Panorama

Fälschungen von FälschungenKujau-Verwandte angeklagt

25.04.2008, 14:15 Uhr

Auf den Tag genau nach 25 Jahren, als Konrad Kujau erst den "Stern" und dann den Rest der Welt mit gefälschten Hitler-Tagebüchern narrte, wird eine Verwandte Kujaus angeklagt. Petra Kujau hatte Kujaus Fälschungen noch mal gefälscht.

Die Staatsanwaltschaft Dresden hat Anklage gegen eine entfernte Verwandte des Fälschers der Hitler-Tagebücher, Konrad Kujau (1938-2000) erhoben. Petra Kujau und einem Mittäter werden Betrug und Urkundenfälschung in 301 Fällen vorgeworfen, sagte der Sprecher der Behörde, Oberstaatsanwalt Christian Avenarius. Er bestätigte Angaben der "Stuttgarter Nachrichten".

Die Staatsanwaltschaft gehe davon aus, dass die 49-Jährige und der Mann im Internet und in Ausstellungen in Fernost gefertigte Massenware als von Konrad Kujau geschaffene Fälschungen angeboten haben.

Es geschah vor 25 Jahren

Auf den Tag genau vor 25 Jahren hatte der "Stern" auf einer internationalen Pressekonferenz in Hamburg vor 250 Journalisten die Medien-Sensation des Jahrzehnts präsentiert: Adolf Hitlers geheime Tagebücher, aufgespürt vom "Stern"-Reporter Gerd Heidemann. Nun müsse die Geschichte des Nazi-Staates "in großen Teilen neu geschrieben werden", ist im Magazin zu lesen. Zwei Wochen später ist der Spuk vorbei. Die angeblichen Tagebücher des Diktators sind als Fälschung entlarvt und der "Stern" stürzt in eine Ansehens- und Auflagenkrise, von der er sich erst nach Jahren erholt.

Kurz nach der Pressekonferenz von 1983 ergeben Untersuchungen des Bundesarchivs, des Bundeskriminalamts und des Bundesamtes für Materialprüfung: Bei den angeblichen Tagebüchern handelt es sich um eine "grotesk oberflächliche Fälschung". Ganze Passagen sind aus einer längst veröffentlichten Sammlung von Hitler-Reden abgeschrieben. Einbände, Papier und Klebstoffe enthalten zum Teil Materialien, die vor 1955 gar nicht auf dem Markt waren.

Millionen für Kujau

Der "Tagebuch-Entdecker" Heidemann hatte die Hefte gegen viel Bargeld von einem Stuttgarter Militaria-Händler namens Konrad Kujau erhalten, der sie seinerseits aus einer geheimen Quelle bekommen haben wollte. Für 60 Bände hat der "Stern" insgesamt 9,3 Millionen Mark (knapp 4,8 Millionen Euro) ausgegeben. In Plastiktüten hat Heidemann das Geld zu Kujau getragen, der ihm mal einen, mal drei Bände übergab. Dass Kujau alles selbst geschrieben hatte, dämmerte Heidemann damals nicht. Er fiel auf dessen Geschichte herein, die Bände seien in einem gegen Kriegsende in Sachsen abgestürzten Flugzeug gefunden worden.

Opfer Heidemann heute noch verbittert

Sowohl Kujau als auch Heidemann werden wegen Betrugs verurteilt. Kujau gibt an, von dem Geld nur 2,4 Millionen Mark erhalten zu haben. Das Gericht glaubt ihm und nicht Heidemann, der beteuert, die 9,3 Millionen komplett an Kujau weitergegeben zu haben. So erhält der "Stern"-Reporter mit vier Jahren und acht Monaten Haft sogar die härtere Strafe; Kujau kommt mit zwei Monaten weniger davon. Heidemann ist noch heute verbittert und fühlt sich unfair behandelt. Er lebt in bescheidenen Verhältnissen in Hamburg und hat nach eigener Aussage keine Ahnung, wo die verschwundenen "Stern"-Millionen geblieben sind.

Kujau macht "echte Fälschungen"

Dem "Meisterfälscher" hingegen ging es besser. Kujau machte sein Fälschertalent zu – ehrlich verdientem - Geld. Er malt Kopien bekannter Gemälde von Künstlern wie Salvador Dali oder Marc Chagall und signiert sie mit dem Namen des echten Meisters und seinem eigenen. Die "echten Fälschungen" verkaufen sich gut und Kujau betätigt sich auch als Galerist und Gastronom, bis er im Jahr 2000 im Alter von 62 Jahren an Krebs stirbt.

"Schtonk" wird zum Knüller

Ein echter Knüller ist die Verfilmung der Tagebuch-Geschichte in Helmut Dietls Erfolgskomödie "Schtonk", die 1993 für den Oscar nominiert wird. Heidemann ist während der Dreharbeiten am Set und erzählt später in einem Interview: "Ich habe Tränen gelacht über Götz George, der mich spielt in dem Film. So einen Typen hätte (der damalige "Stern"-Herausgeber) Henri Nannen schon nach drei Minuten gefeuert, so einen hätte der nie ertragen."