Panorama

ChronikEin folgenreicher Skiunfall

16.06.2014, 12:41 Uhr

Michael Schumacher liegt nicht mehr im Koma. Das bestätigt sein Management. Ende Dezember war er bei einem Skiunfall verunglückt. Hier eine Chronologie der Ereignisse.

Michael Schumacher liegt nicht mehr im Koma. Das bestätigt sein Management. Ende Dezember war er bei einem Skiunfall verunglückt. Hier eine Chronologie der Ereignisse.

29. Dezember 2013:

Gegen 11.00 Uhr

Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher stürzt auf einer Skipiste in Meribel in den französischen Alpen. Der 44-jährige prallt dabei mit dem durch einen Helm geschützten Kopf auf einen Fels und erleidet ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Der Helm, so die Ärzte später, rettet ihm in dieser Situation das Leben. Schumacher fuhr etwa drei bis sechs Meter abseits der Pisten in unpräpariertem Gelände. Die Ärzte sprechen später von einem "mächtigen Aufprall" mit "hoher Geschwindigkeit". Dafür sprächen die trotz des Helms erlittenen Verletzungen. Zum Zeitpunkt des Unfalls war Schumachers 14-jähriger Sohn bei ihm, dazu weitere, namentlich nicht benannte Begleiter. Einer der Begleiter alarmierte nach dem Sturz umgehend die Rettungskräfte.

11.50 Uhr

Schumacher wird per Hubschrauber ins Krankenhaus nach Moutiers geflogen.

12.45 Uhr

Weil sich die Verletzungen als lebensbedrohlich erweisen, wird er in die Universitätsklinik Grenoble verlegt, wo er um 13.30 Uhr eintrifft.

Ab 13.30 Uhr

Schumacher wird sofort mehreren Tests unterzogen, dazu gehört auch eine Computer-Tomographie (MRT) des Schädels. Danach wird Schumacher umgehend operiert mit dem Ziel, den durch mehrere Hämatome hervorgerufenen Druck auf das Gehirn zu verringern. Schumachers Körpertemperatur wird bei 34 bis 35 Grad Celsius stabilisiert, um Stimulierungen des Gehirns von außen so gering wie möglich zu halten. Dadurch, sagen die Ärzte, könne das Gehirn stärker mit Sauerstoff versorgt werden. Weitere Operationen sind zunächst nicht geplant. Die Polizeibehörden vor Ort setzen eine Untersuchungskommission ein.

22.00 Uhr

Die Klinik gibt ein erstes medizinisches Bulletin heraus und bestätigt, dass Schumacher ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten habe, das "umgehend eine neurochirurgische Behandlung erforderte". Schumacher befinde sich in einem "kritischen Zustand".

30. Dezember 2013:

Menschen auf der ganzen Welt nehmen Anteil an Schumachers Schicksal. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ist "außerordentlich bestürzt". Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel zeigt sich "schockiert".

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Im CHU Grenoble wurde Schumacher behandelt. (Foto: dpa)

10.55 Uhr

Die Klinik-Leitung und die verantwortlichen Mediziner geben eine erste Pressekonferenz im Krankenhaus in Grenoble. Tenor: Schumacher schwebt weiter in Lebensgefahr, es sei zu früh, eine Prognose über die Überlebenschancen abzugeben. Schumacher werde in einem künstlichen Koma gehalten.

13.00 Uhr

Schumachers Familie bedankt sich bei den Ärzten in Grenoble. "Wir möchten uns beim Ärzteteam bedanken, von dem wir wissen, dass es alles tut, um Michael zu helfen. Außerdem danken wir den vielen Menschen aus der ganzen Welt, die ihr Mitgefühl ausgedrückt und beste Wünsche für Michaels Genesung übermittelt haben", lässt Schumachers Ehefrau Corinna über das Management mitteilen. Schumachers Familie bittet die Medien darum, die Privatsphäre der Angehörigen und Freunde zu achten.

Gegen 22.00 Uhr

Schumacher wird ein zweites Mal operiert. Weil sich sein Zustand leicht verbessert hat, entscheiden die Ärzte, ein großes Hämatom aus dem Gehirn abzulassen. Der zweistündige Eingriff verläuft gut.

31. Dezember 2013:

11.00 Uhr

Zweite Pressekonferenz in der Uni-Klinik Grenoble. Die Ärzte berichten über die zweite Operation und Schumachers leicht verbesserten Zustand. Schumacher schwebe aber weiterhin in Lebensgefahr, die Situation sei lediglich besser unter Kontrolle. Schumacher habe zahlreiche weitere Hämatome im Hirn, eine dritte Operation sei derzeit nicht vorgesehen.

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Schumacher 2001 auf dem Hungaroring. (Foto: Reuters)

12.00 Uhr

Schumachers Managerin Sabine Kehm widerspricht der Darstellung, der Kerpener sei vor dem Unfall mit zu hoher Geschwindigkeit unterwegs gewesen. "Offenbar ist der Helm gebrochen. Das bedeutet nicht, dass Michael mit hoher Geschwindigkeit unterwegs war. Er war nicht allzu schnell", sagt Kehm: "Er hat wohl bei der Schwungauslösung einen Felsen getroffen. Es war eine Verkettung von unglücklichen Umständen."

