Panorama

Erste große RetrospektiveNeo Rauch feiert 50. Geburtstag

18.04.2010, 15:41 Uhr

Ein schöneres Geschenk zum goldenen Jubiläum kann es für einen Maler nicht geben: Neo Rauch eröffnet anlässlich seines 50. Geburtstag in seiner Heimatstadt Leipzig die erste große Retrospektive.

Zum 50. Geburtstag des Malers Neo Rauch ist am Sonntag in Leipzig in Anwesenheit des Künstlers eine große Ausstellung eröffnet worden. Die meist großformatigen Werke im Bildermuseum seiner Heimatstadt geben einen Einblick in 17 Jahre Schaffenszeit.

"Keine Bange", sagte der Maler, der mit seiner Frau Rosa Loy anwesend war. "Der Marathon der Reden neigt sich dem Ende zu. Ich sehe mich dennoch genötigt, trotz des Sprunges durch die Null, Sie willkommen zu heißen, auch wenn Sie davon heute nicht viel haben werden, weil Sie so zahlreich erschienen sind." Mehr als 500 Gäste und Besucher kamen in das Museum der Bildenden Künste.

Vom 19. April an ist der zweite Teil der Schau "Neo Rauch.Begleiter" in der Münchener Pinakothek der Moderne zugänglich. In beiden Museen werden je 60 meist großformatige Werke gezeigt, einige zum ersten Mal. "Beide haben den Anspruch, dass jede Ausstellung in sich stimmig ist", sagte Museumsdirektor Hans-Werner Schmidt. "Den Rauch'schen Kosmos kann man nur erschließen, wenn man beide Häuser besucht." Das jüngste unter den Bildern der vergangenen 17 Jahre heißt "Bergfest". Die Doppel-Schau ist bis 15. August zu sehen.

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... und "Morgenrot". (Foto: AP)

Der 50-Jährige habe kräftig in seinen Geburtstag hineingefeiert, verriet der Museumschef, der den Rang seines Hauses oft mit dem New Yorker Museum of Modern Art vergleicht: "Bis sechs Uhr getanzt und um elf pünktlich wieder hier". Er fühle sich "geistig zwischen 60 und 70 und physisch 20" Jahre, stellt der Künstler fest, die Hände und die Stirn gegen das Sonnenlicht zusammengefaltet. Das weiße Hemd trägt er locker aufgeknöpft.

"Reiben, aber kein Feuerwerk bilden"

Rauch ist einer der international gefragtesten Maler der Gegenwart und Mitbegründer der Kunstrichtung Neue Leipziger Schule. Sie kombiniert abstrakte Elemente mit surrealen Motiven. Rauch habe für seine eigentümliche Bildsprache mehr als 20 Jahre gebraucht, "figurative Malerei mit Anklängen von Werbemalerei und amerikanischem Comic", hatte er bei der Eröffnung einer Schau in der Deutschen Botschaft in London im vergangenen Herbst gesagt. Beim Meditieren sei ihm ein grünes Fabelwesen erschienen. "Dieser Unterholzbewohner kommt aus dem Bereich der Lichtungen und Dickichte, ein Pfadfinder, der auch Verlockungen ausspricht, ein Orter - wenn man es rückwärts liest: Retro; ein Vorwurf, dem ich mich immer ausgesetzt sah."

Der Maler wurde am 18. April 1960 in Leipzig geboren. Seine Eltern starben kurz nach seiner Geburt bei einem Zugunfall; er wuchs bei den Großeltern in Aschersleben (Sachsen-Anhalt) auf. Der Maler ist in sich gekehrt. Er selbst beobachtete an seinem Ehrentag eine "innere Ruhe" bei sich, obwohl er angesichts der Aufmerksamkeit fahrig und nervös wirkte. Der Malerstar mied in den vergangenen Jahren die Öffentlichkeit. "Ich muss mich zurückziehen, ich will ja nicht der Boris Becker der Kunstszene werden", hatte er 2007 bei der Präsentation seiner drei Elisabeth-Fenster im Naumburger Dom gesagt.

"Ich kann mich wundreiben an Widerständen, kann mich aber auch daran aufrichten", sagt der frühere Student von Bernhard Heisig und Arno Rink an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Vor allem die Farben sollten sich "reiben, aber kein Feuerwerk bilden - ein bisschen Erotik, keine offene Pornografie".

Quelle: dpa