Panorama

S-Bahn-Unfall bei München Lokführer soll Haltesignal überfahren haben

Mit einem Spezialkran wird einer der beiden Triebwagen der verunglückten S-Bahn-Züge auf der Bundesstraße 11 abgesetzt.

Der Lokführer fuhr laut einem Zwischenbericht trotz Zwangsbremsung weiter.

(Foto: Uwe Lein/dpa)

Am 14. Februar stießen südlich von München zwei S-Bahnen zusammen, ein junger Mann starb, zahlreiche Menschen wurden verletzt, einige davon schwer. Gegen den Lokführer wird ermittelt - nun verdichten sich die Hinweise, dass er einen Fehler gemacht hat.

Vier Monate nach dem tödlichen Zusammenstoß zweier S-Bahnen in Schäftlarn bei München mehren sich Hinweise auf einen Fehler von einem der beiden Lokführer. Nach einem Zwischenbericht der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung soll der damals 54-Jährige im Februar zunächst ein Haltesignal überfahren und dann die automatisch eingeleitete Zwangsbremsung ausgehebelt haben. Gegen den Mann, der selbst schwer verletzt wurde, wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

Bei dem Zusammenstoß der beiden S-Bahnen auf der eingleisigen Strecke am 14. Februar südlich von München waren ein 24-Jähriger uns Leben gekommen und zahlreiche Menschen verletzt worden, einige von ihnen schwer. Die Einsatzkräfte hatten damals von 18 Verletzten berichtet, die in Kliniken gekommen seien. In dem Dokument der Bundesstelle ist sogar von zehn Schwer- und 47 Leichtverletzten die Rede.

Die Staatsanwaltschaft hält den Bericht der staatlichen Unfalluntersucher allerdings für nicht so relevant für die strafrechtliche Bewertung. Er sei "nur ein Puzzleteil von vielen", sagte Oberstaatsanwältin Anne Leiding von der Staatsanwaltschaft München I. Die Ermittlungen dauerten an, betonte sie. Ob es zu einer Anklage komme, sei noch unklar.

Trotz Zwangsbremsung weitergefahren

In dem Papier der Bundesstelle heißt es, dass nach bisherigen Erkenntnissen "ein Arbeitsfehler des Triebfahrzeugführers (...) primär ursächlich für den Eintritt der Zugkollision in Ebenhausen-Schäftlarn" gewesen sei. Erst sei der Mann an einem Halt-Signal vorbeigefahren und habe sich auch danach falsch verhalten: "Er beachtete die betrieblichen Regeln nach Erhalt einer Zwangsbremsung durch die punktförmige Zugbeeinflussung (PZB) nicht und setzte die Fahrt unzulässig in Richtung des eingleisigen Streckenabschnittes in Richtung Baierbrunn fort."

Die Behörde verweist auf ähnliche Fälle, die es bereits gab, insbesondere einen Unfall im August 2014 im Mannheimer Hauptbahnhof. Damals gab es vier Schwerverletzte und mehrere Leichtverletzte beim Zusammenstoß eines Güter- und eines Personenzuges. Die bisherigen Maßnahmen zur Vermeidung schwerwiegender Fehlhandlungen des Bahnpersonals seien zwar sinnvoll gewesen, aber nicht ausreichend, folgern die Unfalluntersucher des Bundes.

"Es wird empfohlen, im Sicherheitsmanagementsystem der Eisenbahnen Prozesse zu entwickeln beziehungsweise zu verbessern, mit denen sich die Wirksamkeit der Einhaltung der Regeln nach Eintreten einer PZB-Zwangsbremsung effektiv überprüfen lassen." Die Fahrzeugtechnik sollte auch so erweitert werden, dass Lokführern nach Eintritt einer solchen Zwangsbremsung ein angemessener Zeitraum zum Nachdenken und Handeln bleibe.

Anfang Juni war es in Garmisch-Partenkirchen zu einem weiteren schweren Bahnunglück in Bayern gekommen. Dort war eine Regionalbahn nach München entgleist. Fünf Menschen starben, nahezu 70 wurden verletzt. Die Strecke dort ist bislang weiterhin gesperrt.

Quelle: ntv.de, chl/dpa

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