Panorama

300 Mafia-Angehörige festgenommen Polizei fasst 'Ndrangheta-Chef

2s4d1818.jpg5029063416111993361.jpg

Ein Carabinieri patrouilliert im kalabrischen San Luca (Archivbild).

(Foto: dpa)

Die italienische Polizei kann erneut einen großen Erfolg gegen die Mafia verbuchen. Nachdem vor wenigen Tagen Güter im Milliarden-Wert beschlagnahmt wurden, gehen den Ermittlern nun 300 mutmaßliche Mitglieder der 'Ndrangheta ins Netz. Darunter soll sich auch der Chef der Mafia-Organisation befinden.

Bei ihrem größten Einsatz gegen die Mafiaorganisation 'Ndrangheta seit 15 Jahren hat die italienische Polizei mehr als 300 Verdächtige festgenommen. Unter ihnen war nach Polizeiangaben auch deren mutmaßlicher Chef Domenico Oppedisano. Bei der Razzia im süditalienischen Kalabrien sowie in wohlhabenden Regionen des Nordens wurden zudem Güter, Waffen und Drogen im Wert von 60 Millionen Euro beschlagnahmt.

Italiens Innenminister Roberto Maroni sagte, der von 3000 Polizisten ausgeführte Großeinsatz unter dem Decknamen "Il crimine" (das Verbrechen) habe die 'Ndrangheta "im Herzen ihres kriminellen Systems getroffen, sowohl ihre Organisation als auch ihre Finanzen betreffend". Der oberste Mafia-Staatsanwalt Piero Grasso sprach von einer "fundamentalen Etappe" im Kampf gegen das organisierte Verbrechen. Regierungschef Silvio Berlusconi lobte den Einsatz als "großen Erfolg", der in der Geschichte Italiens ohne Beispiel sei.

Anfälliger Gesundheitssektor

Den Verdächtigen werden Mitgliedschaft in der Mafia, Mord, Waffenhandel, Erpressung und andere Delikte vorgeworfen. Den Angaben zufolge ist unter den Festgenommenen der 80-jährige Oppedisano, der laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa bei einer Hochzeit im August vergangenen Jahres an die Spitze der kalabrischen Mafiagruppen gewählt worden war. Unter den Festgenommenen sind auch der 'Ndrangheta-Chef der Lombardei, also der Region um die Wirtschaftsmetropole Mailand, sowie mehrere Vertreter aus dem Gesundheitssektor.

Italy_Mob_Crackdown_REG105.jpg8654255085639363100.jpg

Dieser Mann ist nach Angaben der Carabinieri der 'Ndrangheta-Chef Domenico Oppedisano.

(Foto: AP)

"Diese Festnahmen bestätigen, dass Norditalien der wahre Schauplatz der Aktionen der 'Ndrangheta sind", sagte der auf den Kampf gegen die Mafia spezialisierte Staatsanwalt Alberto Cisterna. Der Gesundheitssektor sei ein bevorzugtes Betätigungsfeld der Mafia, weil sie dort gute Kontakte zu Politikern knüpfen könne.

Der Großeinsatz folgte laut Cisterna auf eine Reihe von Mordfällen in Norditalien nach einem Machtkampf innerhalb der 'Ndrangheta. Weil die 'Ndrangheta dem wohlhabenden Norden ihre Wirtschaftskraft verdankt, hatte der norditalienische Zweig die Macht innerhalb der von den kalabrischen Clans dominierten Organisation beansprucht - allerdings ohne Erfolg.

44 Milliarden Euro Umsatz 2007

Die 'Ndrangheta hat sich in den vergangenen Jahren zur stärksten und gefürchtetsten Mafiagruppe Italiens entwickelt. Die Gruppe hat ihren Ursprung in der Region Kalabrien an der Stiefelspitze. Die drei anderen italienischen Mafiagruppen sind die Camorra in Neapel, die Cosa Nostra aus Sizilien und die kleinere Sacra Corona Unita aus Apulien.

Bereits am Montag hatte die italienische Polizei einen Erfolg im Kampf gegen die 'Ndrangheta und die Camorra verkündet. Demnach beschlagnahmten Beamte Güter im Wert von insgesamt 1,3 Milliarden Euro. 17 Verdächtige, darunter Nicola Schiavone, Sohn des früheren Camorra-Chefs Francesco Schiavone, genannt Sandokan, wurden verhaftet. Das italienische Eurispes-Institut schätzt, dass die 'Ndrangheta mit Drogen- und Waffenhandel, Prostitution und Erpressung im Jahr 2007 rund 44 Milliarden Euro Umsatz machte.

Quelle: n-tv.de, AFP

Mehr zum Thema