Kleinstadt erschüttertMutter ertränkt ihre Kinder
Nachbarn äußerten sich fassungslos über die Tat und stellten Kerzen vor dem Eingang zu dem Wohnhaus auf, andere legten Rosen nieder.
Eine fünffache Mutter hat am Freitag in Gersthofen bei Augsburg ihre beiden jüngsten Kinder umgebracht. Die offensichtlich psychisch kranke Frau ertränkte das knapp zwei Jahre alte Mädchen und den fast fünf Monate alten Jungen in der Badewanne. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft leidet die 35-Jährige an Depressionen. Die Ermittlungen zu der Tat stünden aber erst am Anfang, sagte Augsburgs Leitender Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz. Die Frau wurde festgenommen. Nachbarn äußerten sich fassungslos über die Tat und stellten Kerzen vor dem Eingang zu dem Wohnhaus auf, andere legten Rosen nieder.
Nach den bisherigen Ermittlungen hatte die Mutter in den Morgenstunden in ihrer Wohnung die Badewanne mit Wasser gefüllt und unbemerkt von ihrem schlafenden Ehemann und den drei älteren Kindern zuerst ihre Tochter und dann den Jungen ertränkt. Danach soll sie ihren Mann geweckt und ihm von der schrecklichen Tat berichtet haben.
Die sofort alarmierten Notärzte konnten trotz intensiver Wiederbelebungsversuche die beiden Kinder nicht mehr retten. Während der Tat schliefen die anderen Kinder im Alter von vier, sechs und acht Jahren - zwei Mädchen und ein Junge - des aus Kroatien stammenden Ehepaares in ihren Betten. Sie sollen von der Tat ihrer Mutter nichts mitbekommen haben. Die Kinder und der Vater wurden anschließend von einem Kriseninterventionsteam psychologisch betreut.
Bürger erschüttert
Der Bürgermeister von Gersthofen, Siegfried Deffner, reagierte erschüttert auf die Familientragödie in seiner Stadt. Er kam am frühen Nachmittag zu dem Wohnhaus am Stadtrand und sagte, er wisse nicht, wie er mit dem Geschehen umgehen solle. Nachbarn und Passanten versammelten sich schweigend vor dem Haus, in dem sich die Tragödie abspielte. Vor der Eingangstür brannten Kerzen. Nachbarn legten Rosen und Teddybären dazu. Auch sie zeigten sich entsetzt. Keiner habe mit so einem Vorfall gerechnet, es habe sich um eine "ganz normale Familie" gehandelt. Auch Staatsanwalt Nemetz erklärte, die Familie sei bislang strafrechtlich nicht auffällig geworden.
Das ehemalige Bauerndorf Gersthofen nahe Augsburg ist inzwischen zu einer Kleinstadt mit 20.000 Einwohnern geworden. Das 16-Parteien-Wohnhaus, in dem die Kinder getötet wurden, befindet sich in einem Neubaugebiet am Stadtrand. Die Familie wohnt im zweiten Stock. Der Rathauschef zeigte sich besorgt darüber, dass Gersthofen nun wieder in die Schlagzeilen gerate. Jetzt würden wieder Erinnerungen wach an den Faschingsdienstag vor sechs Jahren. Damals war in Gersthofen die zwölfjährige Vanessa von einem als Tod verkleideten 19-Jährigen mit 21 Messerstichen umgebracht worden.