Panorama
Dienstag, 20. April 2010

Ergebnisse nach Forschungsflug: "Keine Einschläge verzeichnet"

Tagelang kein einziger Flug - nur weil in Island ein Vulkan ausgebrochen ist. Zu viel Vorsicht oder angemessene Maßnahme? Deutsche Forscher nahmen die Aschewolke unter die Lupe. Das Messergebnis erbrachte, dass es sie wirklich gibt - in unterschiedlicher Konzentration.

Die Falcon auf ihrem Forschungsflug in die Aschewolke.
Die Falcon auf ihrem Forschungsflug in die Aschewolke.(Foto: dpa)

Vulkanasche-Wolken in unterschiedlicher Ausdehnung und Konzentration haben die Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt bei ihrem Forschungsflug am Montag nachgewiesen. Das zeigt der elfseitige Bericht des DLR. Die Wissenschaftler ermittelten auf ihrem Rundflug vom bayerischen Oberpfaffenhofen über Leipzig, Hamburg, Aachen, Stuttgart und zurück bestimmte Partikelkonzentrationen in der Luft. Allerdings nennt der Bericht keine Vergleichswerte, die eindeutig die Risiken und Fluggefahren beschreiben könnten.

So wurde vier Kilometer über Leipzig eine Konzentration der Asche in der Vulkanwolke mit 60 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen. Insgesamt seien die Vulkanschichten bräunlich und enthielten größere Partikel "vergleichbar mit Sahara-Staubwolken". Die vertikale und horizontale Verteilung der vulkanischen Luftschichten schwankten, so der Bericht. Ältere vulkanische Emissionen wurden im südlichen und mittleren Deutschland gemessen. Auch bestätigte sich, dass es keine Schäden am Flugzeug gab - weder am Triebwerk noch an den Fenstern: "Diese Inspektionen werden fortgesetzt. Silberfolien unter den Flügeln zeigten keine sichtbaren Einschläge von der Vulkan-Asche".

Die Wissenschaftler des DLR mahnten in ihrem Bericht zur Vorsicht im Umgang mit bestimmten Ergebnissen des Forschungsfluges. "Die Daten hier müssen wegen möglicher systematischer Fehler mit Sorgfalt genutzt werden", heißt es am Ende des Berichts. Weder das DLR noch das ihm vorgesetzte Bundesverkehrsministerium wollten zunächst zu dem Bericht Stellung nehmen.

Forschungsflug mit Risiken

Mit dem bloßen Auge konnten die Forscher auch auf dem Flug die Wolke kaum sehen, berichtete der Leiter des Instituts für Physik der Atmosphäre beim DLR, Ulrich Schumann, nach der Landung. Zwischen 2000 und 12.000 Metern Höhe flog der zweistrahlige Jet quer über Deutschland. Zwar gebe es Bestrebungen zu solchen Flügen auch in anderen Ländern sowie erste Flüge in geringeren Höhen, aber: "So eine Messkampagne, das hat noch keiner gemacht."

Das Flugzeug flog "nicht in der Wolke, sondern durch die Wolke".
Das Flugzeug flog "nicht in der Wolke, sondern durch die Wolke".(Foto: dpa)

Vor allem Laser untersuchten während des Fluges die Teilchen aus mineralischem Staub und Schwefelverbindungen. Die sogenannten Aerosole haben eine Größe von einem bis 100 Mikrometer.

"Wir haben hier ein erhöhtes Risiko in Kauf genommen", sagte Schumann nach der Mission, die das DLR binnen drei Tagen auf die Beine gestellt hatte. Die Teilchen können bei 1200 Grad in den Triebwerken schmelzen und diese lahmlegen. Doch die Falcon kehrte problemlos nach Oberpfaffenhofen zurück. "Dieses Flugzeug hat heute den Flug gut überstanden." Ob der Staub doch Spuren an den Triebwerken hinterlassen hat, muss noch untersucht werden.

"Es gibt keine Richtwerte, was verträglich ist für ein Triebwerk", betont Schumann. Der Flug liefere "ein Puzzleteil", um in der Zukunft fundiertere Entscheidungen treffen zu können.

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Quelle: n-tv.de