Panorama

Schnüffelei durch "News of the World" Murdoch schließt Skandal-Blatt

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(Foto: Reuters)

Wegen des immer pikanter werdenden Skandals um abgehörte Handys wird das britische Boulevardblatt "News of the World" eingestellt. Am kommenden Sonntag erscheine die letzte Ausgabe, teilt der Medienunternehmer James Murdoch mit.

Das Medienimperium News Corp von Rupert Murdoch zieht Konsequenzen auf dem ausufernden Abhörskandal beim Boulevard-Blatt "News of the World". Die britische Zeitung werde am Sonntag letztmalig erscheinen, teilte der Konzern mit. Sollten die derzeitigen Vorwürfe wahr sein, handele es sich um ein unmenschliches Verhalten der Journalisten, für die es keinen Platz mehr im Unternehmen gebe. Der zuständige britische Verlag News International erklärte, die Einnahmen aus der am Sonntag verkauften Ausgabe würden einem wohltätigen Zweck gespendet. Zudem würden keine Anzeigen geschaltet.

Die Journalisten sollen Telefone von Anschlagsopfern und gefallenen Soldaten heimlich abgehört haben.

"News of the World" gehört zum Murdoch-Konzern News International. Das Blatt soll unter anderem die Telefone von Prominenten wie beispielsweise Sienna Miller und Mitgliedern des Königshauses angezapft haben, um so an Storys über ihr Privatleben zu kommen. Die Affäre beschäftigt Großbritannien seit Jahren, wegen der illegalen Aktionen wurden 2007 bereits ein Journalist und ein Privatermittler verurteilt.

Vater eines Getöteten entsetzt

In den vergangenen Tagen kamen neue Einzelheiten ans Tageslicht. Journalisten der Zeitung könnten demnach auch Telefongespräche von Angehörigen der Opfer der Terroranschläge auf die Londoner U-Bahn im Jahr 2005 abgehört haben. Graham Foulkes, dessen Sohn David bei den Anschlägen ums Leben kam, sagte der BBC, die Vorstellung, dass seine Anrufe mitgehört worden seien, sei "einfach entsetzlich". Nach Polizeiangaben könnten auch die Handys der Eltern von zwei im Jahr 2002 in Ostengland ermordeten zehnjährigen Mädchen geknackt worden sein.

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Rupert Murdoch bedauert die Vorwürfe.

(Foto: AP)

Zuvor war bereits bekannt geworden, dass im Auftrag der Zeitung 2002 auch das Handy eines verschwundenen und später Murdoch unter Druck geknackt wurde. Journalisten des Blattes hörten die Mailbox der 13-jährigen Milly ab, auf der Eltern und Verwandte immer verzweifeltere Nachrichten hinterließen. Als die Mailbox voll war, sollen die Journalisten sogar einige Nachrichten gelöscht haben, um Platz für neue zu schaffen. Die Eltern und die Polizei hatten dies damals als Zeichen gewertet, dass das verschwundene Mädchen noch am Leben sei. Die Leiche der 13-Jährigen wurde sechs Monate später in einem Wald gefunden.

Premierminister David Cameron hatte am Mittwoch Untersuchungen der Vorwürfe gefordert. Murdoch hatte die Vorwürfe als "bedauerlich und nicht akzeptabel" bezeichnet und beteuert, sein Unternehmen werde bei den Ermittlungen "vollständig und proaktiv" mit der Polizei zusammenarbeiten.

Riesen-Deal wackelt

Die wirtschaftlichen Folgen des Abhörskandals für Murdochs Holding zeichneten sich zudem immer deutlicher ab. Mehr und mehr Firmen zog ihre Anzeigenbuchungen für Murdoch-Publikationen zurück. Darunter sind die Supermarktkette Sainsbury's, die Autohersteller Vauxhall und Mitsubishi und der Reiseanbieter Virgin Holidays.

Außerdem wackelt für das Unternehmen nun ein Milliardendeal. Wie die "Financial Times" meldete, will Kulturminister Jeremy Hunt die politische Entscheidung über die Komplettübernahme der Senderkette BSkyB nun auf September vertagen. Die Labour-Opposition fordert, dass die Entscheidung zu einer Monate dauernden intensiven Prüfung an die Wettbewerbskommission übergeben werden soll. Ursprünglich wollte die Regierung in der nächsten Woche darüber entscheiden, ob der Murdoch-Konzern die Senderkette kaufen darf.

Quelle: n-tv.de, jmü/AFP/rts

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