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Nur die Hakenkreuze kommen runter Nazi-Café in Indonesien sorgt für Empörung

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Die Symbole und Bilder sollen alleine dekorativen Zwecken dienen.

(Foto: picture alliance / dpa)

In einem indonesischen Café, mit Hakenkreuzen, Hitlerbildern und anderen NS-Symbolen dekoriert, wird der Zweite Weltkrieg verharmlost. Nach massiver Kritik und Todesdrohungen schließt der Besitzer den Laden nun. Er will das Café an anderer Stelle neu eröffnen - und Porträts von Hitler sollen sowieso hängen bleiben.

Kellner in SS-Uniformen servieren Bier und Schnitzel, an der blutroten Wand hängt ein Hitler-Bild, Hakenkreuze überall. 2011 eröffnete Henry Mulyana in der indonesischen Stadt Bandung sein Lokal mit dem deutschen Namen "Soldatenkaffee", in dem er mit NS-Memorabilien in- und ausländische Gäste anlockte. Das Geschäft lief gut, die Lokalpresse druckte wohlwollende Kritiken, niemand schien Anstoß zu nehmen. Erst als die englischsprachige Zeitung "Jakarta Globe" vor Kurzem über das Nazi-Café berichtete, brach ein Sturm der Entrüstung los.

"Die Stadt Bandung wird es nicht zulassen, dass jemand zu Rassenhass anstachelt", sagte Vize-Bürgermeister Ayi Vivananda und bestellte Mulyana jüngst ins Rathaus ein. "Ich verehre Hitler nicht, ich bin nur verrückt nach soldatischer Ausrüstung", rechtfertigt sich Mulyana. Uniformen und Hakenkreuzfahnen seien nichts als Dekoration. Auch Feldflaschen, Gasmasken und Bajonette gehören zu Mulyanas Sammlung, die er im Café ausstellt. Das meiste davon hat sich der 35-Jährige übers Internet besorgt. "Die Sachen mit Hakenkreuz sind die wertvolleren", erklärt er.

Indonesier "kümmert es nicht wirklich"

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"Nichts als Dekoration"

(Foto: AP)

"Wir leben in Indonesien und Indonesier wurden nicht im Holocaust gequält, deshalb kümmert uns das nicht wirklich", sagt Arya Setya, der für eine Bergbaugesellschaft arbeitet und mit seiner Freundin vergangene Woche auf einen Teller Nudeln im "Soldatenkaffee" war. Auch westliche Ausländer, unter ihnen einige Deutsche, zählten zu seinen Gästen, sagt Besitzer Mulyana. Auf der Facebook-Seite des "Soldatenkaffees" posiert einer von ihnen im roten Hakenkreuz-T-Shirt zusammen mit gleich gekleideten Indonesiern für ein Foto.

Um noch mehr Ausländer anzusprechen, plante Mulyana ein weiteres Lokal auf der Ferieninsel Bali. Doch jüdische Gemeinden und Organisationen auf der ganzen Welt reagierten entsetzt auf die Berichte über das Café in Bandung. "Wir erwarten, dass alle angemessenen Maßnahmen ergriffen werden, diesen Betrieb zu schließen, der eine Ideologie des Völkermords feiert", schrieb Rabbi Abraham Cooper vom Simon-Wiesenthal-Zentrum in Los Angeles.

Mulyana leugnet den Holocaust nicht. Aus der Tragödie ein Tabu zu machen, sei jedoch heuchlerisch, sagt er. "Wenn es um Menschlichkeit geht, warum tun sie dann nichts gegen die jetzigen Kriege wie in Afghanistan?"

Viele Indonesier wissen nichts vom Holocaust

90 Prozent der 240 Millionen Indonesier bezeichnen sich selbst als Muslime, es gibt nur noch eine einzige Synagoge im Land mit einer winzigen jüdischen Gemeinde. Den meisten Indonesiern sei nicht klar, was der Holocaust bedeute, sagt der Historiker Asvi Warman Adam vom indonesischen Institut für Wissenschaften und macht dafür das Bildungssystem verantwortlich. "Kritik an den Nazis und am Faschismus ist in Indonesien kaum zu hören, Hitlers 'Mein Kampf' wurde ins Indonesische übersetzt und ist oft ausverkauft."

Islamische Hardliner störten sich wohl kaum an dem Nazi-Café, sagt der Historiker. "Aber wenn ein Café zum Thema Judentum eröffnen würde, gingen sie wahrscheinlich dagegen auf die Straße."

"Todesdrohungen von Anwohnern und Ausländern"

Der Protest gegen das "Soldatenkaffee" hat Mulyana nun aber bewogen, das Lokal vorübergehend zu schließen. "Ich habe zahllose Anrufe und Todesdrohungen von Anwohnern und Ausländern erhalten", sagt er.

Über seinen Anwalt ließ er mitteilen, dass er das Café umgestalten und an einem anderen Ort der Stadt neu eröffnen werde - ohne Hakenkreuze. Es solle nicht mehr nur um Deutschland zu Zeiten des Nationalsozialismus gehen, sondern um den Zweiten Weltkrieg im Allgemeinen, sagte der Anwalt Rohman Hisayat. "Es gibt dann nicht nur Fotos von Hitler, sondern auch von Winston Churchill und indonesischen Helden."

Quelle: n-tv.de, Presi Mandari, AFP

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