Langjähriger "Spiegel"-JournalistJürgen Leinemann ist tot
Er war auch Korrespondent in Washington, doch Jürgen Leinemann galt vor allem als Kenner der deutschen Politik. Für den "Spiegel" berichtete er aus Bonn und Berlin und verfasste zudem ein Buch über Kanzler Helmut Kohl. Nun ist der preisgekrönte Journalist gestorben.
Der "Spiegel"-Journalist Jürgen Leinemann ist tot. Der Autor starb nach einer Krebserkrankung in der Nacht zum Sonntag in Berlin, berichtete der "Spiegel". Er wurde 76 Jahre alt.
Der 1937 in Celle geborene Leinemann galt als profunder Kenner bundesdeutscher Politik. Er begann seine journalistische Karriere 1964 bei der Deutschen Nachrichten-Agentur dpa. 1971 wechselte er zum Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".
Nach Stationen in Berlin und Hamburg war Leinemann von 1968 bis 1974 Korrespondent in Washington und erlebte dort etwa die Watergate-Affäre um US-Präsident Richard Nixon mit. Danach arbeitete er als Büroleiter in der damaligen bundesrepublikanischen Hauptstadt Bonn. Nach 1990 berichtete er aus Berlin und war ab 1998 Chef des Hauptstadtbüros des "Spiegel" sowie Leiter des Ressorts Deutsche Politik.
Als Buchautor legte Leinemann Werke über Gerhard Schröder und Helmut Kohl vor, aber auch über den ehemaligen Bundestrainer Sepp Herberger. In "Höhenrausch" beschrieb er den Realitätsverlust bei Politikern, aber auch Journalisten.
Seine Krebserkrankung thematisierte Leinemann dann 2009 in seinem Buch "Das Leben ist der Ernstfall" (Hoffmann und Campe). Darin schrieb er ebenso über seine journalistische Arbeit und die Begegnungen mit prominenten Politikern beschrieben. Diese reagierten teils empfindlich auf die kritischen Portraits des Journalisten.
Leinemann wurde unter anderem mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis und dem Siebenpfeiffer-Preis ausgezeichnet. 2009 erhielt er den Henri-Nannen-Preis für sein publizistisches Lebenswerk.