Panorama

Skandal bei Terrakotta-SchauKrieger-Kopien für Hamburg

12.12.2007, 15:05 Uhr

Bei den angeblich 2000 Jahre alten chinesischen Terrakotta-Kriegern im Hamburger Museum für Völkerkunde handelt es sich lediglich um moderne Kopien. Deshalb wird die Schau geschlossen.

Scheibchenweise kam der Skandal ans Licht, jetzt steht zweifelsfrei fest: Bei den angeblich 2000 Jahre alten chinesischen Terrakotta-Kriegern im Hamburger Museum für Völkerkunde handelt es sich lediglich um moderne Kopien und nicht um historische Originale.

"Die Leipziger Vertragspartner des Museums haben ausgesagt, dass es sich bei den ausgestellten Exponaten nicht um Originale handele", teilte das Museum mit. Der Vertrag wurde gekündigt; die Ausstellung werde geschlossen. Das Museum prüft nun juristische Schritte gegen das Leipziger Center of Chinese Arts and Culture (CCAC), das die Ausstellung organisiert hat.

"Wir haben niemals den Begriff Originale benutzt", versuchte sich der Sprecher der CCAC, hinter der die "Qin Terrakotta-Armee Ausstellungs-GmbH" steckt, Yolna Grimm, zu verteidigen. In dem Vertrag, den seine Firma mit dem Völkerkundemuseum abgeschlossen habe, stehe, dass es sich um "authentische Scherbenfiguren aus Originalmaterial" handelt. Mit Originalmaterial sei Ton gemeint. "Das sind keine Originale." Die Kopien seien in Xi'an von chinesischen Partnern hergestellt worden und vom Hamburger Zoll abgefertigt worden. "Authentisch heißt für uns Scherbenfiguren, lebensgroß, vergleichbar mit den Originalen", sagte Grimm. Zur Eröffnung der Ausstellung hatte die Firma sogar den ehemaligen Ausgrabungsleiter aus Xi'an, Prof. Yangmin Han, nach Hamburg geholt.

Ein Hinweisschild hatte am Ende darauf hingewiesen, dass die Exponate Kopien sind. "Liebe Besucher, wir machen Sie darauf aufmerksam, dass es sich bei den in der Ausstellung gezeigten Objekten um originalgetreue Kopien der Grabbeigaben aus der Ausgrabungsstätte in Xi'an handelt." Vor dem Eingeständnis des CCAC hatten bereits chinesische Behörden erklärt, es gebe keine echten Krieger-Figuren in Hamburg.

"Wir haben einen Anwalt eingeschaltet und prüfen jetzt, was für Schritte möglich sind", sagte der Direktor des Hamburger Völkerkundemuseums, Prof. Wulf Köpke. In dem Vertrag, den das Museum mit der CCAC abgeschlossen habe, stehe eindeutig, dass es sich um Originale handelt. "Ich habe im Wörterbuch nachgeschlagen: echt, authentisch und original sind identische Wörter." Auf die Frage, warum das Museum sich nicht selber mit den Chinesen in Verbindung gesetzt habe, sagte Köpke: "Das ist nicht so einfach. Deshalb macht man ja so ein Paket, damit man nicht so viel Arbeit hat." Er hoffe jedoch, dass die Besucher "dieses Versehen verzeihen können." "Wir sind selber Opfer geworden. Es ist nicht das erste Mal, dass ein Museum auf Fälschungen hereinfällt."