Panorama

"Willkür öffentlich machen" Mollath will Psychiatrie-Opfern helfen

Vor gut einer Woche wurde er aus der Psychiatrie entlassen. Nun hat Gustl Mollath die Gelegenheit, seinen Fall vor einem Millionenpublikum zu präsentieren. Bei seinem ersten Auftritt kritisiert er die bayerische Ministerin Merk und fasst seine Psychiatrie-Eindrücke zusammen.

3deh4541.jpg2901238806250290873.jpg

Gustl Mollath

(Foto: dpa)

Nach seiner Freilassung aus der geschlossenen Psychiatrie hat Gustl Mollath die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) erneut scharf attackiert. "Ich sage es, wie es ist, auch wenn das jetzt unverschämt klingt: Da ist Hopfen und Malz verloren", sagte Mollath in der ARD. Zugleich schloss Mollath nicht aus, sich vor seinem Wiederaufnahmeverfahren psychiatrisch untersuchen zu lassen.

Mollath sagte zum Verhalten von Merk: "Die Statements, die sie vor über einem Jahr abgegeben hat über meine Person und meinen Fall, sind über 180 Grad konträr zu dem, was sie heute zum Besten gibt." Die CSU-Politikerin hatte Mollath früher als gefährlich bezeichnet, sich zuletzt aber für dessen Freilassung ausgesprochen.

Mollath will nun nach eigenen Worten ein Buch veröffentlichen, um seine Erfahrungen zu verarbeiten und anderen Psychiatrie-Patienten zu helfen. "Die vielen Schicksale von anderen, die immer noch in solchen Anstalten sind, diese Unsäglichkeiten, die ich miterleben musste, müssen für einen ordentlichen Menschen Verpflichtung sein, einen Beitrag zu leisten, dass diese Willkür öffentlich wird." Zunächst müsse er sich aber um eine Unterkunft und einen Lebensunterhalt bemühen.

Mollath war siebeneinhalb Jahre gegen seinen Willen in der Psychiatrie untergebracht. Nach einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Nürnberg wurde er vergangene Woche überraschend auf freien Fuß gesetzt. Anlass war, dass nach der Entscheidung des Gerichts der Prozess neu aufgerollt werden muss, der zu Mollaths Einweisung geführt hatte. Mollath soll seine inzwischen von ihm geschiedene Frau gewürgt und angegriffen haben, er bestreitet dies.

Mollath knüpfte eine mögliche psychiatrische Untersuchung vor seinem Verfahren an Bedingungen. "Wenn überhaupt, dann muss ich mir sicher sein können, dass jemand auf wissenschaftlicher Basis objektiv und wahrheitsgemäß tätig sein kann. Dass er sich keinen Beeinflussungen beugt und die Wahrheit feststellt."

Fälschung aus Wiesbaden

Bereits im Juni war ein gefälschter Gerichtsbeschluss aus einer Wiesbadener Anwaltskanzlei gefaxt worden, der die sofortige Entlassung Mollaths vorsah. Die dortige Staatsanwaltschaft bestätigte, dass sie wegen Gefangenenbefreiung, Amtsanmaßung und Urkundenfälschung ermittele. Der Rechtsanwalt werde in dem Verfahren als Zeuge geführt.

Das Fax täuschte einen angeblichen Beschluss des Landgerichts Regensburg vor, wonach Mollath sofort freizulassen sei. Die Forensische Klinik Bayreuth bereitete zeitweise die Entlassung vor, obwohl sie vor der Fälschung gewarnt worden war.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa

Mehr zum Thema