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Hier soll das Riesenprojekt entstehen: Der aktuelle und deutlich kleinere Inga-Damm existiert bereits seit 1972.
Hier soll das Riesenprojekt entstehen: Der aktuelle und deutlich kleinere Inga-Damm existiert bereits seit 1972.(Foto: REUTERS)
Montag, 20. Mai 2013

Megaprojekt in der Mitte Afrikas : Kongo plant gigantisches Wasserkraftwerk

Die Demokratische Republik Kongo einigt sich mit Südafrika auf den Bau des weltweit größten Wasserkraftwerks. Der Grand-Inga-Staudamm soll nach Fertigstellung nahezu die Hälfte des afrikanischen Energiebedarfs erzeugen können. Zuvor muss der Fluss Kongo jedoch komplett umgeleitet werden - mit enormen Folgen für das Ökosystem.

In der Demokratischen Republik Kongo soll das größte Wasserkraftwerk der Welt entstehen. Vertreter des zentralafrikanischen Landes und ihre Partner aus Südafrika einigten sich in Paris darauf, dass der Startschuss für den Bau des Grand-Inga-Staudamms im Oktober 2015 fallen wird.

Kongolesische Rebellen halten den alten Damm 1998 während des Kampfes gegen Präsdient Kabila besetzt.
Kongolesische Rebellen halten den alten Damm 1998 während des Kampfes gegen Präsdient Kabila besetzt.

Kein anderer Fluss in Afrika führt so viel Wasser wie der Kongo, rund 42.000 Kubikmeter pro Sekunde sind es an seiner Mündung am Atlantik - nur der Amazonas führt noch mehr Wasser. Der Standort des Projektes liegt in etwa 150 Kilometer vor der Mündung, wo ein starkes Gefälle günstige Bedingungen bietet. Anders als bei der schon seit 1972 existierenden Anlage, die Wasser aus dem Kongo abzweigt, muss für den Neubau der gesamte Fluss durch ein anliegendes Tal geleitet und aufgestaut werden.

Mit einer Leistung von 40.000 Megawatt könnte der neue Damm mehr als doppelt so viel Energie liefern wie der gigantische Drei-Schluchten-Staudamm in China. Studien zufolge soll eine bis zu 200 Meter hohe Staumauer entstehen, in der 50 Turbinen pro Jahr rund 320 Terrawattstunden Energie erzeugen können. Dies entspricht der Leistung von ungefähr 30 Atomkraftkwerken und würde die Energieproduktion Afrikas um ein Drittel erhöhen. Allein durch "Grand Inga" könne so nahezu die Hälfte des gesamten afrikanischen Energiebedarfs gedeckt werden, wie die Verantwortlichen mitteilen.

Industriestaaten können Staudamm als Klimaschutz deklarieren

Die Demokratische Republik Kongo und Südafrika hatten 2012 einen Vertrag über gemeinsame Studien zur Durchführbarkeit des Projektes geschlossen. Beide Länder wollen den Staudamm nun in mehreren Phasen gemeinsam errichten. Südafrika wird einer der Hauptabnehmer des entstehenden Stroms sein. Das Land an der Südspitze des Kontinents hatte wegen unzureichender Planung in den letzten Jahren schon häufiger mit Energieengpässen zu kämpfen gehabt, sodass dortige Bergbauanlagen mitunter die Produktion ganz einstellen mussten.

Mit dem Grand-Inga-Damm könnte sich das Land mit einem Schlag einem Großteil seiner Energiesorgen entledigen, auch wenn die Fertigstellung noch bis weit nach 2020 auf sich warten lassen dürfte. Im Kongo selbst haben über 90 Prozent der Bevölkerung keinen Zugang zu Elektrizität.

Um die Ausführung des Projektes bewerben sich den Angaben zufolge Interessenten aus China, Spanien, Korea und Kanada. Insgesamt wird der Bau Schätzungen zufolge rund 62 Milliarden Euro kosten - doch bei Projekten dieser Größenordnung liegen die schlussendlichen Baukosten meist weit über der veranschlagten Summe. Die im Kongo verbreitete Korruption macht eine Einhaltung der Kosten zusätzlich nicht wahrscheinlicher. Die Vorüberlegungen für das Inga-Projekt reichen bis in die siebziger Jahre zurück, wurden zwischendurch jedoch immer wieder durch Bürgerkriege in dem Riesenland in Afrikas Mitte zurückgeworfen.

Die G8-Staaten unterstützen das Projekt. Als erneuerbare Energiequelle erfüllt Grand Inga die Voraussetzungen zum Klimaschutz nach dem Kyoto-Protokoll. Die Industriestaaten können sich die Finanzierung von Projekten zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes im Ausland auf die eigene Klimabilanz anrechnen lassen und so ihren Verpflichtungen nachkommen - wobei in diesem Fall lediglich zusätzliche Energieproduktion entstünde und Einsparungen ausblieben.

Umweltschützer zeigen sich außerdem besorgt über unerwünschte Konsequenzen des Dammbaus. Neben dem fragwürdigen Nutzen für die lokale Bevölkerung würde das Ökosystem massiv beeinflusst. Wichtige Überschwemmungsflächen müssten trockengelegt werden und im stehenden Wasser des Stausees könnten sich Moskitos und andere Schädlinge leichter ausbreiten.

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Quelle: n-tv.de