Panorama

Werkspanorama und KinderfotosKrupp zeigt Schätze

02.04.2011, 14:44 Uhr

Die Mitglieder der Industriellen-Dynastie Krupp galten als begeisterte Foto-Pioniere. Zwei Millionen Bilder aus 200 Jahren Firmenhistorie lagern hinter verschlossenen Türen. 400 von ihnen werden demnächst gezeigt - viele zum ersten Mal.

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Restaurator Klaus Pollmeier zeigt im Kellerarchiv der Villa Hügel in Essen einen Teil des historischen Werkspanoramas auf einer Glasplatte. (Foto: dpa)

Premiere beim historischen Krupp-Archiv: Erstmals öffnet das älteste deutsche Firmenarchiv in diesem Jahr zum 200-jährigen Unternehmensjubiläum seine Schatzkammern für eine große Fotoausstellung. Aus rund zwei Millionen Aufnahmen wurden rund 400 Fotografien ausgewählt. Die meisten von ihnen waren noch nie öffentlich im Original ausgestellt worden.

Vom 18. Juni bis zum 11. Dezember sollen bei der Schau "Krupp. Fotografien aus zwei Jahrhunderten" nicht nur monumentale Werksansichten mit winzigen Arbeitern im Ameisenformat gezeigt werden. Zu sehen sein werden auch höchst private Schnappschüsse aus den Fotoalben der berühmten Essener Familie.

Werkspanorama als Prunkstück

Im Krupp-Stammsitz Villa Hügel wird damit erstmals eine Ausstellung in eigener Sache gezeigt. In den vergangenen Jahrzehnten war das noble Ambiente eher als stilvoller Rahmen für große Kunst- und Kulturausstellungen oder Konzerte genutzt worden. Im Keller des 269-Zimmer-Hauses mit einer Grundfläche von 8100 Quadratmetern ist Foto-Restaurator Klaus Pollmeier derzeit dabei, die wertvollen Stücke aufzuarbeiten.

Viele der historischen Dokumente zeigen Gebrauchsspuren wie Knicke, Risse oder Kratzer. Schließlich wurden die Industrie-Fotos oft als Werbematerial oder für Verkaufskataloge des Unternehmens genutzt. Prunkstück der Ausstellung ist ein acht Meter langes Werkspanorama der Kruppschen Gussstahlfabrik in Essen, die mit einer Größe von 300 Hektar und 7000 Beschäftigten die Größe eines ganzen Stadtteils hatte.

Sonderdienst am Sonntag

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Zwei Millionen Bilder aus rund 200 Jahren Firmenhistorie werden derzeit für die Ausstellung durchforstet und zum Teil restauriert. (Foto: dpa)

Für die Ansicht aus dem Jahr 1867 dienten Krupp-Mitarbeiter an einem Sonntag auf Anweisung des Firmenchefs als bezahlte Fotomodelle. Genau 247 Menschen sind auf der monumentalen Werksansicht zu sehen. Alle mussten in den Kindertagen der Fotografie aus technischen Gründen während der gesamten Aufnahmeprozedur bewegungslos in ihrer Position verharren.

Die im Atelier angefertigten Bilder aus der Frühzeit der Fotografie waren zunächst nur für wohlhabende Bürger erschwinglich. Für mögliche Interessenten hat der Fotograf auf der Rückseite eines Krupp-Porträts auch gleich seine Preisliste geklebt. Ein solches Foto kostete damals etwa das Monatsgehalt eines Arbeiters.

Ganze 3500 Taler oder das Jahresgehalt eines mittleren Angestellten ließ sich Alfred Krupp den Kauf einer Fotoausrüstung kosten, mit deren Hilfe der technische Zeichner Hugo van Werden 1860 zum ersten hauptamtlichen Werksfotografen in Deutschland wurde. Neben Werksansichten bannte der Krupp-Fotograf auch längst verschwundene Landschaften im damals noch dünn besiedelten Ruhrtal auf die Platte.

Die Mitglieder der Familie selbst waren ebenfalls begeisterte Fotografen. Das Krupp-Archiv umfasst mehrere dicke Alben mit Kinderfotos und Urlaubsschnappschüssen aller Art. Als besonders ambitionierter Fotoamateur galt etwa der spätere Unternehmenschef Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, der im vergangenen Jahrhundert über 300.00 Dias von seinen Reisen mitbrachte.

Quelle: Uta Knapp, dpa