bleiben ebenso geschlossen wie Schulen, Museen und Unternehmen. Die israelische Armee riegelt wie an anderen jüdischen Feiertagen das Westjordanland mit seinen rund 2,4 Millionen Palästinensern wieder ab. Als Grund dafür wird die Angst vor Terroranschlägen genannt.

Zum jüdischen Neujahrfest werden zwei Bräuche gepflegt. Zum einen taucht man Apfelscheiben in Honig und hofft, dass das neue Jahr ein süßes wird. Zum anderen sollen Juden an fließendes Wasser wie das Meer, einen Fluss oder eine Quelle gehen, dort die heiligen Schriften lesen und Brotstücke ins Wasser werfen. Dies symbolisiert, dass man sich von den Sünden des alten Jahres trennt. Üblicherweise wird während des Morgengebetes in der Synagoge ein Widderhorn geblasen.

Nach Rosch Haschana folgen zehn Tage der inneren Einkehr und Buße bis zum jüdischen Versöhnungsfest Jom Kippur, dem höchsten Feiertag im Judentum.

EKD und Bischofskonferenz gratulieren

Die führenden Vertreter der evangelischen und der katholischen Kirche haben den Juden in Deutschland zu ihrem Neujahrsfest gratuliert. In einem Brief an die Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, wünschte Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, den jüdischen Gemeinden alles Gute. Es werde wohl auch im neuen Jahr nicht nur in Deutschland eine große Sehnsucht nach Frieden im Nahen Osten geben. Schneider bat Gott, dass der Bibelpsalm 147,14 zum Zuge komme: "Er schafft deinen Grenzen Frieden und sättigt dich mit dem besten Weizen."

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, stellte in einer Grußbotschaft das gemeinsame biblische Erbe von Juden und Christen heraus: "Möge Gott Ihnen und ganz Israel inneren und äußeren Frieden schenken." Zollitsch zeigte sich dankbar dafür, dass in den regelmäßigen Gesprächen mit dem Zentralrat und mit Vertretern der beiden Rabbinerkonferenzen in gegenseitigem Respekt und wechselseitiger Wertschätzung auch schwierige Themen erörtert werden könnten.

Quelle: dpa