Moderne Medizinmänner in MalaysiaMit dem Koran Geister austreiben
In Malaysia ist der Glaube an böse Geister weit verbreitet. Doch das Land ist mehrheitlich muslimisch, schwarze Magie also eigentlich verboten. Deswegen beschreiten die modernen Medizinmänner andere Wege - und vertreiben die Dämonen mit Koransuren.
Tagsüber ist Maslan Hakim Computeranalyst und vertraut vor allem seinem Blackberry. Nachts jagt der Malaysier böse Geister und vertraut dem Koran. Der 56-Jährige ist gebildet, in der m odernen Welt verwurzelt und damit Vertreter der neuen Generation malaysischer "Bomohs" oder Wunderheiler, die Exorzismus mithilfe religiöser Verse betreiben.
Zwar ist wie in vielen Teilen Asiens auch in Malaysia der Glaube an das Übernatürliche weit verbreitet. Doch ist das Land in Südostasien mehrheitlich muslimisch, was den Okkultismus eigentlich verbietet. Statt mit Voodoo und schwarzer Magie treiben die m odernen Medizinmänner daher die Geister lieber mit Koransuren aus.
"Das ist kein Zaubertrick"
In T-Shirt und Hosen, mit einem Café Latte und Handy sieht Maslan eher aus wie ein typischer Geschäftsmann. Dabei heilt er als Bomoh seit 30 Jahren Kranke, bricht Flüche und vertreibt das Böse. Im Gegensatz zu seinen nicht-islamischen Kollegen, die die Dämonen - so genannte Jinns - bemühen, hält sich Maslan an das Heilige Buch des Islam: "Es gibt zwei Arten von Jinns, den muslimischen und den nicht-muslimischen", sagt er. "Der schlimmste ist der muslimische, weil die anderen aus dem Körper weichen, wenn ich Passagen aus dem Koran vorlese, aber der muslimische ist immun dagegen. Deshalb muss ich meine telekinetischen Fähigkeiten einsetzen, um den Dämon herauszuziehen."
Maslan behauptet, er sehe Geister, seit er 15 ist. Doch erst bei religiösen Gelehrten habe er seine mentalen Kräfte geschärft und Telekinese erlernt. Dies demonstriert er an einem Tischtennisball, den er mit mentaler Kraft bewegt. "Dies ist kein Zaubertrick", betont er. "Ich vertreibe die Geister, von denen die Menschen besessen sind, mit meiner geistigen Kraft und dem Koran. Meine Erfolgsrate liegt bei fast 100 Prozent und die meisten meiner Kunden werden die Geister oder Flüche los, die sie quälten."
Elixiere gegen "umherstreifende Ehegatten"
Solche Behauptungen scheinen mit dem Islam und den strengen religiösen Autoritäten in Malaysia unvereinbar. Doch die Bomohs werden hier toleriert als Alternative zu den schwarzen Magiern, die mithilfe von geheimnisvollen Formeln, Salben und Zaubertränken noch immer ein lukratives Geschäft machen. In Malaysia sind die Zeitschriften voll mit Anzeigen für "Liebestränke" und Elixiere "gegen umherstreifende Ehegatten" oder "die Rache am Nachbarn".
Nach Angaben der Okkultismusforscherin Asisah Ariffin wird in Malaysia schon lange die schwarze Magie praktiziert. Sie wurde ursprünglich von Naturreligionen abgeleitet und dann vom hinduistischen Glauben verstärkt, bevor der Islam dort Fuß fasste. "Erst in den 1980er Jahren begann die Islamisierung der Bomohs und erst seit kurzem nutzen viele Wunderheiler Koranverse statt Rituale", erklärt Asisah.
Gesetze gegen Wunderheiler gefordert
Der führende islamische Geistliche Mohammad Tamjes Abdul Wahid fordert Gesetze gegen Wunderheiler, die mit Voodoo-Zauber und schwarzer Magie das Böse befördern. "Wir müssen unterscheiden zwischen Bomohs, die mit den Worten des Korans Menschen heilen und jenen, die die Hilfe von Jinns und Geistern zu ihren Gunsten einsetzen", sagt er. Haron Din,Mitglied der konservativen Islamischen Partei PAS und einer der bekanntesten Bomohs Malaysias gehört zum religiösen Establishment des Landes. Vor 30 Jahren eröffnete er vor den Toren Kuala Lumpurs eine Klinik, in der er mit einer Gruppe von Wunderheilern mit Koranversen Dämonen und Geister exorziert. Der Erfolg gibt ihm recht: Noch immer strömen täglich hunderte Hilfesuchende dorthin.