Panorama

Zurück in der Zivilisation Münsterland hat wieder Strom

Nach einem in Deutschland bisher beispiellosen Blackout und bis zu fünf Tagen bangen Wartens ist das Münsterland nun wieder flächendeckend mit Strom versorgt. Lediglich die Bewohner einiger weniger Einzelgehöfte müssten sich noch gedulden, sagte ein Sprecher der RWE Energy AG. Das Unternehmen schätzte die Schäden an eigenen Anlagen auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Für Betroffene werde ein Hilfsfonds über fünf Millionen Euro aufgelegt. Die münsterländische Wirtschaft hatte von mindestens 100 Millionen Euro Produktionsausfällen gesprochen.

Heftige Schneestürme hatten am vergangenen Wochenende 50 Hochspannungsmasten zum Einsturz gebracht und die Stromversorgung für zeitweise 250.000 Menschen unterbrochen. Die Masten hatten nach Berechnungen der RWE teilweise das achtfache Gewicht zu tragen, für das sie eigentlich ausgelegt sind. Die Schäden seien wegen eines Falles von höherer Gewalt nicht versichert.

Weiter Druck auf RWE

Die Landespolitik hat unterdessen ihren Druck auf RWE erhöht. Verbraucherschutzminister Eckhard Uhlenberg (CDU) sagte: "RWE darf sich nicht auf ein hohes Ross setzen und sagen: 'Alles war in Ordnung'." Es müsse einen Interessenausgleich geben. Landes-Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) wandte sich mit einem Katalog kritischer Fragen an den Vorstandsvorsitzenden der RWE Energy AG, Berthold Bonekamp. Sie will unter anderem "schnelle und detaillierte" Informationen zu Alter und Zustand der Anlagen und den Investitionen in den vergangenen Jahren.

Thoben traf sich nach Angaben ihres Ministeriums mit Bonekamp zu einem kurzfristig anberaumten Gespräch. Es sei vereinbart worden, die Vorkommnisse sorgfältig und kritisch aufzuarbeiten, um daraus Verbesserungsvorschläge für die Zukunft abzuleiten. Beide Seiten seien sich einig, dass der Wiederaufbau des Netzes im Vordergrund stehen müsse. Der Bürgermeister der münsterländischen Gemeinde Laer, Hans-Jürgen Schimke, hofft auf Kulanzregelungen: "Wir sind Kunden von RWE und wir haben einiges erleiden müssen", erklärte er.

Härtefallfonds eingerichtet

Vorstandschef Bonekamp kündigte an, einen Härtefallfonds über fünf Millionen Euro einrichten zu wollen. "Uns ist bewusst, dass die durch eine Naturkatastrophe ausgelösten Stromausfälle unsere Kunden zum Teil stark belastet haben", sagte er. Mit den zuständigen Bürgermeistern solle erörtert werden, wie die Hilfe möglichst rasch an besonders Betroffene verteilt werden kann.

Eine rechtliche Verpflichtung zur Haftung schloss Bonekamp erneut aus. Er kündigte eine Schadensanalyse mit externen Gutachtern an und wies Kritik zurück, sein Unternehmen investiere zu wenig in das Leitungsnetz. Jährlich flössen zwei Milliarden Euro in die Anlagen.

Der Leiter des Krisenstabes bei der Bezirksregierung Münster, Alfred Wirtz, wies Kritik am Tempo der Hilfsmaßnahmen zurück. "Wir haben alles in Bewegung gesetzt", sagte er. Die lange Dauer von mehr als fünf Tagen bis zur Wiederherstellung der Stromversorgung begründete er mit der besonderen Siedlungsstruktur des Münsterlandes mit zahlreichen entlegenen Häusergruppen und Gehöften.

Quelle: ntv.de