Panorama

Größer - dicker - breiterMehr Beinfreiheit im Flieger

18.06.2007, 15:36 Uhr

Weil Flugpassagiere immer größer und dicker werden, plant die europäische Luftsicherheitsbehörde EASA einen Mindestabstand für Sitze. Damit soll der wachsenden Thrombose-Gefahr begegnet werden.

Weil Flugpassagiere immer größer und dicker werden, plant die europäische Luftsicherheitsbehörde EASA einen Mindestabstand für Sitze. Damit soll der wachsenden Thrombose-Gefahr begegnet werden, teilte die EASA am Montag in Köln mit. "Wir rechnen damit, dass schon im nächsten Jahr eine Abstandsregelung kommt", sagte Behördensprecher Daniel Höltgen der "Bild"-Zeitung.

Die Behörde spricht nach eigenen Angaben bereits mit Herstellern über einen Mindestabstand, der bislang zumindest auf deutscher und europäischer Ebene nicht vorgeschrieben ist. Allerdings muss im Notfall eine Maschine innerhalb von 90 Sekunden evakuiert sein, so dass Fluggesellschaften den Abstand nicht unbegrenzt verringern können.

Unter Verweis auf interne Beratungen gab die EASA noch keine Details bekannt. Unklar ist etwa der genaue Abstand und die Frage, ob die Regelungen nur für neue Maschinen oder auch für bereits zugelassene Flugzeuge gelten sollen, wie EASA-Sprecherin Elisabeth Schöffmann sagte. Rücksicht auf die Dauer der Flüge nehme die Behörde nicht. "Wie das Flugzeug eingesetzt wird, ist für uns nicht relevant", betonte die Sprecherin. Die EASA ist für die Neuzulassung von Flugzeugen zuständig.

Studien zufolge steigt das Thrombose-Risiko nach Flugreisen um das Zwei- bis Vierfache, wobei die Gefahr parallel zur Flugdauer steigt. Die genaue Ursache dafür ist zwar unbekannt, Forscher machen aber vor allem die enge Sitzhaltung und den Bewegungsmangel im Flugzeug verantwortlich. Auch der niedrige Luftdruck und Sauerstoffgehalt im Flugzeug könnten eine Rolle spielen.

Dem Luftfahrt-Bundesamt zufolge gibt es vor dem Hintergrund der Thrombose-Gefahr im Moment in verschiedenen Gremien Diskussionen, ob die Forderung nach einem Mindestabstand sinnvoll ist. "Allerdings gibt es noch keine konkreten Ergebnisse", erklärte Sprecherin Cornelia Cramer.

Bei einer Thrombose können sich in den Beinvenen Blutgerinnsel bilden. Löst sich ein Gerinnsel, kann es ein Blutgefäß in der Lunge verstopfen. Diese so genannte Embolie ist lebensgefährlich. Seit den 90er Jahren ist das Problem unter dem Namen "Touristenklasse-Syndrom" bekannt. Fluggesellschaften weisen aber oft darauf hin, dass Passagiere in den gehobenen Klassen ebenfalls betroffen sein können. Wegen des Risikos werden besonders Passagieren auf Interkontinentalflügen regelmäßige Fuß- und Beinübungen empfohlen, ebenso wie lockere Kleidung und ausreichend alkoholfreie Getränke.