Jahrelange Isolation der KinderKasper-Hauser-Familie in Paris entdeckt
Ein Elternpaar aus Paris pfercht seine Kinder jahrelang in der Wohnung ein. Die Nachbarn wollen von der Isolation nichts mitbekommen haben. Das Familiendrama weckt Erinnerungen an Kaspar Hauser.
Ohne Kontakt zur Außenwelt hat ein Paar in Frankreich seine vier Kinder aufwachsen lassen. Französische Regionalmedien berichteten von schockierten Nachbarn aus einem Komplex mit rund 300 Wohnungen in La Courneuve nördlich von Paris. Die Familie war dort am Vortag in ihrer verwahrlosten Wohnung in dem sozialen Brennpunkt entdeckt worden.
Die Kinder im Alter von bis zu sechs Jahren sollen nach ersten Erkenntnissen ohne medizinische Versorgung aufgewachsen sein. Die beiden älteren Kinder wiesen Entwicklungsstörungen auf. Der Zustand der beiden Jüngeren wurde als normal beschrieben. Hinweise auf Gewalt oder Missbrauch gab es nicht. Die Eltern wurden wegen Vernachlässigung ihrer Pflichten festgenommen.
Eine derartige Abschottung von der sozialen Außenwelt wird umgangssprachlich als Kasper-Hauser-Syndrom bezeichnet. In der Medizin spricht man vom Deprivationssyndrom. Kinder, die in ihrer Entwicklung nicht gefördert und von sozialen Kontakten abgegrenzt werden, leiden häufig unter körperlichen und psychischen Störungen. Häufig verkümmern infolge der Isolation der Sprach- und Bewegungsapparat.