Panorama

Mörderischer Glaube Kenianer töten "Hexen"

Enoch Obiero ist ein protestantischer Pastor, doch der geistliche Beruf half wenig, um seine Frau Ebisiba vor mörderischen Hexenglauben zu schützen. Obiero glaubte zunächst an Einbrecher, als eine Menschenhorde spätabends auf sein Haus im westkenianischen Dorf Metembe zustürmte. Er solle seine Frau rausschicken, forderte die aufgebrachte Menge von dem Geistlichen, denn sie sei eine Hexe. Als Obiero sich weigerte, zündete der Mob das Haus an. Der Pastor konnte nur knapp entkommen, seine Frau kam in den Flammen ums Leben.

Ähnlich wie Ebisiba Obiero kamen in jener Nacht in Metembe und fünf anderen Dörfern der Umgebung 14 andere Männer und Frauen ums Leben. Auch sie wurden als angebliche Hexen bei lebendigem Leib verbrannt oder mit Macheten zerstückelt.

Es hatte Hinweise auf das bevorstehende Massaker gegeben, nachdem in der Grundschule von Nyamasaria am gleichen Tag ein Buch mit einer Liste der vermeintlichen Hexen und Zauberer aufgetaucht war. Bezirksverwaltungschef James Gitau ahnte nichts Gutes. Auf einem Treffen mit den Dorfbewohnern mahnte er zur Ruhe - vergeblich. Stunden später brannten in den Dörfern um Nyamasaria rund 50 Häuser und Hütten.

Selbstjustiz, weil das Gesetz nicht hilft

Der Hexenglaube war wirkungsvoller als jeder Appell an die Vernunft. Er führte auch zu einem Exodus ganzer Familie, die sich vor dem Einfluss der "Hexen" fürchteten, berichtete die Zeitung "Daily Nation". "Meine Familie ist weggezogen, weil wir glaubten, uns könnte sonst ein Leid geschehen", sagte ein 40-Jähriger. Die Polizei nahm zwar fast zwei Dutzend Tatverdächtige fest, doch die Dorfbewohner zeigen wenig Unrechtsbewusstsein: Das Gesetz helfe ihnen nicht, die Hexen los zu werden, so bleibe ihnen keine andere Wahl als Selbstjustiz.

Die Dörfer in der Region um Kisii sind kein Einzelfall. In vielen ländlichen Gebieten Afrikas wird an unfallträchtigen Straßenstellen nicht etwa ein Warnschild aufgestellt oder die Fahrweise geändert, sondern eine Ziege oder ein Schaf geopfert. Denn die Dorfbewohner sind fest überzeugt, dass zornige Geister und nicht etwa überhöhtes Tempo oder schlechte Straßenverhältnisse Schuld an den vielen Unfällen sind. In etlichen Ländern vor allem Westafrikas ist Voodoo-Glaube tief verwurzelt.

Aberglaube ist lukrativ

Während der politischen Unruhen nach den Präsidentenwahlen in Kenia mit zahlreichen Plünderungen setzten findige Ladenbesitzer den Aberglauben zu ihren Gunsten ein. An der islamisch geprägten Küste ging die Rechnung ebenso auf wie im überwiegend christlichen Rift Valley, als Ladenbesitzer Dieben und Plünderern erfolgreich ein Ultimatum setzten: Sollte die gestohlene Ware nicht innerhalb einer Woche wieder im Ladenmagazin sein, werde ein Zaubermeister einen Fluch aussprechen und jeder Dieb die Folgen zu spüren bekommen. Manche der Langfinger waren so eingeschüchtert, dass sie sogar Nachbarn bezahlten, um das Diebesgut unauffällig zurückzubringen.

Dem Wunderglauben ihrer Anhänger helfen aber auch so manche Geistliche einiger Kirchen in Ostafrika gerne ein wenig nach. In Uganda etwa zog die Polizei vor ein paar Monaten einen Pastor aus dem Verkehr, der seinen Anhängern mit einem kleinen, in der Handfläche verborgenen Elektroschocker Stromschläge versetzt hatte. Die Gläubigen waren fest überzeugt, bei der "Segnung" durch den Priester die Kraft des Heiligen Geistes gespürt zu haben.

Von Eva Krafczyk, dpa

Quelle: ntv.de

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