Panorama

Nofretete ist zurückNeues Museum in Berlin öffnet wieder

15.10.2009, 13:02 Uhr

Nach 70 Jahren wird das Museum wiedereröffnet. Die berühmte Büste der ägyptischen Königin ist im Nordkuppelsaal zu sehen. Die aufwändige Renovierung kostete rund 200 Millionen Euro.

Sie ist so rätselhaft wie schön - Nofretete, Hauptgemahlin des Pharao Echnaton. 1913 kam ihre Büste unter mysteriösen Umständen nach Deutschland. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs residierte sie im Neuen Museum auf der Berliner Museumsinsel. Dann musste sie umziehen. Um die Sammlungen vor Bombardierungen zu schützen, wurde das Museum 1939 geschlossen, die Exponate aus dem später tatsächlich schwer beschädigten Gebäude ausgelagert. Nun ist Nofretete zurück. Nach 70 Jahren wird das Neue Museum am Freitag feierlich wiedereröffnet, die weltberühmte Büste der ägyptischen Königin ist im Nordkuppelsaal ausgestellt.

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Nach der feierlichen Übergabe kann das Publikum die ägyptische Sammlung mit der Büste der Königin Nofretete ... (Foto: dpa)

Der Wiedereröffnung ging eine aufwändige Renovierung nach Entwürfen des britischen Architekten David Chipperfield voraus. Rund 200 Millionen Euro kostete die Umgestaltung mit behutsamer Hand, denn Geschichte, Denkmalpflege und Kunst sollten verbunden werden. Das Ergebnis ist so interessant, dass das Museum bereits im März dieses Jahres für zwei Tage öffnete - ohne Exponate. 35.000 Besucher kamen, nur um zu sehen, wie Chipperfield den klassizistischen Bau des Schinkel-Schülers Friedrich August Schüler mit der kargen Strenge moderner Bauten verbunden hat.

Unverputzte Wände

Chipperfield ließ die Kriegsschäden sichtbar bleiben. Die Eingangshalle, einst ein Prachtraum des Museums, ist heute ein Mahnmal für den Krieg: Die Wände sind unverputzt, der nackte Backstein blickt dem Besucher entgegen, unter der hohen Decke hat Chipperfield dunkle Balken eingezogen.

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... sowie das Museum für Vor- und Frühgeschichte besuchen. Die Presse durfte bereits einen ersten Blick werfen. (Foto: dpa)

Der Bau wird Sammlungen zusammenführen, die seit dem Zweiten Weltkrieg über Museen im West- und Ostteil Berlins verstreut waren: Das Ägyptische Museum und die Papyrussammlung, das Museum für Vor- und Frühgeschichte sowie die Antikensammlungen werden nicht nur räumlich vereint, sondern auch inhaltlich aufeinander bezogen. "So wird die Entwicklung der vor- und frühzeitlichen Kulturen der Alten Welt vom Vorderen Orient bis zum Atlantik, von Nordafrika bis Skandinavien in einer noch nie da gewesenen Breite und Fülle nachvollziehbar", erklärt das Museum euphorisch zur Eröffnung.

Fertigstellung bis 2015

Mit dem Neuen Museum hat die Berliner Museumsinsel das dritte von insgesamt fünf Gebäuden restauriert. Der Entwicklung des gesamten Museumsareals mitsamt einem neuen Eingangsgebäude liegt ein Masterplan zugrunde, der eine Fertigstellung aller Arbeiten bis 2015 vorsieht. Die Renovierung der Alten Nationalgalerie machte 2001 den Anfang, 2006 folgte das Bode-Museum. Nun bleiben noch Pergamonmuseum und Altes Museum, die aber im laufenden Betrieb saniert werden. Zum Wochenende wird die Museumsinsel, die 1999 zum Weltkulturerbe erklärt wurde, wieder tausende Menschen anziehen. Am Samstag und Sonntag können sie Nofretete sogar kostenlos besuchen. Die Eröffnungstage sind im Neuen Museum eintrittsfrei.

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Die schöne Büste kann man dann auch kaufen - zumindest als Replik im Museumsladen. (Foto: REUTERS)

Möglicherweise werden die Besucher dann auch bedenken, dass die schöne Ägypterin in ihrer Heimat vermisst wird und vielleicht irgendwann die Heimreise antreten könnte. Der Chef der ägyptischen Antiquitätenverwaltung, Sahi Hawass, setzte erst vor wenigen Tagen die Rückgabe fünf antiker Fresken aus dem Louvre durch, die in den 80er Jahren gestohlen und später von dem Pariser Museum gekauft worden waren. Dem "Kölner Stadt-Anzeiger" vom Donnerstag sagte Hawass, seine Behörde prüfe auch, wie Nofretete Anfang des 20. Jahrhunderts nach Deutschland kam. "Wenn sie Ägypten illegal verlassen hat, wovon ich überzeugt bin, werde ich sie von Deutschland offiziell zurückfordern."

Quelle: Mechthild Henneke, AFP