Alte Synagoge in Erfurt Jüdischer Goldschatz zu sehen
Das um 1100 gebaute und mit Millionenaufwand sanierte Haus präsentiert mit dem Gold- und Silberschatz eines jüdischen Kaufmanns und der größten jüdischen Bibel aus Pergament einzigartige Zeugnisse der im Mittelalter bedeutenden jüdischen Gemeinde in Erfurt.
Die Alte Synagoge in Erfurt, eine der ältesten erhaltenen Synagogen Europas, ist nun ein Museum. Das um 1100 gebaute und mit Millionenaufwand sanierte Haus präsentiert mit dem Gold- und Silberschatz eines jüdischen Kaufmanns und der größten jüdischen Bibel aus Pergament einzigartige Zeugnisse der im Mittelalter bedeutenden jüdischen Gemeinde in Erfurt. Die Synagoge war 1349 nach einen Pogrom mit 900 Toten aufgegeben worden und danach in Vergessenheit geraten.
Für Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, ist die Dauerausstellung ein wichtiger Teil historischer Aufklärung. "Ich wünsche mir, dass das reiche jüdische Erbe Erfurts zu einem besseren Verständnis von Juden und Nichtjuden, aber auch zum Zusammenwachsen der jüdischen Gemeinschaft beiträgt", sagte sie. Dabei hatte sie auch die Juden aus der ehemaligen Sowjetunion im Blick, die inzwischen die Mehrheit der Thüringer Gemeinde stellen.
Internationales Aufsehen
"Masal tov" - Viel Glück - ist als Inschrift auf dem goldenen Hochzeitsring zu lesen. Er ist das bedeutendste Stück des Goldschatzes, der in jüngster Zeit in Paris, London und New York für Aufsehen gesorgt hatte. Der gute Wunsch habe den Jungvermählten wohl kein Glück gebracht, sagte Knobloch zur feierlichen Eröffnung.
"Das Wissen um das Schicksal der ungezählten Juden, die in den Jahrhunderten vor 1933 wegen ihrer Religion verfolgt und ermordet wurden, verhinderte nicht die kaltblütige Planung und gewissenhafte Durchführung des größten Menschheitsverbrechens", sagte Knobloch. Niemand schien aus der Geschichte Lehren gezogen zu haben. Bürger jüdischen Glaubens wurden in den 1930er Jahren "mit schlimmeren Folgen als jemals zuvor zu Rechtlosen erklärt und freigegeben zur Verfolgung und Vernichtung. Wir trauern um sechs Millionen Menschen."
Lagerhaus und Ballsaal
Erbaut um 1100 überstand der Bau mit seiner eindrucksvollen Maßwerkrosette spätere Judenverfolgungen nur mit Glück. Zu einem Lagerhaus umgebaut, wurde dort einige Jahrhunderte später in einem Ballsaal im Obergeschoss getanzt und gesungen, im Erdgeschoss gegessen und getrunken und im Keller gekegelt. Nur Fachleute vermuteten bis in die späten 1980er Jahre in dem Altstadtgewirr von Um- und Anbauten die älteste Synagoge Erfurts.
Von dem jüdischen Versammlungsort künden nur noch einige Fenster und Reste eines umlaufenden Frieses im Innern. Der Thoraschrein beispielsweise musste einem Tor weichen. Der räumliche Eindruck des einst ohne trennende Zwischendecken zwölf Meter hohen Gotteshauses ist im Museum mit einer Lichtsimulation erlebbar. Rund zwei Millionen Euro von der EU, von Bund, dem Land Thüringen und der Stadt Erfurt flossen in die Sanierung und die Ausstellung.
"Das Denkmal ist unser Exponat Nummer eins. Damit kann Erfurt kulturhistorisch und kulturpolitisch richtig punkten", sagte Museumsleiterin Ines Beese. Zusammen mit der erst kürzlich an der Krämerbrücke freigelegten Mikwe - dem traditionellen Bad der Juden - den historischen Friedhöfen und der Kleinen Synagoge will sich Erfurt neben Speyer, Worms oder Prag als eines der wichtigen jüdischen Zentren im Mittelalter präsentieren. Für seine jüdischen Denkmale erstrebt die Stadt die Anerkennung als Weltkulturerbe. Charlotte Knobloch wünschte dem Haus und dem Plan "Gottes Segen und Masal tov".