Panorama

Königin Emma Tallulah?Norwegen in Aufruhr

22.01.2009, 13:35 Uhr

Seltsame Kindernamen, die Ankündigung einer Vendetta, Streit um den Wert einer Ferienhütte: Norwegens Prinzen- und Prinzessinnen-Generation sammelt derzeit wenig Pluspunkte für die Monarchie.

Streit um schnöden Mammon vor Gericht, Kopfschütteln über seltsame Kindernamen und die nicht minder bizarre Ankündigung eines "Rachefeldzuges": Norwegens Prinzen- und Prinzessinnen-Generation sammelt derzeit wenig Pluspunkte für die Monarchie. Während Prinzessin Mette-Marit und Kronprinz Haakon dabei eher unschuldig über immer neue Probleme aus Mette-Marits bürgerlichem Elternhaus stolpern, sorgen Prinzessin Märtha Louise und ihr Ehemann Ari Behn höchst aktiv selbst für Ärger.

So, als sie diese Woche den exotischen Namen ihrer dritten Tochter veröffentlichten. "Zwar steht sie nicht ganz vorn in der Thronfolge. Aber wir haben ab sofort doch das Risiko, dass Norwegen eine Königin Emma Tallulah bekommt", meinte der schon etwas betagte Sprachforscher Finn-Erik Vinje. Im ehrwürdigen Königshaus mit Wikinger-Tradition gilt eigentlich bisher das ungeschriebene Gesetz, neugeborenen Royals Namen mit nordischem Bezug zu geben. Tallulah aber bedeutet "rinnendes Wasser" in der Sprache des fernen Indianerstammes der Choctaw.

Behn kündigt Vendetta an

Emma Tallulahs Vater Behn, als Schriftsteller immer gut für bemerkenswerte öffentliche Auftritte, fertigte die Kritik als "fremdenfeindlich" ab und kündigte in einer TV-Talkshow frohgemut eine "Vendetta" gegen Norwegens größte Illustrierte wegen verdrehter Zitate an. Vendettas kennt man gemeinhin als blutige Rachefeldzüge zwischen verfeindeten Familien. Das dürfte kaum der Stil sein, den die norwegischen Monarchisten von ihrer Königsfamilie erwarten.

Ohnehin stehen Behn und Märtha-Louise, die Tochter von König Harald V. seit Jahren immer wieder in der Kritik, weil sie ihren royalen Bekanntheitsgrad systematisch und umfassend für kommerzielle Zwecke ausnutzen. Behn als Schriftsteller und Märtha Louise als "Kulturvermittlerin", die gutgläubiger Kundschaft gegen Gebühr persönliche Begegnungen mit "Engeln" versprochen hat.

Probleme in Mette-Marits bürgerlichem Elternhaus

Märthas Louises Bruder Haakon pflegt mit der wie Behn aus einer bürgerlichen Familie eingeheirateten Prinzessin Mette-Marit einen markant zurückhaltenden Stil. Das hat das Paar wegen immer neuer Probleme in Mette-Marits Elternhaus aus dem südnorwegischen Kristiansand nicht vor unangenehmer Aufmerksamkeit bewahrt. Am Tag der Taufe von Emma Tallulah meldete die norwegische Presse einen hässlichen Erbschaftsstreit zwischen Mette-Marits Mutter Marit Tjessem und zwei Stiefsöhnen aus ihrer zweiten Ehe. Mit harten Bandagen und jetzt auch vor Gericht kämpfen beide Seiten um das Besitzrecht und den Wert einer Ferienhütte.

In den Jahren zuvor hatte Mette-Marits biologischer Vater Sven Hiby immer wieder für Aufsehen und Ärger gesorgt. Mal verdingte sich der letztes Jahr gestorbene Norweger als Lockvogel für Privatfotos von seiner Tochter bei Paparazzi, mal trat er als Amateursänger mit einer Stripperin auf und ließ eine Hochzeit für Fotozwecke arrangieren. Ein Bruder der Prinzessin ist wegen Misshandlung seiner Ex-Frau vorbestraft und macht inzwischen auch Schlagzeilen wegen zweifelhafter Immobiliengeschäfte.

Thomas Borchert, dpa