Panorama

Minister stützt Polizei Neuer Anlauf zur Rettung der "Fusion"

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Bild vom Fusion Festival in Lärz 2016 mit rund 70.000 Besuchern.

(Foto: imago images / Frank Brexel)

In wenigen Wochen wollen wieder Zehntausende Festival-Jünger zur "Fusion" in Lärz einfallen. Doch bislang ist das Event nicht genehmigt. Es geht um die Frage, wann, wie und wo die Polizei präsent sein soll. Die Fronten sind inzwischen verhärtet. Und die Zeit drängt.

In der Debatte über Polizeipräsenz beim "Fusion"-Festival stellt sich Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier an die Seite der Polizei. "Dem Minister sind die Einschätzungen und Forderungen zum Sicherheitskonzept bekannt und er teilt diese", sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Sie erschienen angesichts des Unglücks bei der Love Parade in Duisburg 2010 geradezu angemessen. Derweil plädierte die Linke für eine "minimalinvasive Sicherheitslösung". Einen entsprechenden Antrag werde die Fraktion für die nächste Landtagssitzung einreichen, sagte die Abgeordnete Eva-Maria Kröger.

Die Organisatoren des seit 1997 auf einem ehemaligen russischen Militärflugplatz in Lärz (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) veranstalteten Musik- und Kunstfestivals und die Genehmigungsbehörden haben für kommende Woche weitere Gespräche vereinbart. Eine Entscheidung über das bereits ausverkaufte "Fusion"-Festival 2019, zu dem vom 26. bis 30. Juni rund 70.000 Menschen erwartet werden, soll nach dem 16. Mai fallen. Der Veranstalter Kulturkosmos hofft auf eine Einigung, schloss aber nicht aus, die Auseinandersetzung vor Gericht fortzusetzen.

Caffier: Auch für "Fusion" gelten Regeln

Auslöser des Streits sind Forderungen von Neubrandenburgs Polizeipräsident Nils Hoffmann-Ritterbusch. Dieser verlangt eine eigene Wache auf dem privaten Festivalgelände. Außerdem fordert er die Möglichkeit "anlassloser Streifen" auf dem Areal. Das lehnen die Veranstalter strikt ab - zumal die Polizei selbst in der Vergangenheit immer wieder betont hatte, dass auf den Festivals noch nie etwas Ernsthaftes passiert sei - weder auf dem Gelände selbst noch auf den An- und Abfahrtsstrecken.

Das Amt, der Landkreis und das Polizeipräsidium seien gesprächsbereit und arbeiteten konstruktiv an einer gemeinsamen Lösung, betonte Caffiers Sprecher. Gleichzeitig verwies er auf die 2018 in Kraft getretene Versammlungsstättenverordnung. Die "Fusion" habe einen festen Platz in Mecklenburg-Vorpommern und solle ihn auch behalten, betonte er. "Aber auch für die 'Fusion' gelten die üblichen Genehmigungsvoraussetzungen."

Sorge um "Flurschaden"

Die Stellungnahme der Polizei sei im Übrigen nur eine von vielen. Sie basiere auf fachlichen Erwägungen zum Schutz der "Fusion"-Teilnehmer und zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit. Laut Linke haben die Veranstalter signalisiert, alle anderen Auflagen zu erfüllen und Mängel am Sicherheitskonzept zu beseitigen. Das Festival sei ein kultureller Freiraum, in dem in den vergangenen mehr als 20 Jahren bewiesen worden sei, dass 70.000 Menschen vier Tage miteinander friedlich und ohne permanente Kontrolle der Ordnungsbehörden feiern könnten.

Rückendeckung bekamen die Veranstalter bereits vom Bürgermeister der angrenzenden Stadt Mirow, Henry Tesch. Der CDU-Politiker warnte davor, dass Kultur und Strukturen auf diese Weise kaputt gemacht würden. "Diese Diskussion hat der Polizeipräsident zu verantworten. Das ist nichts, was die Region will." Die Probleme seien zu lösen, wenn die Polizei wie bisher nur "anlass- und situationsbedingt" kontrolliere. Das Festival sei auch eine Wirtschaftsgröße. Tesch befürchtet einen "Flurschaden" durch den Streit.

Quelle: jwu/dpa