Brief an italienische BehördenHomms Mutter beklagt "Todesurteil"

Sollte Florian Homm in die USA ausgeliefert werden, drohen ihm bis zu 225 Jahren Haft. Kurz vor der Entscheidung der italienischen Behörden schreibt die Mutter des ehemaligen Hedgefondsmanagers einen bösen Brief.
Die Mutter des mutmaßlichen Millionenbetrügers Florian Homm sorgt sich um den Gesundheitszustand ihres Sohnes. In einem zweiseitigen Brief wendete sie sich an das "Hohe Gericht in Rom", die Leitung des Gefängniskrankenhauses und den deutschen Botschafter Roms. Florian Homm leidet unter Multiple Sklerose und sitzt zurzeit in Pisa im Gefängnis. Seine 81-jährige Mutter Maria-Barbara, die selbst an Krebs erkrankt ist, verfasste ihr Schreiben, nachdem sie ihn in der vergangenen Woche besucht hatte. Die Münchner Verlagsgruppe, die im vergangenen Jahr Homms Buch "Kopf, Geld, Jagd" veröffentlicht hatte, brachte den handgeschriebenen Brief in Umlauf.
Darin beklagt Maria-Barbara Homm die "unmenschliche" Behandlung ihres Sohnes. Dieser wiege bei einer Größe von zwei Metern nur noch knapp 70 Kilo und müsse seine Zelle mit drei Schwerkranken teilen. Obwohl er wegen "wegen falscher Ernährung von Woche zu Woche stärker abmagerte, bis er nicht mehr laufen konnte", habe man ihm wochenlang Gehstützen verweigert. Zudem seien dem 54-Jährigen in den vergangenen drei Monaten seine amerikanischen Medikamente vorenthalten worden.
Gegen den Mann aus Oberursel liegt eine Strafanzeige wegen Verschwörung und Betrugs vor. Homm, der früher Großaktionär von Borussia Dortmund, Börsenspekulant und Hedgefondsmanager war, wird vorgeworfen, in großem Stil wertlose Aktien verkauft und Anleger um dreistellige Millionenbeträge geprellt zu haben. Der Finanznachrichtenagentur Bloomberg zufolge soll er für Verluste von Investoren der Hedgefonds-Gesellschaft Absolute Capital Management Ltd in Höhe von 200 Millionen Dollar verantwortlich sein. Die US-Börsenaufsicht SEC verlangt von ihm daher umgerechnet rund 45 Millionen Euro.
"Gott möge Ihnen verzeihen"
Die Ermittler hatten fünf Jahre nach Homm gesucht, bevor sie ihn im März 2013 während eines Museumsbesuchs in Italien verhafteten. Zuletzt gab das oberste italienische Berufungsgericht bekannt, dass er trotz seines Gesundheitszustands an die USA ausgeliefert werden könne. Einem Gutachter zufolge befindet sich seine Krankheit in einem leichten bis mittleren Stadium. Die USA hatten ein Auslieferungsersuchen gestellt. Dort drohen Homm bis zu 225 Jahre Haft. Laut stern.de will dessen Anwalt Mario Zanchetti nun vor den Europäischen Gerichtshof ziehen.
Eine Überführung ihres Sohnes will auch Homms Mutter unbedingt verhindern. Für sie käme eine Auslieferung "in seinem jetzigen Zustand" einem Todesurteil gleich. Weiter beklagt die 81-Jährige, dass seine Verlegung in eine Spezialklinik abgelehnt worden sei. Umso verbitterter sind die Worte, mit denen sie ihren Brief beschließt: "Gott möge Ihnen verzeihen, ich kann es nicht!".
Dem Auswärtigen Amt ist das Schreiben bekannt. Eine Sprecherin bestätigte n-tv.de, dass Homm konsularisch betreut werde. Im Hinblick auf seine mögliche Auslieferung stehe man in Kontakt mit den italienischen Behörden.