Panorama

Suche nach BrandursacheKomplizierte Ermittlungen

08.02.2008, 11:24 Uhr

Die Staatsanwaltschaft rechnet damit, dass sich die Ermittlungen zur Brandkatastrophe in Ludwigshafen noch mehrere Wochen hinziehen. Die Ursache für das Feuer in einem von türkischen Familien bewohnten Haus ist nach wie vor offen.

In Ludwigshafen sind die Ermittlungen zur Brandkatastrophe mit neun Toten fortgesetzt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor weitere Untersuchungen des Brandortes angekündigt. Außerdem werden nochmals Zeugen vernommen. Die Sonderkommission wurde mittlerweile auf rund 80 Ermittler aufgestockt. An den Untersuchungen beteiligt sind auch vier Experten aus der Türkei. Die Ursache für das Feuer in einem von türkischen Familien bewohnten Haus ist nach wie vor offen.

Am Donnerstag hatte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan den Brandort besucht und ausdrücklich die Arbeit der deutschen Rettungskräfte gewürdigt sowie die türkischen Medien zu einer gemäßigteren Berichterstattung aufgerufen. Angesichts der Spekulationen über einen ausländerfeindlichen Hintergrund bat er: "Lassen Sie uns alle helfen, die Freundschaft der Türkei zu Deutschland zu stärken." Zu türkischer Kritik am Einsatz der Rettungskräfte sagte er: "Wenn es das große Engagement der Polizei und Feuerwehr nicht gegeben hätte, wäre der Schmerz noch größer gewesen." Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sicherte zu, dass alles zur Aufklärung der Hintergründe getan wird. Unterdessen schlugen die türkischen Zeitungen versöhnlichere Töne an als an den Vortagen.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), sagte bei n-tv: "Wir brauchen Brückenbauer. Das hat sich jetzt auch in Ludwigshafen bewährt. Viele sind zu uns gekommen, die aus türkischen Familien stammen, und haben sich angeboten und haben gesagt: Wir wollen hineinwirken in den Kreis der türkischen Jugendlichen, damit es nicht zu einer Eskalation kommt." Böhmer kritisierte die Berichterstattung mancher türkischer Medien als Schlagzeilenaktion, "die nicht zur Entspannung beigetragen hat, im Gegenteil, die die Stimmung aufgeheizt hat".

Der Berliner Migrationsforscher Haci-Halil Uslucan machte den hessischen Landtagswahlkampf mitverantwortlich für die eskalierte Stimmung zwischen Deutschen und Türken nach dem Brand in Ludwigshafen. Schon vor dem Unglück sei die Stimmung durch den "stark polarisierten Wahlkampf sehr aufgeheizt" gewesen, sagte Uslucan der "Frankfurter Rundschau".

Die Absetzung eines ARD-"Tatorts" mit deutsch-türkischem Inhalt am kommenden Sonntag bezeichnete die türkischstämmige SPD- Islambeauftragte Lale Akgün als übertrieben. "Wir werden kein Problem weniger haben, wenn wir ein Problem unter den Tisch kehren", sagte sie der hannoverschen "Neuen Presse".

Nach dem Feuer in dem von türkischen Familien bewohnten Haus werden nach Angaben der Stadt noch acht Verletzte im Krankenhaus behandelt, drei von ihnen auf der Intensivstation. Bei dem Brand waren am Sonntag neun Menschen ums Leben gekommen, 60 wurden verletzt.

Die Staatsanwaltschaft rechnet damit, dass sich die Ermittlungen noch mehrere Wochen hinziehen. Ob das Feuer auf Brandstiftung oder einen technischen Defekt zurückgeht, ist bisher unklar. Als Indizien für einen Anschlag gelten die Aussagen von zwei Mädchen, die einen Mann am Tatort beobachtet haben wollen. Nazi-Schmierereien, die an dem ausgebrannten Eckhaus entdeckt wurden, waren nach Erkenntnissen der Ermittler allerdings bereits vor mehreren Jahren dort angebracht worden. Auf das Haus war bereits im August 2006 ein Anschlag verübt worden.