Panorama

Opfer aus SüddeutschlandLeichen am Mont Blanc geortet

26.08.2008, 19:11 Uhr

Das Lawinenunglück am Mont Blanc ist das schwerste Drama seit Jahren. Sieben der verschütteten Bergsteiger konnten nun geortet werden. Eine Bergung ist aufgrund der Lawinengefahr vorerst nicht möglich.

Zwei Tage nach dem Lawinenunglück am Mont Blanc hat die französische Gendarmerie die Leichen der Bergsteiger geortet. Sieben der acht verschütteten Kletterer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz konnten mit Hilfe von Signalen aus ihren Lawinenwarnsystemen lokalisiert werden, wie die Tageszeitung "Le Parisien" berichtete.

Die Toten lägen unter einer 20 bis 50 Meter dicken Eisschicht und können vorerst nicht geborgen werden. Die Gefahr weiterer Lawinen sei zu groß, hieß es weiter.

Unter den acht Bergsteigern, die in der Nacht zum Sonntag bis zu mehr als 1000 Meter in die Tiefe gerissen wurden, sind vier Deutsche, drei Schweizer und ein Österreicher. Drei der vier getöteten Deutschen stammen aus Süddeutschland. Nach Angaben des Bayerischen Landeskriminalamtes in München sind unter den Toten zwei aus Bayern stammende Bergsteiger und nach Polizeiangaben aus Baden-Württemberg ein 43 Jahre alter Mann aus Kressbronn am Bodensee. Über den vierten toten Kletterer aus Deutschland ist noch nichts bekannt

Das schwerste Drama seit Jahren

Nach Angaben der französischen Gendarmerie von Chamonix sollen mindestens zwei Seilschaften mit insgesamt acht Bergsteigern unter den Schnee- und Eismassen verschüttet sein. Die erste Seilschaft soll aus einem Bergführer aus Tirol und vier Deutschen bestehen, darunter eine Frau. Zur zweiten Seilschaft gehörten vermutlich ein 32 Jahre alter Schweizer Bergführer und ein Schweizer Paar im Alter von 28 und 34 Jahren. Näheres über die Identität der Opfer wollte die Gendarmerie zunächst nicht bekanntgeben. Einige Familienangehörige seien am Montagabend in Chamonix eingetroffen.

Die Lawine ging gegen drei Uhr nachts in 3600 Metern Höhe auf einer Breite von 50 Metern und eine Länge von etwa 200 Meter ab. Acht weitere Bergsteiger wurden leicht verletzt, darunter fünf Franzosen und drei Italiener. Bei dem Lawinenunglück handelt es sich um das schwerste Drama seit Jahren.

"Zu hundert Prozent Pech"

Der italienische Bergsteiger Hans Kammerlander sagte in einem Interview mit NDR Info, den Bergsteigern am Montblanc könne kein Vorwurf gemacht werden. "Das ist unvorhergesehen, was da passiert ist." Der Unfall sei "zu hundert Prozent als Pech" zu bezeichnen. Der 51-Jährige sagte zudem: "Das Niveau des Könnens der Leute ist schon natürlich auf einem ganz tiefen Niveau inzwischen. Einfach die Masse, die gelockt wird, von kommerziellen Anbietern, (...), und plötzlich stehen die Leute vor einem Berg und dann merken sie, da wollten sie eigentlich auch gar nicht hin."

Die "Frankfurter Rundschau" berichtete, dass die Zahl tödlicher Abstürze beim Bergsteigen nicht zugenommen hat. "Wir hatten dieses Jahr mehr große Unfälle, angefangen mit dem Zugspitzlauf, dann den Nanga Parbat und den K2", sagte die Sprecherin des Deutschen Alpenvereins, Andrea Händel, dem Blatt. "Aber insgesamt, muss man sagen, ist es ein durchschnittlicher Sommer." Der Klimawandel verursache zwar vereinzelt mehr Bergunfälle nach Eisabbrüchen - dies bedeute aber keine signifikante Steigerung.