Panorama

Säure in die Augen Opfer wird Peiniger blenden

Sechseinhalb Jahre nach einem Säure-Attentat, bei dem sie erblindete, will die Iranerin Ameneh Bahrami dem Täter das gleiche Leid zufügen. Der Mann soll am Samstagmittag in Teheran mit Säure geblendet werden. Die Frau hatte vor Gericht erstritten, dass sie ihren Peiniger nach dem Prinzip Auge um Auge bestrafen kann. Er sitzt wegen der Tat bereits im Gefängnis. Ameneh Bahrami, die seit längerem in Spanien lebt, war zur Vollstreckung des Gerichtsbeschlusses in den Iran gereist.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte die iranischen Behörden auf, die Bestrafung zu unterbinden. Die Vollstreckung des Urteils müsse verhindert werden, heißt es in einer in London verbreiteten Stellungnahme von Amnesty. "Es ist unglaublich, dass die iranischen Behörden solch eine Bestrafung in Erwägung ziehen", sagte Hassiba Hadj Sahraoui, stellvertretender Direktor des Nahost- und Nordafrikaprogrammes. Blendung mit Säure sei inhuman und grausam bis hin zur Folter. Die iranischen Behörden hätten eine Verantwortung unter internationalem Recht, dies zu verhindern.

Gefühle zurückgewiesen

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Ameneh Bahrami zeigt Bilder von sich aus der Vergangenheit.

(Foto: dpa)

"Das wird für mich nicht nur eine Genugtuung für all das Leid, das mir angetan wurde, sondern auch eine Initiative, um Täter vor solchen Aktionen abzuschrecken", sagte dagegen die 32-Jährige in einer Presseerklärung, die die Nachrichtenagentur ISNA verbreitete. Ein damaliger Verehrer und Mitstudent, Madschid Mowahedi, hatte Bahrami im November 2004 Schwefelsäure ins Gesicht geschüttet. Grund war ihre Zurückweisung seiner Gefühle. Trotz zahlreicher Operationen ist ihr Gesicht weiter verunstaltet, die Haut ist narbig und gespannt.

Nach islamischen Gesetzen gibt es das Auge-um-Auge-Prinzip, das dem Opfer erlaubt, dem Täter das gleiche Leiden zuzufügen. Nach dem Gerichtsurteil darf sie dem Attentäter in einem Krankenhaus mit einer Pipette Säure in die Augen träufeln. Er soll dabei betäubt werden.

Offen ist, ob sie das Urteil selbst ausführen oder - wegen ihrer Blindheit - ein Familienmitglied die Blendung übernehmen soll. Nach Angaben des mvg-Verlags in München möchte die Frau es aber selbst tun. In dem Verlag ist die Geschichte Ameneh Bahramis erschienen.

"Es muss sein"

Der Fall und die Entscheidung des Gerichts aus dem Jahr 2008 hatten weltweit für Aufsehen gesorgt. Auch iranische Stellen hatten versucht, das Opfer umzustimmen und dazu zu bewegen, auf die Vollstreckung zu verzichten. Ameneh Bahrami selbst sagte nach Angaben von ISNA jetzt: "Es muss sein, nicht nur meinetwegen, sondern auch um solchen grausamen Aktionen ein Ende zu setzen, damit andere Frauen nicht das gleiche Schicksal erleiden wie ich."

Der deutsche Orient-Experte Gunter Mulack bezeichnete das geplante Vorgehen als aus unserer Sicht "antiquiert" und "unverständlich". Es sei zwar "gedeckt durch archaische Prinzipien des islamischen Rechts, der Scharia", sagte der Leiter des Deutschen Orient-Instituts in Berlin. Aber auch im arabischen Raum sei die Umsetzung solcher Richtersprüche zur Ausnahme geworden. Derartige Urteile könnten zum Beispiel durch Geldzahlungen ersetzt werden.

Quelle: n-tv.de, dpa