Nach über 47 Jahren Lottoziehung nicht mehr live im TV

Eine Institution des deutschen Fernsehprogramms steht vor dem Aus: Die seit 1965 laufende Live-Ziehung der Lottozahlen soll ab kommendem Juli nicht mehr ausgestrahlt werden. An der Methode der Ziehung soll sich hingegen nichts ändern.
Die von vielen immer mit Spannung erwartete Ziehung der Lottozahlen wird künftig nicht mehr live im Fernsehen zu sehen sein. Ab Anfang Juli werde es samstags und auch mittwochs keine Live-Übertragungen mehr geben, wie die "Welt am Sonntag" berichtet. Ein Sprecher des Deutschen Lotto- und Totoblocks sagte der Zeitung dazu lediglich, es gebe Gespräche zur Zukunft der Ziehung. Die Ziehung der Lottozahlen am Samstag wurde erstmals im September 1965 live im Fernsehen übertragen und erreichte in der Vergangenheit bis zu fünf Millionen Zuschauer.
Eine Lottosendung soll es dem Bericht zufolge aber weiter geben. Dort sollen allerdings nur noch die Zahlen bekanntgegeben werden. Der Hessische Rundfunk, der die samstägliche Lottosendung produziert, bestätigte der Zeitung, sie solle ins Vorabendprogramm zurückkehren. Im Gespräch sei der Platz zwischen "Sportschau" und "Tagesschau". Diesen Sendeplatz hatten die Lottozahlen früher, seit einigen Jahren laufen sie erst nach dem Spielfilm oder der Unterhaltungsshow, worüber Lottofans sich beschwerten.
Kein Zusammenhang mit Ziehungs-Panne
Am Ziehungsverfahren soll sich laut Bericht nichts ändern. Spekulationen, die Lottozahlen könnten künftig per Computer ermittelt werden, wurden im Umfeld der Lottogesellschaften zurückgewiesen. Es werde weiterhin ein Ziehungsgerät geben, neben mehreren Notaren könnten auch weiterhin interessierte Zuschauer die Ziehung beobachten. Die Aufsichtsbeamten werden von den Lottogesellschaften oder dem Finanz- oder Innenministerium der Bundesländer entsandt, um den ordnungsgemäßen Zustand des Ziehungsgerätes zu prüfen und das Ergebnis anschließend amtlich zu bestätigen.
Einen Zusammenhang zur Panne bei der Ziehung der Lottozahlen Anfang April gebe es bei der Programmänderung nicht, zitierte die Zeitung aus dem Umfeld der Lottogesellschaften. Beim Mittwochslotto Anfang April wurden die Zahlen beim Spiel "6 aus 49" nachträglich für ungültig erklärt; die Ziehung wurde wiederholt. Im ersten Versuch fehlten zwei Kugeln in der Trommel, so dass nur mit 47 statt mit 49 Kugeln gespielt wurde.