1. Januar 2014:

Schumachers Managerin Kehm informiert Dutzende von Journalisten und Kamerateams aus aller Welt über den Zustand des Verletzten - der am Neujahrstag unverändert kritisch ist. "Michael wird weiter überwacht und ist stabil", sagt Kehm, die den Status positiv wertet. Es habe sich "nichts verändert hat, schon gar nicht zum Negativen". Schumacher sei "die ganze Nacht über stabil" gewesen, und er sei es nach wie vor. "Das ist für den Moment eine gute Nachricht, aber ich betone: nur für den Moment, weil seine Verletzungen sehr schwer sind", sagt Kehm.

3. Januar 2014:

An Schumachers 45. Geburtstag versammeln sich Hunderte Fans am Krankenhaus und wünschen Ihrem Idol alles Gute. Sie halten im strömenden Regen Plakate mit Aufschriften wie "Alle unsere Gedanken sind bei Dir und Deiner Familie" in die Luft.

20.00 Uhr

Die Nachrichtenagentur AFP meldet, dass die Helmkamera, die Schumacher bei seinem Unfall getragen haben soll, von der Polizei beschlagnahmt wurde. Zudem sollen die Behörden Schumachers Sohn zum Unfallhergang befragt haben.

4. Januar 2014:

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Sieben Mal holte Schumacher den Weltmeistertitel in der Formel 1. (Foto: REUTERS)

Managerin Kehm äußert sich zum Gesundheitszustand des Verunglückten. Dieser sei unverändert "kritisch, wenn auch stabil. Wir betonen ausdrücklich, dass jegliche Information über seinen Gesundheitszustand, die nicht von den behandelnden Ärzten oder seinem Management stammt, nicht valide und reine Spekulation ist." Zudem betont Kehm, dass die Familie den ermittelnden Behörden Schumachers Helmkamera freiwillig übergeben habe.

7. Januar 2014:

Schumachers Ehefrau Corinna appelliert in einem Statement an die internationale Presse für mehr Zurückhaltung in der Berichterstattung über ihren Mann: "Bitte unterstützen Sie uns in unserem gemeinsamen Kampf mit Michael. Es ist mir wichtig, dass Sie die Ärzte und das Krankenhaus entlasten, damit diese in Ruhe arbeiten können - vertrauen Sie bitte deren Statements und verlassen Sie die Klinik. Bitte lassen Sie auch unsere Familie in Ruhe."

8. Januar 2014:

Nach Erkenntnissen der Ermittler ist Schumacher bei seinem Unfall nicht zu schnell gefahren. Sie erklären zudem, dass Skier und Bindung nicht Ursache des Unfalls gewesen waren und die Pistenmarkierung den Normen entsprach.

30. Januar 2014:

Sabine Kehm bestätigt, dass Schumachers Narkosemittel seit kurzem reduziert werden, um ihn in einen Aufwachprozess zu überführen, "der sehr lange dauern kann".

17. Februar 2014:

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Für den Sportler beginnt nun eine lange Phase der Rehabilitation. (Foto: dpa)

Die Staatsanwaltschaft in Albertville stellt die Ermittlungen zum Skiunfall Schumachers ein. Ein Fremdverschulden konnte ausgeschlossen werden, es liege kein "strafbares Verhalten" vor, teilte der zuständige Staatsanwalt Patrick Quincy mit.

16. März 2014:

Sabine Kehm sagt in einem Fernseh-Interview, dass sich Schumacher nach wie vor in der Aufwachphase befinde. Er sei noch nicht aufgewacht. "Wir warten natürlich darauf, aber wir haben gelernt und akzeptieren auch, dass es lange dauern kann. Das ist für uns okay", sagte Kehm.

17. März 2014:

Das Formel-1-Team von Mercedes widmet Michael Schumacher den WM-Auftaktsieg in Australien durch Nico Rosberg. "In Gedanken waren wir am vergangenen Wochenende bei ihm. Er wird weiter kämpfen, wie nur er es kann. Wir senden ihm all unsere Kraft", sagte Motorsportchef Toto Wolff.

26. März 2014:

In einem weiteren Statement verbreitet Managerin Kehm Optimismus über den Gesundheitszustand von Schumacher. "Wir sind und bleiben zuversichtlich, dass Michael da durchgehen und aufwachen wird. Wir kämpfen um ihn gemeinsam mit dem Ärzteteam, dem wir vertrauen", sagte sie.

4. April 2014:

Schumachers Gesundheitszustand zeigt deutliche Anzeichen von Besserung. "Michael macht Fortschritte auf seinem Weg. Er zeigt Momente des Bewusstseins und des Erwachens", schreibt Managerin Sabine Kehm in einem offiziellen Statement: "Wir stehen ihm bei seinem langen und schweren Kampf zur Seite, gemeinsam mit dem Team des Krankenhauses in Grenoble, und wir bleiben zuversichtlich."

16. Juni 2014:

Sabine Kehm teilt mit, dass sich Schumacher nicht mehr im Koma befinde. Er habe das "CHU Grenoble verlassen, um seine lange Phase der Rehabilitation fortzusetzen". Der Dank der Familie gelte "allen behandelnden Ärzten, Pflegern, Schwestern und Therapeuten in Grenoble", ebenso "den Ersthelfern am Unfallort. Für die Zukunft bitten wir um Verständnis, dass seine weitere Rehabilitation außerhalb der Öffentlichkeit erfolgen soll."

Quelle: ntv.de, mli/sid