Panorama

Kartell überfällt Kleinstadt Mexiko erlebt blutiges Wochenende

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Ein nach der Schießerei in Villa Unión zurückgelassenes Fahrzeug.

(Foto: AP)

Nur wenige Kilometer von der US-Grenze entfernt stürmen bewaffnete Drogenhändler eine mexikanische Kleinstadt. Mehr als eine Stunde liefern sich die Kriminellen ein Feuergefecht mit der Polizei. Später zählen die Behörden 14 Tote. Es ist nicht die einzige Schießerei an dem Wochenende.

Blutiges Wochenende in Mexiko: Bei Schießereien zwischen mutmaßlichen Mitgliedern eines Drogenkartells und Sicherheitskräften im Norden des Landes sind mindestens 21 Menschen ums Leben gekommen. In der Nacht auf Sonntag seien sieben Verdächtige getötet worden, als Einsatzkräfte mutmaßliche Kriminelle verfolgten, teilte die Regierung des Bundesstaates Coahuila mit.

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Bereits am Samstag waren insgesamt 14 Menschen bei heftigen Kämpfen in der Ortschaft Villa Unión getötet worden. Eine bewaffnete Gruppe gab in der Kleinstadt nahe der US-Grenze zunächst Schüsse auf örtliche Verwaltungsgebäude ab, wie der Gouverneur des Bundesstaats Coahuila, Miguel Riquelme Solís, mitteilte. Unter den Toten seien vier Polizisten und zehn mutmaßliche Angreifer, hieß es. Sechs Polizisten seien bei dem Vorfall verletzt worden. Mindestens zwei weitere Menschen gelten als vermisst. Aufnahmen zeigten mit Schusslöchern übersäte Gebäude, darunter auch das Rathaus der Stadt, und Fahrzeuge.

Die Sicherheitskräfte leiteten daraufhin einen Großeinsatz ein und suchten mit Patrouillen am Boden und zwei Hubschraubern nach weiteren Verdächtigen in der Region. Dabei kam es im Morgengrauen zu den erneuten Zusammenstößen mit den sieben Toten. Zudem beschlagnahmten die Einsatzkräfte Autos, Waffen und Munition.

Einstufung als Terrorgruppen?

Mexiko hat seit Jahren ein massives Problem mit Gewaltkriminalität. Im vergangenen Jahr wurden in dem 130-Millionen-Einwohner-Land mehr als 36.000 Morde registriert - also fast 100 pro Tag. Die Gewalt geht zu einem großen Teil auf das Konto von Banden, die in Drogenhandel, Entführungen und Erpressungen verwickelt sind. Die meisten Verbrechen in Mexiko werden nie geahndet.

Erst Anfang November hatten mutmaßliche Angehörige eines Drogenkartells auf einer Landstraße im Norden Mexikos eine mormonische Großfamilie US-amerikanischer Herkunft angegriffen. Sie erschossen sechs Kinder im Alter zwischen acht Monaten und elf Jahren sowie drei Frauen. Weitere Kinder wurden verletzt.

US-Präsident Donald Trump will die mexikanischen Drogenkartelle offenbar als ausländische Terrororganisationen einstufen lassen. Die Einstufung als global agierende Terrororganisation, die bislang beispielsweise dschihadistische Gruppen wie Al-Kaida oder den Islamischen Staat (IS) betrifft, könnte der US-Regierung zusätzliche Möglichkeiten bei der Bekämpfung der Gruppen eröffnen. In der kommenden Woche wird US-Justizminister William Barr zu Gesprächen über die Angelegenheit in Mexiko erwartet.

Vor genau einem Jahr hatte Mexikos linker Präsident Andrés Manuel López Obrador die Regierungsgeschäfte übernommen. Er versprach "Abrazos, no balazos" (Umarmungen, keine Schüsse) und wollte mit Sozialmaßnahmen und Präventionsprogrammen die Kriminalität eindämmen. Tatsächlich dreht sich die Gewaltspirale aber immer weiter, über Teile des Landes hat die Regierung mittlerweile die Kontrolle verloren.

Quelle: n-tv.de, jpe/dpa