Panorama

Faszination TechnikJungfernflug der Concorde

02.03.2009, 08:20 Uhr

Sie gilt als der "Donnervogel" oder "Königin der Lüfte". Manche sahen in der Concorde faszinierende Technik, andere eine Umweltverschmutzerin. Vor 40 Jahren startete sie zu ihrem ersten Flug.

Sie bleibt für immer eine Legende der Luftfahrt. Manche nannten sie "Donnervogel", andere sprachen vom "fliegenden Kugelschreiber" oder sogar von einer "Königin der Lüfte". Vor 40 Jahren, am 2. März 1969, startete das Überschallflugzeug Concorde im französischen Toulouse zu ihrem 29 Minuten langen Jungfernflug. Gut einen Monat danach, am 9. April, folgte der Erstflug des britischen Prototypen.

Die Concorde war von Anfang an ein Zankapfel zwischen Weltanschauungen. Für viele Millionen Menschen war das 62,10 Meter lange Flugzeug mit seiner Spannweite von nur 25,55 Meter und einer Höchstgeschwindigkeit von 2405 Stundenkilometern faszinierende Technik pur. Millionen träumten davon, einmal mit einer Concorde fliegen zu dürfen. Andere sahen in der Concorde eine Krachmacherin und eine Umweltverschmutzerin. So lag der Treibstoffverbrauch auf der Strecke Paris-New York bei 17 Litern pro 100 Passagierkilometer. Das Riesenflugzeug Airbus A380 dagegen fliegt heute im Bereich von drei Litern Treibstoff pro Passagier auf 100 Kilometer. So war den meisten Airlines die Concorde viel zu teuer.

Schmerzlicher Stich für die US-Boeing-Konstrukteure

Amerikas Flugzeughersteller waren Ende der 60er Jahre genauso weit wie ihre französischen und britischen Kollegen. Bei ihnen behielt wirtschaftliches Denken die Oberhand - auch wenn, wie es in der Branche die Runde machte, jede Landung einer Concorde in New York den Boeing-Konstrukteuren einen schmerzenden Stich in der Herzgegend verursachte.

Zu den vielen kühnen Projekten gehörte in den Anfangsjahren am 21. Januar 1976 der erste Linienflug zwischen Paris und Rio de Janeiro; wenig später wurde die Strecke Paris Caracas mit einem technischen Aufenthalt in Santa Maria gestartet. Beide Dienste wurden jedoch am 1. April 1982 eingestellt. Oft spielte die relativ geringe Reichweite der Concorde (6250 Kilometer) eine Rolle, die bei größeren Langstrecken zeitraubende Zwischenstopps notwendig machten.

Flieger für die Stars und Sternchen

Obwohl sich der reguläre und erfolgreiche Liniendienst am Ende auf die Verbindungen von Paris und London nach New York und Washington beschränkte, wurden die französisch-britischen Überschalljets immer populärer. Es gab kaum einen Staatsmann von Bedeutung, der nicht die große Chance nutzte, einmal mit einer Concorde zu fliegen. Stars und Sternchen waren Dauergäste, allen voran die Formel 1-Fahrer und die Tennisstars. Margaret Thatcher fühlte sich an Bord genauso wohl wie Queen Elizabeth oder Papst Johannes Paul II, der mit der französischen Concorde F-BTSC am 2. Mai 1989 von La Runion nach Lusaka in Sambia flog.

Der Überschwang der Euphorie steckte auch manche Kommune an. So schrieb 1985 die Geschäftsführung des Flughafens Hannover-Langenhagen zu den Planspielen in der niedersächsischen Landeshauptstadt für eine Verlängerung der Concorde-Verbindung New York London nach Hannover an British Airways: "Nach unserer Ansicht ist der Flughafen für Hannover für diesen Zweck in Norddeutschland am besten geeignet."

In dreieinhalb Stunden von Paris nach New York

Die meisten Passagiere waren schlicht begeistert, wenn sie nach Sonnenuntergang in Europa einsteigen und vor Sonnenuntergang in New York aussteigen konnten. Oder: Wer zwischen 10 und 11 Uhr morgens Europa verließ, kam rechtzeitig zum Frühstück um 9 Uhr in New York an. Gewöhnlich dauerte ein Flug von Europa nach New York rund dreieinhalb Stunden. Manchmal ging es sogar noch schneller. Ganz selten wurde eine Flugzeit von unter drei Stunden erreicht. Das waren 30 Stunden weniger als Charles Lindbergh 1927 bei seiner berühmten Nordatlantiküberquerung benötigt hatte.

Die Concorde wurde zu einer technischen Ikone. Sie bleibt eine Legende trotz des schrecklichen Absturzes am 25. Juli 2000 bei Gonesse unweit des Pariser Flughafens Roissy Charles de Gaulle, der 113 Menschen, überwiegend Deutschen, das Leben kostete.

Am 24. Oktober 2003 wurde das große Kapitel Concorde endgültig geschlossen. Beim letzten Flug einer Concorde der British Airways nach London wurde der "Donnervogel" über dem Ärmelkanal von einem Verband der britischen Kunstflugstaffel Red Arrows begleitet. Heute sind die übrig gebliebenen Concorde auf renommierte Luftfahrtmuseen der Welt verteilt oder sie sind die Schmuckstücke historischer Stätten der Luftfahrt. Eine Concorde steht im deutschen Auto- und Technik-Museum in Sinsheim neben einer sowjetischen TU-144, der erfolglosen "Concordski".

Karl Morgenstern, dpa