Panorama

Kutter gekapertPiraten greifen Tanker an

21.04.2008, 19:07 Uhr

Gut zwei Wochen nach der Kaperung einer französischen Luxusjacht haben Seeräuber vor der Küste Somalias einen spanischen Fischkutter mit 26 Menschen an Bord in ihre Gewalt gebracht und einen japanischen Öltanker angegriffen.

Gleich zweimal innerhalb von 24 Stunden schlugen Piraten zu: Gut zwei Wochen nach der Kaperung einer französischen Luxusjacht haben Seeräuber vor der Küste Somalias einen spanischen Fischkutter mit 26 Menschen an Bord in ihre Gewalt gebracht und einen japanischen Öltanker angegriffen.

Die Fischer an Bord der "Playa de Bakio" hatten gerade ihre Essenspause, als ihr Schiff plötzlich mit Granaten beschossen wurde. Vier bewaffnete Piraten stürmten an Bord. Sie zwangen die Besatzung nach Medienberichten, Kurs auf das somalische Festland zu nehmen.

Die Seeräuber verlangten ein Lösegeld für die Freilassung der Fischer, nannten zunächst aber keine konkrete Summe. Der Kapitän des Kutters, Amadeo Alvarez (55), sagte in einem kurzen Funkgespräch mit dem spanischen Radiosender RNE: "Wir sind alle wohlauf. Im Augenblick gibt es keine Probleme." Der aus dem Baskenland stammende Kutter war 250 Seemeilen (450 Kilometer) vor der Küste Ostafrikas in internationalen Gewässern auf Thunfischfang gewesen. Die spanische Regierung setzte ein Krisenkomitee zur Befreiung der Fischer ein. 13 der gekidnappten Seeleute stammen aus Spanien, die anderen aus Ghana, Madagaskar, Senegal und den Seychellen.

Öltanker angegriffen

Keine 24 Stunden nach der Kaperung attackierte eine zweite Gruppe somalische Seeräuber einen japanischen Öltanker im Golf von Aden. Ihr Versuch, an Bord der "Takayama" zu gelangen, scheiterte jedoch. Nach Angaben der Reederei Nippon Yusen KK wurde der Tanker von einer Rakete getroffen, die von einem kleinen Schiff abgefeuert worden war. Der Tanker verlor Treibstoff, konnte seine Fahrt in Richtung Saudi-Arabien jedoch fortsetzen.

Als es den Piraten nicht gelang, das Schiff zu entern, hätten sie die Rakete abgefeuert, hieß es. Von den 23 Besatzungsmitgliedern - 16 Seeleute von den Philippinen und sieben Japaner - sei niemand verletzt worden.

Bundeswehr hilft Öltanker

Auf einen Notruf der "Takayama" hin habe die vor Somalia kreuzende Fregatte "Emden" der Bundesmarine dem Tanker gegen die Piraten geholfen, teilte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam mit. Als der Helikopter am Ort des Geschehens eintraf, seien die Piraten schon auf und davon gewesen. In diesem Fall habe die bloße "Drohgebärde" genügt, meinte der Bundeswehr-Sprecher.

Die staatliche jemenitische Nachrichtenagentur SABA hatte hingegen berichtet, die Küstenwache des Landes sei der Besatzung zu Hilfe gekommen. "Die Einsatzkräfte der Küstenwache konnten etwa 90 Seemeilen südlich von Mukalla einen japanischen Öltanker aus der Gewalt von somalischen Piraten befreien", meldete SABA.

Spanien schickt Fregatte nach Somalia

Derweil nahmen spanische Diplomaten von Nairobi in Kenia aus Kontakte zu somalischen Führern auf, um eine Freilassung der 26 Fischer zu erreichen. Zugleich kommandierte das Madrider Verteidigungsministerium eine Fregatte aus dem Roten Meer in das Seegebiet vor der somalischen Küste ab.

Der spanische Kutter wurde beim Granatenbeschuss der Piraten beschädigt, blieb aber seetüchtig. Einer der Seeräuber sagte dem Sender RNE, er und seine Komplizen gehörten einer somalischen Clan- Miliz an, die unter Finanzproblemen leide. Wenn die Spanier ein Lösegeld zahlten, werde es "keine Probleme" geben.

Die Küste vor Somalia und generell der Golf von Aden sind berüchtigt für Piratenüberfälle. Am 4. April hatten vor dem Horn von Afrika Seeräuber die französische Luxusjacht "Le Ponant" geentert. Die Geiseln kamen eine Woche später gegen Zahlung eines Lösegeldes frei. Kurz nach der Übergabe nahmen französische Soldaten sechs Verdächtige in Somalia fest.

Somalische Piraten sind zumeist mit Gewehren, Panzerfäusten und Granatwerfern bewaffnet. Sie bringen die von ihnen gekaperten Schiffe normalerweise in die Küstengewässer ihres Landes. Dort stellen sie dann konkrete Lösegeldforderungen. Ihre Beutezüge werden dadurch erleichtert, dass Somalia über keinen Küstenschutz verfügt. Das Land ist seit dem Sturz des Diktators Mohammed Siad Barre im Jahr 1991 praktisch ohne einen funktionierenden Staatsapparat.