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Discounter ließ doch in Bangladesch herstellen Kik-Textilien am Unglücksort gefunden

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In den Trümmern wurden "okay"-Etiketten an zahlreichen Textilien gefunden.

(Foto: REUTERS)

Mehr als 420 Menschen sterben in Bangladesch, als eine Nähfabrik einstürzt. Viele Textildiscounter wie Primark, Benetton, Mango, The Children's Place ließen in der Fabrik produzieren. Dabei erklären C&A und Kik schon vor Jahren, ihre Geschäftsbeziehungen dort beendet zu haben. Jetzt kommt heraus: Kik war dort doch im Geschäft.

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Die 16-jährige Anna schuftete viele Stunden am Tag für Textilien, die zu Dumpingoreisen im Westen verkauft werden. Bei dem Einsturz der Fabrik verlor sie ihre rechte Hand.

(Foto: AP)

Rund eine Woche nach dem Einsturz eines Fabrikgebäudes in Bangladesch mit Hunderten Toten haben Helfer unter den Trümmern zahlreiche Textilien des deutschen Discounters Kik gefunden. Kik hatte jedoch vorher erklärt, die Lieferbeziehungen in den Fabriken bereits vor Jahren beendet zu haben. In einer Mitteilung des Unternehmens heißt es, man habe "seit 2008 keine direkten Geschäftsbeziehungen" mehr zu den Produzenten im eingestürzten Rana-Plaza-Gebäude. Jetzt muss man davon ausgehen, dass Kik offensichtlich indirekte Geschäftsbeziehungen dort unterhielt - möglicherweise über einen von Hunderten Importeuren, die das Unternehmen gar nicht kennt.

Für Frauke Banse von der Kampagne Saubere Kleidung (CCC) ist das ein Schock. "Es zeichnet sich ab, dass Kik innerhalb von nur acht Monaten ein drittes Mal in ein schweres Unglück in einer Textilfabrik involviert ist." Die CCC ist eine Nichtregierungsorganisation, die sich für bessere Arbeitsbedingungen in Textilfabriken einsetzt. Helfer und Aktivisten hatten in den Trümmern vor Ort zahlreiche Textilien der Kik-Hausmarke "okay" gefunden.

Bislang war man davon ausgegangen, dass nur der deutsche Discounter NKD und einer seiner Lieferanten, die Firma HCT, Lieferbeziehungen mit der Katastrophenfabrik hatte.

Kik bleibt Abkommen fern

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Noch immer werden Tote unter den Trümmern gefunden. Schon jetzt sollen es mehr als 420 sein.

(Foto: REUTERS)

Die Zulieferer für die rund 250 Kik-Importeure sind namentlich nicht bekannt. Auch weigert sich Kik bislang, einem Abkommen zu Brandschutz und Gebäudesicherheit beizutreten. Nach Angaben des CCC, will Kik nicht unterschreiben "und redet sich mit eigenen Maßnahmen heraus". Der irische Textildiscounter Primark hatte bereits mitgeteilt, ein Team arbeite vor Ort daran, den Menschen Soforthilfe wie auch längerfristige Unterstützung zukommen zu lassen. Auch die anderen beteiligten Unternehmen wurden aufgerufen, umgehend mit den Gewerkschaften in Bangladesch in Kontakt zu treten, um die Nothilfeversorgung zu unterstützen.

Derweil wurden die Textilfabriken des Landes wieder geöffnet. Millionen Arbeiter kehrten am Donnerstag in die Hallen rund um die Hauptstadt Dhaka zurück. Der Bürgermeister der Stadt Savar, in der sich das Unglück ereignete, wurde vom Dienst suspendiert.

Proteste am Tag der Arbeit

Zahlreiche Arbeiter in den rund 4500 Textilfabriken des südasiatischen Landes hatten nach dem Unglück am 24. April aus Protest gegen ihre Arbeitsbedingungen die Arbeit niedergelegt. Am Mittwoch, dem Tag der Arbeit, entlud sich die Wut der Menschen in heftigen Protesten: Zehntausende Arbeiter forderten die Hinrichtung der Besitzer der fünf Fabriken, die in dem eingestürzten Haus untergebracht waren.

In der Textilindustrie, dem wichtigsten Wirtschaftszweig des verarmten Landes, sind drei Millionen Menschen beschäftigt. Viele von ihnen verdienen weniger als 30 Euro im Monat.

Seit dem Unglück in Savar wurden sieben Menschen wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung festgenommen. Unter ihnen sind der Besitzer des eingestürzten Gebäudes und mehrere Ingenieure. Arbeiter hatten nach dem Unglück berichtet, das Gebäude sei nach der Entdeckung von Rissen am Vortag evakuiert worden, doch seien sie zur Rückkehr gezwungen worden.

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa

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